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Umweltschutz : Wie man Milliarden für das Klima verbrennt

Der Schutz des Regenwaldes wäre weit wirksamer als die Förderung von Solarenergie Bild: dpa

Die Sonne schickt keine Rechnung - die Solarförderung schon. Denn dort werden Milliarden für unsinnige Projekte vergeudet, die keine einzige Tonne CO2 einsparen. Dabei könnte Klimaschutz viel billiger sein, sagen Ökonomen.

          Sind die Anstrengungen der Klimaschutzpolitik eine gute Sache? Die Antwort vieler Ökonomen klingt oft wie Radio Eriwan: „Im Prinzip ja, aber . . .“ Dann folgt harsche Kritik: Zu ineffizient, zu teuer, widersprüchlich und unökonomisch seien die Ansätze. „Die deutsche und die europäische Klimapolitik können einem die Tränen in die Augen treiben“, klagt der Umweltökonom Joachim Weimann von der Universität Magdeburg. Ein einfaches Beispiel: Den Ausstoß von einer Tonne Kohlendioxid (CO2) durch den Betrieb von Solarkraftwerken einzusparen koste hierzulande etwa 600 bis 1000 Euro. „Für diesen Preis könnte man in anderen Ländern und mit anderen Methoden die hundertfache Menge einsparen“, sagt Weimann, der ein Buch mit dem Titel „Die Klimapolitikkatastrophe“ geschrieben hat.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Für Ökonomen, die nüchtern Kosten und Nutzen abwägen, ist die Sache klar: Will man verhindern, dass eine Tonne CO2 in die Atmosphäre geblasen wird, kann man an der Leipziger Energiebörse ein Zertifikat für eine Tonne CO2 kaufen und dieses sperren, so dass die Industrie und die Stromkonzerne weniger CO2 ausstoßen dürfen. Ein solches Zertifikat kostet derzeit knapp 15 Euro, in der Spitze waren es vor drei Jahren 30 Euro - also ein Bruchteil der Kosten, die eine Solaranlage zur Einsparung derselben Menge verursacht.

          Förderung schmutziger Technologien

          „Die Obergrenze an CO2-Emissionen ist in der EU politisch festgelegt worden“, erklärt Ronnie Schöb, Professor an der TU Berlin. „Durch die Solar- oder Windenergieförderung mit dem Erneuerbare-Energien-Gesetz wird keine einzige Tonne CO2 eingespart.“ Wenn wegen des subventionierten Ausbaus der Erneuerbaren Energien für die Stromproduktion weniger Zertifikate nachgefragt werden, sinkt deren Preis. „Dann kaufen andere mehr Zertifikate und emittieren mehr CO2.“ Der Umweltökonom Christoph Böhringer von der Universität Oldenburg geht noch einen Schritt weiter: „Wenn wir die Erneuerbaren Energien zu viel subventionieren, sinkt der CO2-Preis so stark, dass davon die schmutzigsten Technologien profitieren.“

          Solche und ähnliche Kritik war auf der Jahrestagung des Vereins für Socialpolitik (VfS) vergangene Woche in Magdeburg immer wieder zu hören. Der 1873 gegründete Verein ist die wichtigste Organisation der Ökonomen im deutschsprachigen Raum. Mehrere hundert Wirtschaftsprofessoren und Nachwuchswissenschaftler waren gekommen, um über den Stand und die Perspektiven der Klimapolitik zu diskutieren. Dabei wurden der deutschen und europäischen Politik durchaus gute Absichten und gewisse Erfolge zugestanden. Das abschließende Urteil fiel jedoch meist deutlich negativ aus.

          Die Politik leidet am „grünen Tunnelblick“

          Viele lobten zwar die EU dafür, dass sie überhaupt das Instrument des Emissionshandels vorantreibe. Daneben gebe es jedoch „ein unsinniges Sammelsurium von Maßnahmen und Regulierungen“, kritisierte Böhringer. Viele Politiker litten an einem „grünen Tunnelblick“. Gut gemeint sei aber oft nicht gut gemacht. „Das Glühbirnenverbot hat null Effekt auf die Emissionen, das ist teure Symbolpolitik“, monierte Schöb. Und Joachim Weimann sah fragwürdige industriepolitische Ansätze in der EU-Politik, etwa bei der Ökodesign-Richtlinie. „Bürokraten entscheiden in enger Abstimmung mit Produzenten, welche Standards gelten sollen, das wird leicht für protektionistische Ziele missbraucht.“

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