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Tipps von Ökonomen : Das Geheimnis einer guten Ehe

  • -Aktualisiert am

Bild: Alfons Holtgreve

Ökonomen schrecken auch vor den ganz großen Fragen nicht zurück: Was ist das Geheimnis einer guten Ehe? Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an?

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          Was ist - zumindest ökonomisch betrachtet - das Geheimnis einer guten Ehe: Gleich und Gleich gesellt sich gern oder Gegensätze ziehen sich an? Die Idee, dass Gegensätze sich ehelich anziehen, hat aus ökonomischer Perspektive etwas für sich: Je gegensätzlicher zwei Partner sind, umso größer sind die möglichen Gewinne aus einer partnerschaftlichen Arbeitsteilung. Wenn zwei Menschen mit unterschiedlichen Talenten sich zusammentun und jeder seine Talente voll auslebt, verspricht das hohe Spezialisierungsvorteile.

          Das ist im Grunde genommen die universale Idee der Arbeitsteilung und der damit verbundenen komparativen Vorteile. Es ist auch ein Konzept aus der grauen Vorzeit der Eheschließung: Der Mann spezialisiert sich auf das Geldverdienen, die Frau auf den Haushalt. Das optimiert vielleicht den Ertrag einer Gemeinschaft, ist aber zwischenmenschlich eine zweifelhafte Angelegenheit, jedenfalls dann, wenn die Wahl zu dieser Lebensform aus Mangel an Alternativen getroffen wird.

          Viele Frauen jedenfalls haben, sobald sie die Wahl hatten, sich gegen diese Form der Arbeitsteilung entschieden: Mit dem Siegeszug der modernen Haushaltstechnologie - Spülmaschine, Wäschetrockner und Ähnliches - entfällt zunehmend die Notwendigkeit einer solchen Spezialisierungsehe. Diese Form der Ehe, bei der ein Partner sich auf den Haushalt spezialisiert, befindet sich also dementsprechend auf dem Rückzug. Gegensätze ziehen sich also zumindest aus ökonomischer Perspektive nicht mehr an.

          So betrachtet, ist der Fall damit klar: Gleich und Gleich ist das Geheimnis einer glücklichen Ehe. Warum, ist rasch geklärt: Eine Ehe ist eine besondere Produktionsgemeinschaft, die ein sehr spezielles Produkt herstellt, bestehend aus Liebe, Nähe, Geborgenheit, Zuneigung, Vertrauen, Sicherheit - eben all diesen Dingen, die einem als Single fehlen, wenn man alleine nachts nach Hause kommt und eine kalte Wohnung vorfindet.

          Und dieses spezielle Produkt gedeiht am besten, wenn es von Partnern hergestellt wird, die sich ähneln - schwer vorstellbar, dass der Frühaufsteher mit der Langschläferin harmoniert, die Ordnungsliebende mit dem Chaoten, der Naturfreund mit der Großstadtbewohnerin. Empirische Studien bestätigen diese Idee: Paare ähneln sich stark, was ihre Ansichten, Hobbys, Gewohnheiten, Wertvorstellungen und demographischen Merkmale angeht. Sind alle Fragen damit geklärt? Vielleicht nicht ganz. Es gibt offenbar einen Bereich des Lebens und der Liebe, wo sich Gegensätze anziehen.

          Geizkragen fühlen sich zu Verschwendern hingezogen

          Die Ökonomen Scott I. Rick, Deborah A. Small und Eli J. Finkel jedenfalls glauben, eine Ausnahme von der Gleich-und-Gleich-These entdeckt zu haben: Mittels mehrerer Befragungen haben sie herausgefunden, dass sich finanzielle Gegensätze anziehen. Menschen, die einen zu starken Hang zum Geldausgeben haben, neigen offenbar dazu, Menschen zu heiraten, die eher zu vorsichtig mit ihrem Einkommen umgehen. Oder um es deutlicher zu sagen: Verschwender heiraten Geizkragen; Geizkragen fühlen sich zu Verschwendern hingezogen.

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