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Leistungsbilanz : Exportiert Deutschland zu viel?

  • -Aktualisiert am

Deutschland hat 2016 Waren im Wert von 1,2 Billionen Euro exportiert. Nach wie vor zieht die Autobranche. Bild: dpa

Der sehr hohe deutsche Überschuss in der Leistungsbilanz ist kein Grund zur reinen Zufriedenheit. Wenn man seine Schattenseiten bedenkt, hört er sich gar nicht mehr so toll an. Ein Gastbeitrag.

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          Unausgeglichene Handelsbilanzen erregen die Gemüter. Dafür hat nicht zuletzt der Vorwurf von Donald Trumps Wirtschaftsberater Peter Navarro gesorgt, Deutschland manipuliere den Euro, um sich auf Kosten anderer zu bereichern. Auch wenn dieser Vorwurf absurd ist, denn der Außenwert des Euros wird nicht in Berlin entschieden, bleibt hierzulande doch ein mulmiges Gefühl zurück. Steckt vielleicht ein Körnchen Wahrheit darin?

          Immerhin wurde Deutschland kürzlich wieder zum Exportweltmeister gekürt, und unser Leistungsbilanzüberschuss ist mit knapp 9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts größer als je zuvor. Der Internationale Währungsfonds, die EU-Kommission und viele Ökonomen weltweit fordern Korrekturen. Müssen wir uns also Sorgen machen, dass der Überschuss „zu hoch“ ist? Und was könnten wir tun, um ihn zu reduzieren? Die Krux mit der Leistungsbilanz ist, dass man sie immer von zwei Seiten betrachten muss. Diese beiden gehören unzertrennlich zusammen wie das Yin und das Yang aus der chinesischen Philosophie. Schaut man bloß isoliert auf eine Seite, dann entstehen schnell Fehlschlüsse.

          Ein Beweis für die enorme Stärke der Wirtschaft?

          Das „Yin“ der Leistungsbilanz geht so: Deutschland hat 2016 Waren im Wert von 1,2 Billionen Euro exportiert. Die Wareneinfuhr betrug 920 Milliarden Euro, also 280 Milliarden Euro weniger. Auf der Dienstleistungsbilanz haben wir zwar ein kleines Defizit, vor allem wegen vieler Auslandsurlaube, die saldenmechanisch Importe sind. Zählt man alles zusammen, kommt Deutschland zu einem Überschuss in der Leistungsbilanz von 261 Milliarden Euro. Viele sehen das als Beweis für die enorme Stärke der Wirtschaft. Es gibt hier eben exzellente Unternehmen mit Produkten von höchster Qualität. Die Deutschen sind erfolgreicher als andere, also wollen alle mehr von uns kaufen als umgekehrt. Dadurch entstehen hier Tausende zusätzlicher Arbeitsplätze, um die Auslandsnachfrage zu befriedigen, während Amerika zu Lasten der einfachen Arbeiter mit Importen überflutet werde.

          Diese hemdsärmelige Sicht, wonach Exportüberschüsse tugendhaft sind, springt volkswirtschaftlich allerdings viel zu kurz. Das wird deutlich, wenn man das „Yang“ der Leistungsbilanz betrachtet, die Finanzierungsseite. Hiernach hat die deutsche Volkswirtschaft allein im vergangenen Jahr 261 Milliarden Euro weniger konsumiert oder im Inland investiert, als möglich gewesen wäre. Dieses Geld ist natürlich nicht einfach weg. Es wurde gespart und im Ausland angelegt. Doch man muss es sich auf der Zunge zergehen lassen: Deutschland wird oft als sicherer Hafen bezeichnet. Aber im Saldo hat mehr Kapital das Land verlassen, als hineingeflossen ist. So ist das deutsche Netto-Auslandsvermögen auf stolze 1,8 Billionen Euro angewachsen, erzielt laut Bundesbank aber miserable Renditen. Plötzlich hört sich ein Leistungsbilanzüberschuss gar nicht mehr so toll an: Statt die Früchte der eigenen Arbeit im Inland zu genießen, leihen wir lieber dem Ausland ständig mehr Geld und hoffen, dass wir es irgendwann wiedersehen. Ganz anders die Vereinigten Staaten: Amerika mit seinem „Dollarprivileg“ darf jedes Jahr mehr konsumieren, als es produziert, weil Deutschland, Japan und China auf Pump exportieren. Ob Trump bewusst ist, dass dies vorbei wäre, wenn er das amerikanische Defizit abbaut?

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