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Nobelpreisträgertreffen : Ein Fest für die Marktwirtschaft

Welche Rolle spielt das Glück?

„Was die jungen Leute machen, ist spannender“, sagt Lisa Herzog. Sie hat nicht nur Volkswirtschaft studiert, sondern auch Politik, Philosophie und Geschichte. Fast hätte sie sich von der Volkswirtschaftslehre völlig abgewandt, erzählt die Doktorandin, und die Preisträger brächten sie kaum dorthin zurück - eher schon die neuen Ideen der Nachwuchsforscher, die in Lindau das Publikum bilden. In der Tat eröffnen sie den Blick dorthin, wohin die Wirtschaftsforschung steuert. Drei Jahre sind vergangen, seit die Finanzkrise ausgebrochen ist. Viele Doktoranden, die jetzt nach Lindau kommen, haben ihre Forschung unter dem Eindruck der Finanzkrise begonnen. Und das spiegelt sich in ihrer Arbeit. Zum Beispiel der des spanischen Harvard-Studenten Eduardo Davila, der über die Größe von Banken nachdenkt und feststellt, dass Staaten im Zweifel nicht nur große Banken retten müssen. „Wenn zehn kleine Banken gleichzeitig pleitegehen, ist es für die Wirtschaft genauso schädlich“, sagt er - und hat doch noch eine gute Nachricht: Wenigstens drehen die kleinen Banken meistens ein kleineres Rad, weil sie weniger auf ihre Rettung spekulieren.

Andere junge Ökonomen erforschen, wie man demokratische Regierungen vom Schuldenmachen abhält oder wie sich Wachstumsphasen besser vorhersagen lassen.

Aber ist das Wachstum überhaupt noch wichtig? Welche Rolle spielt das Glück? Auch darum kümmern sich die Jungen: An der Cornell University nahe New York hat Alex Rees-Jones herausgefunden, dass sich die meisten Menschen doch gegen einen Job entscheiden, der ihnen viel Glück verspricht, wenn sie stattdessen in einem anderen mehr Geld verdienen können. Alle diese Forscher sind im besten Alter, um bald eine Idee zu haben, mit der sie in 30 Jahren einmal den Nobelpreis bekommen - vielleicht sogar den für die besten Lehren aus der Finanzkrise. Der ist nämlich noch nicht vergeben.

Stiglitz stimmt nicht jeder zu

Doch einen Preisträger gibt es, der mit neuen Ideen beim jungen Publikum auf breite Zustimmung stößt: Joseph Stiglitz. Nun muss der sich nicht sonderlich winden, um die alten vorherrschenden Theorien schlecht zu finden - das tat er schon immer, und auch er würzt seine Rede mit Zitaten, die er schon oft gebracht hat. „Die unsichtbare Hand des Marktes ist vermutlich deshalb unsichtbar, weil es sie nicht gibt“, kalauert er. Aber danach hat er doch noch einige neue Ideen, um die Krise zu erklären und künftige Krisen zu verhindern. Und bekommt dafür einen Applaus, dass einzelne schon anfangen die Sekunden zu zählen wie auf dem CDU-Parteitag.

Die Weltwirtschaftskrise, glaubt Stiglitz, stand am Übergang der Wirtschaft von der Agrarwirtschaft zur Dominanz der Industrie. Jetzt werde die Industrie durch Dienstleistungen abgelöst - das habe die nächste Krise gebracht. Nur die zunehmende Vernetzung der Welt mache es schwieriger, die Krisen einzudämmen. Deshalb fordert er Sicherungen, um die Ausbreitung zu stoppen. Kapitalverkehrskontrollen könnten sich zum Beispiel eignen.

Da stimmt nicht jeder zu. Stiglitz erinnert an das vorige Treffen der Nobelpreisträger im August 2008. Die heraufziehende Finanzkrise versuchten sie damals weitgehend zu ignorieren. Viele glaubten damals noch, die Wirtschaftswissenschaft hätte die Zeit großer Rezessionen überwunden. Schon einen Monat später wurde deutlich, dass sie sich getäuscht hatten. Doch wer seine Ansichten nicht ändern will, findet auch da einen Ausweg. Zum Beispiel Edward Prescott, der auch nach der schweren Krise der vergangenen drei Jahre zu dem Schluss kommt: Rezessionen seien die beste Reaktion von Verbrauchern und Firmen auf externe Schocks, die Regierung sollte sich lieber nicht einmischen.

Das Inselufer übrigens, an dem die Lindauer Konferenzhalle steht, bietet keine Sicht nach vorne auf den See. Der Blick fällt vielmehr aufs Land zurück, nach hinten.

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