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Römisches Reich : „Sklaverei war oft besser als Lohnarbeit“

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Sklaven waren gebildet?

Und wie! Sie machten die Buchführung, sie waren zuständig für alle Arten spezialisierter Arbeit. Und sie konnten dabei nicht einmal von der Konkurrenz abgeworben werden. Außerdem waren die Eigentümer berechtigt, unfähige oder betrügerische Sklavenmanager furchtbar zu bestrafen. Sie konnten sie zum Beispiel mit Honig beschmiert an einen Baum binden und den Bienen zum Fraß überlassen. Das bedeutete Tod. Aber wenn sich diese Manager auf legale Weise ein eigenes Einkommen erwarben, was gut möglich war, dann konnten sie sich auch freikaufen - und danach selbst als unabhängige Unternehmer schalten und walten.

Wie weit oben in der gesellschaftlichen Hierarchie gab es Sklaven?

Sehr weit oben. Sogar die Verwaltung des kaiserlichen Budgets, also das Amt eines Reichsfinanzministers, war eine Aufgabe von Sklaven.

Wer waren die teuersten Sklaven?

Eindeutig die Eunuchen, die häufig im kaiserlichen Haushalt eingesetzt wurden, die aber auch sonst eine große Rolle spielten.

Warum waren Eunuchen so teuer?

Weil es sich oft um sehr intelligente und hoch vermögende Männer handelte, die sehr einflussreich waren und zum Teil sogar Senatoren wurden. Das Schöne an Eunuchen war: Sie konnten alles, außer selbst Kinder zu bekommen. Man konnte sie mit den sensibelsten Aufgaben betrauen, weil man keine Angst haben musste, dass sie eine eigene Dynastie gründeten und zu mächtig wurden. Eunuchen waren zugleich beliebte, weil ungefährliche Sexobjekte für die Frauen Roms. Ihr Preis war auch deshalb hoch, weil eine Kastration sehr riskant war. Obwohl sie von Ärzten vorgenommen wurde, starben die „Patienten“ häufig an Infektionen.

Auch die Kastration war moralisch nicht anstößig?

Nun ja. Römer durften an sich nicht entmannt werden, das war nichtrömischen Jungen vorbehalten. Aber bei dem ganzen Thema muss man immer vor Augen haben: Ein Sklave war im Römischen Reich so etwas Ähnliches wie heute ein Smartphone oder Tablet-Computer. So versuche ich jedenfalls, meinen Studenten in Berkeley eine Vorstellung von den Verhältnissen zu geben. Man kann ein iPhone kaufen oder verkaufen. Aber zu diesem Objekt haben heute viele Leute eine emotionale, ja erotische Beziehung. Viele meiner Studenten streicheln es wohl öfter als ihren Partner. Sie sind traurig und auch etwas hilflos, wenn es kaputtgeht. Aber natürlich handelt es sich nicht um Subjekte, sondern um Dinge. So war es bei den römischen Sklaven auch: Sie galten als ein „instrumentum vocale“, ein „Objekt mit einer Stimme“. Das iPhone spricht ja auch zu mir. In den reichen römischen Häusern gab es unter den Sklaven die Funktion des Nomenklators, der seiner Herrschaft zum Beispiel die Namen von Besuchern nannte. Das ist eine Art Vorform von Google.

Fühlte der Besitzer sich für seine Sklaven auch verantwortlich?

Sicher. So wie Sie sich auch für ihr iPhone verantwortlich fühlen. Eines muss man allerdings aus dem römischen Recht wissen: Menschen wurden entweder als Sklaven oder als Freie geboren. Wenn ihre Mutter eine Sklavin war, dann waren sie ein Körper, den man verkaufen konnte. Entweder war man ein Mensch, dessen Körper zu verkaufen war - oder dessen Körper unter gar keinen Umständen je verkauft werden konnte. Ein freier Mann durfte sich auch nicht selbst verkaufen.

Aber man konnte sich doch als Sklave selbst freikaufen?

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