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Ökonomie : War Milton Friedman ein Liberaler?

Milton Friedman (l) bekam 1976 den Nobelgedenkpreis für Ökonomie. Im Bild nimmt er gerade das Preisgeld entgegen Bild: AP

Die Frage mag zunächst abwegig klingen, denn der Nobelpreisträger gilt als einer der einflussreichsten Liberalen des 20. Jahrhunderts. Nun hat Paul Krugman die These vertreten, Friedman stehe zumindest in der Frage der Bekämpfung von Wirtschaftskrisen John Maynard Keynes näher als den Erzliberalen.

          War Milton Friedman (1912 bis 2006) ein Liberaler? Die Frage mag zunächst ziemlich abwegig klingen, weil Friedman den Ruf eines der einflussreichsten Liberalen des 20. Jahrhunderts besitzt. Andererseits haben die Anhänger der Österreichischen Schule in der Nachfolge von Hayeks und von Mises' Friedman nie als einen zuverlässigen Verbündeten gesehen. Nun hat Paul Krugman die These vertreten, Friedman stehe zumindest in der Frage der Bekämpfung von Wirtschaftskrisen John Maynard Keynes näher als den erzliberalen "Österreichern".

          Friedman hat in seinem langen Leben als theoretisch und empirisch arbeitender Ökonom und als liberaler Freiheitsdenker gewirkt. Bücher wie "Capitalism and Freedom" oder "Free to Choose" zeigen einen überzeugten, unter anderen von John Stuart Mill und Friedrich von Hayek beeinflussten Liberalen, der das Individuum und seine Freiheit ins Zentrum seiner Überlegungen stellt und dem Staat wenig Vertrauen entgegenbringt. Friedmans Liberalismus steht hier völlig außer Zweifel.

          Friedman sah Platz auch für expansive Geldpolitik

          Aber in zumindest einer Hinsicht folgte er Mises und Hayek und deren Jüngern nicht: Friedman blieb ein überzeugter Anhänger des staatlichen Geldmonopols. Er lehnte privates Geld ebenso ab wie die Deckung von Geld durch Edelmetalle oder Rohstoffe, die er als reine Verschwendung von Ressourcen betrachtete.

          Zudem unterschied sich Friedman von den "Österreichern" in der Frage der Krisenbekämpfung, in der Friedman durchaus einen Platz für expansive Geldpolitik sah, um Deflation zu verhindern. Ein "Österreicher" erblickt in der Deflation gewöhnlich die notwendige Folge einer zu expansiven Geldpolitik vor der Krise. (Wobei Hayek allerdings im Nachhinein einräumte, dass seine ursprüngliche Befürwortung einer Deflation in der Weltwirtschaftskrise falsch war.)

          Keynes vertraute eher der Finanzpolitik als der Geldpolitik

          Friedman erkannte in der Befürwortung des staatlichen Geldmonopols und seiner Skepsis gegenüber dem Staat keinen Gegensatz. Er wollte den Handlungsspielraum der Geldpolitik durch eine feste Regel zum Wachstum der Geldmenge beschneiden. Die Geldpolitiker, von denen Friedman zeitlebens nicht sehr viel hielt, hätten dann nichts anderes zu tun gehabt, als dafür zu sorgen, dass die Geldmenge sich entsprechend der Regel entwickelt. Die Zeit ist über diese allzu vereinfachte Version eines Monetarismus hinweggegangen, und im Alter hat Friedman selbst konzediert, dass es so einfach in der Realität nicht geht.

          Geldpolitik war für Friedman immer ein wichtiges, wenn auch nicht allmächtiges Instrument. Aber manche seiner Jünger tendierten dazu, es etwas einseitig zu interpretieren. In der Zeit der steigenden Inflationsraten in den sechziger und siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts war eine restriktive Geldpolitik gefragt, die mit Zinserhöhungen und einer Dämpfung des Geldmengenwachstums die Geldentwertung bekämpfte. Aus der Sicht Friedman war aber auch der entgegengesetzte Fall möglich: In einer Krise konnte sich die Zentralbank veranlasst sehen, durch eine expansive Geldpolitik Gas zu geben.

          Friedman über Keynes: „Er war ein großer Ökonom“

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