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Peter Thiels Buch „Zero to one“ : Ein Monopol ist keine Krankheit

„Vermeiden Sie den Konkurrenzkampf wo es geht!“

Thiel interessiert vor allem die Frage, wie man als Gründer im Internetzeitalter mit „kühlem Kopf ein Monopol errichten kann“.  Und zwar eines, das einige Zeit Bestand hat. Jedes Monopol sei einmalig, schreibt er, doch die meisten bringen eine Kombination aus vier Punkten mit: eigene Technologie, Netzwerkeffekte, Größenvorteile und Markenbildung. Thiel lobt Googles Suchalgorithmen, die mit ihren extrem kurzen Ladezeiten besser seien als die Programme sämtlicher Konkurrenten. Facebook und seine Nutzer profitierten extrem von Netzwerkeffekten, weil das Produkt umso nützlicher sei, je mehr Menschen es nutzen. Für Start-Ups sei das zu Beginn sehr schwierig, weil man zunächst eine kritische Masse an Nutzern benötige, damit der Effekt zum Tragen komme. Mark Zuckerberg sei dabei aber sehr klug vorgegangen, weil er die kritische Masse möglichst gering hielt, indem er das soziale Netz zunächst auf die Harvard-Universität beschränkte und erst dann vorsichtig für andere Nutzer öffnete. Der Markt könne zunächst klein sein, wichtig sei, dass man ihn von Beginn an dominiere.

„Vermeiden Sie den Konkurrenzkampf wo es geht!“, ruft Thiel seinen Lesern zu. Seine Hymne auf das Monopol hält sich nicht lange mit den volkswirtschaftlichen Nachteilen auf. Er feiert das Monopol aus betriebswirtschaftlicher Sicht. Doch auch für die Gesamtwirtschaft seien kreative Monopole von Vorteil: "Ein Monopol ist weder eine Krankheit noch ein Ausnahmezustand“.

Wenn Peter Thiel in seinem Buch gegen das Idealbild des Wettbewerbs giftet, klingt das rebellisch, weil er scheinbar mit Dogmen der Wirtschaftswissenschaften bricht.

Dass Monopole von Ökonomen stets nur negativ gesehen werden, ist indes ein weit verbreiteter Irrglaube. Zwar ist es richtig, dass in volkswirtschaftlichen Lehrbüchern meist vom Idealbild des vollkommenen Wettbewerbs die Rede ist; das Monopol wird dabei oft nur als ärgerlicher Problemfall abgehandelt. Doch je tiefer sich Ökonomen mit Monopolen befassen, umso vielschichtiger wird das Bild.

In den 70er Jahren etwa kam der amerikanische Ökonom William Baumol in seiner „Theorie der angreifbaren Märkte“ zu dem Schluss, dass aus der Zahl der Anbieter auf einem Markt überhaupt keine Schlüsse auf das Marktergebnis gezogen werden dürfen. Entscheidend sei vielmehr, ob es Marktzutrittsschranken gebe, die den Monopolisten vor potentiellen Wettbewerbern schützen. Ist der Marktzutritt grundsätzlich frei, könnten sich auch Monopolisten nicht unflätig verhalten. Die These blieb nicht ohne Widerspruch, doch die Theorie war nicht die erste, die Monopolisten in einem anderen Licht erscheinen ließ. 

Auch große Volkswirte wie Joseph Schumpeter und Friedrich August von Hayek würden Thiel - wenn sie denn noch leben würden - wohl lauthals unterstützen. Für sie war wirtschaftlicher Fortschritt stets „schöpferische Zerstörung“ und ähnlich dynamisch wie die Evolution. Jemand hat eine gute Idee und schöpft etwas Neues. Die Erfindung mag Altes dann zerstören, womöglich kann der Erfinder zeitweise eine Monopolstellung aufbauen, doch im Laufe der Zeit werden die Ideen anderer auch diese Machtstellung wieder zerstören. Thiels Lob auf den Monopolisten würden die beiden Ökonomen allerdings noch ein zweites Lob für die Nachahmer hinterher schieben. Denn anders als von Thiel dargestellt, haben auch die ganzen Nachahmer ihre Berechtigung. Sie lassen die alten Machtstellungen immer wieder aufs Neue erodieren und bereiten so den Boden für den Fortschritt. Beide bringen die Wirtschaft langfristig voran.

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