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Lars Feld : Ein Wirtschaftsweiser mit Schweizer Brille

Lehrjahre in der Schweiz, Gastprofessuren in Amerika und Frankreich: Lars Feld Bild: Privat

Der Freiburger Professor Lars Feld ist der Neue in den Reihen der „Wirtschaftsweisen“. Bereits jetzt hieß es, er sei ein „Hardliner“ und plädiere für eine strickte Einhaltung der Schuldenbremse. Sein Blick ist auch durch die Schweizer Lehrzeit geprägt.

          Schulden, Schulden und nochmals Schulden, wohin das Auge in den öffentlichen Haushalten blickt. Für einen Finanzwissenschaftler sind dies herausfordernde Zeiten. Lars Feld, der am Mittwoch von der Bundesregierung für den Sachverständigenrat - die „Wirtschaftsweisen“ - nominiert worden ist, übernimmt dort das heiße Eisen Finanzpolitik. Der 44 Jahre alte parteilose Ökonom, der seit kurzem an der Universität Freiburg lehrt und dort das Walter-Eucken-Institut leitet, tritt auf Vorschlag von Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle (FDP) die Nachfolge von Wolfgang Wiegard an, der am 1. März nach zehn Jahren aus dem Rat ausscheidet. Die vier anderen „Weisen“ sind Wolfgang Franz (Mannheim), Peter Bofinger (Würzburg), Christoph Schmidt (Essen) und Beatrice Weder di Mauro (Mainz).

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Durch einige Medien geisterte schon die Formulierung, der jugendlich wirkende Finanzwissenschaftler sei ein „Hardliner“ - weil er für einen strikten Konsolidierungskurs zur Einhaltung der Schuldenbremse eintritt. Das hält Feld, der auch Sprecher des liberalen Kronberger Kreises ist, für unbedingt notwendig, wenn der Staat nicht in Schulden ertrinken will. Die seit 2009 im Grundgesetz verankerte Schuldenregel ist so etwas wie sein wissenschaftliches Baby, denn sie basiert auf Entwürfen, die er gemeinsam mit anderen Ökonomen im wissenschaftlichen Beirat des Finanzministeriums erarbeitet hat.

          Feld fordert Insolvenzordnung

          Das Konsolidierungsprogramm der Regierung weise in die richtige Richtung, sagt der gebürtige Saarbrücker. „Aber es ist nicht der große Wurf. Der hätte einen massiven Abbau von Subventionen und Steuervergünstigungen erfordert.“ Auch an Einschnitten in Sozialausgaben führe kein Weg vorbei, glaubt Feld, zu dessen Forschungsgebieten die Schattenwirtschaft und die Schwarzarbeit gehören. Gibt es trotz allem auch Spielraum für Steuersenkungen? Durchaus, findet Feld, wenn dafür auf der anderen Stelle kräftiger gespart wird. Als Ansatzpunkt sieht er die Umsatzsteuer. „Man könnte den ermäßigten Satz abschaffen und dafür den Satz von 19 Prozent ermäßigen.“ Wünschenswert sei zudem, den „Mittelstandsbauch“ in der Einkommensteuer abzuflachen. Das würde Wachstumsreserven freisetzen.

          Die größte Gefahr sieht Feld derzeit in der Entwicklung der europäischen Schuldenkrise. „Wir müssen wegkommen von den Rettungsschirmen und hin zu einer Insolvenzordnung“, fordert er. Im Klartext: Die Peripheriestaaten und ihre Gläubiger sollen nicht dauerhaft vom deutschen Steuerzahler gestützt werden, sondern einen Schuldenschnitt durchführen. „Der Übergang wird schwierig“, gibt Feld zu. Dennoch sieht er dies als einzigen Weg, damit die Währungsunion nicht in eine Transferunion verkommt.

          Geprägt durch Schweizer Jahre

          Sein Blick auf viele ökonomische Fragen ist auch durch seine Lehrzeit in der Schweiz geprägt. Nach dem Studium in Saarbrücken, wo ihn Werner Pommerehne besonders beeindruckte, war Feld drei Jahre wissenschaftlicher Mitarbeiter von Gebhard Kirchgässner an der Universität St. Gallen. Dort wurde er 1999 promoviert. An der Schweiz schätzt Feld den Steuerwettbewerb der Kantone und Gemeinden. Dieser garantiere die Vielfalt, er treibe auch zu mehr Effizienz und Innovation von öffentlichen Leistungen an. Mit anderen Ökonomen aus dem Kreis um Bruno Frey hat Feld zur „Public Choice“ geforscht, der ökonomischen Theorie der Politik. Das hat sein Verständnis für die Möglichkeiten und Grenzen der Politikberatung geschärft. Aufgrund seiner Forschung ist er überzeugt, dass die Bürger mehr an der Politik beteiligt werden sollten. „Ich bin für mehr direkte Demokratie. In wichtigen Fragen wie etwa zum Euro müssen die Bürger gefragt werden.“

          Nach Gastprofessuren in Frankreich und Amerika hat Feld 2002 im Alter von 36 Jahren seine erste ordentliche Professur in Marburg übernommen, 2006 wechselte er nach Heidelberg, 2010 nach Freiburg im Breisgau. Sofern seine beruflichen Pflichten ihm Zeit lassen, geht der mit einer Medizinerin verheiratete Vater von drei Kindern gerne ins Fußballstadion (er ist Anhänger des FC Bayern) sowie mit Begeisterung zu Rock-, Pop- und Jazzkonzerten. Er sammelt antiquarische Bücher, vor allem von ökonomischen Klassikern, liebt gutes Essen und Reisen. Künftig wird seine Freizeit jedoch noch knapper bemessen sein: Jedes Jahr im Herbst wird er für mehrere Wochen zusammen mit den anderen Mitgliedern des Sachverständigenrats in Wiesbaden an den Gutachten arbeiten.

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