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Studie : Schatz, wie kreditwürdig bist du?

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Menschen mit ähnlicher Kreditwürdigkeit finden eher zueinander, sagt eine Studie der Fed. Bild: dpa

Wer regelmäßig seine Rechnungen zahlt, hat Glück in der Liebe – zu diesem Ergebnis kommt eine neue Studie.

          Er spielt Volleyball? Passt, ich mache auch viel Sport.

          Er mag Mozart? Sehr gut, ich liebe klassische Musik.

          Er zahlt seine Rechnungen immer pünktlich? Äh, okay. Zur Kenntnis genommen. Und mit diesem Satz will er mein Herz erobern?

          Vielleicht schon. Denn an diesem Punkt im Date sollten Sie spätestens hellhörig werden.

          Dass persönliche Vorlieben, Hobbys und Charakter einer Person bei der Partnerwahl entscheidend sind, scheint klar. Doch einer neuen Studie zufolge ist eine weitere Eigenschaft ausschlaggebend: die Zahlungsmoral einer Person. Demnach gehen Menschen eher mit denjenigen Personen eine Beziehung ein, die ähnlich kreditwürdig sind. Außerdem tendieren Partner dazu, länger zusammenzubleiben, je höher ihre Kreditwürdigkeit ist.

          Für Kreditwürdigkeit gibt es spezielle Maße. Denn insbesondere für Banken, Online-Versandhandel und Co. ist es wichtig zu wissen, ob jemand seine Kredite und Rechnungen bezahlen wird. Mit Hilfe von statistischen Verfahren schätzen spezialisierte Unternehmen deshalb die Kreditwürdigkeit von potentiellen Kreditnehmern und erstellen anhand von gesammelten Informationen zur Zahlungsmoral eine möglichst zuverlässige Prognose. Das Ergebnis wird in einer Kennzahl ausgedrückt, dem sogenannten „Credit Score“. Je höher dieser Credit Score, desto höher soll die Kreditwürdigkeit sein.

          Partner mit ähnlicher Zahlungsmoral

          Welche Rolle dieser Credit Score für das Liebesleben spielt, interessiert ausgerechnet die amerikanische Zentralbank Federal Reserve. In ihrem Arbeitspapier untersuchten die Fed-Ökonomen einen Datensatz der amerikanischen Wirtschaftsauskunftei Equifax. Ihr Trumpf: Die Kartei birgt einen riesigen Datenschatz mit anonymisierten Einträgen über 12 Millionen Verbraucher, die sich über mehr als 15 Jahre erstrecken. Normalerweise werden in Umfragen nur ein paar Tausend Menschen befragt, psychologische Studien kommen manchmal sogar mit ein paar Dutzend Teilnehmern aus.

          Die Kreditwürdigkeits-Skala reicht von 280 (niedrigste Kreditwürdigkeit) bis 750 Punkte (höchste Kreditwürdigkeit). Der Großteil der Verbraucher kratzt am oberen Rand der Skala: Im Schnitt hat eine Person 680 Punkte im Datensatz.

          Das Ergebnis der Studie: Ähnlich kreditwürdige Menschen finden eher zueinander – und werden sich in dieser Hinsicht während der Beziehung sogar noch ähnlicher. Der Credit Score von zwei zufällig ausgewählten Personen unterscheidet sich im Schnitt um 150 Punkte, der von zwei frisch Verliebten jedoch nur um 69 Punkte. Nach acht Jahren Beziehung beträgt der Unterschied der Partner nur noch 10 Punkte.

          Attraktiver Credit Score, attraktiver Mensch

          „Gleich und gleich gesellt sich gern“, lautet ein altes Sprichwort. Dass das auch in der Liebe gilt, ist schon länger bekannt. So suchen sich zum Beispiel gebildete Menschen ihre Partner gerne unter Ihresgleichen – ob bewusst oder unbewusst. Doch hier geht es nicht darum, am Kontostand die Attraktivität einer Person zu bemessen. Vielmehr geht es um Eigenschaften, die einer Person anhand ihrer Kreditwürdigkeit zugeschrieben werden.

          Denn die Autoren sehen folgenden Grund für den Zusammenhang zwischen Credit Score und Attraktivität: Je höher die Zahlungsmoral einer Person, desto vertrauenswürdiger und zuverlässiger muss sie auch sein. Und je zuverlässiger eine Person, desto mehr fühlt sie sich auch der Partnerin oder dem Partner verpflichtet. Für Menschen, denen (finanzielle) Verantwortung, Stabilität und Sicherheit wichtig sind, scheinen also Menschen mit einem hohen Credit Score hoch im Kurs zu stehen.

          Unbezahlte Kredite als Trennungsgrund?

          Doch das ist nicht alles. Beziehungen von Menschen mit einer hohen Kreditwürdigkeit sind nach den Ergebnissen der Ökonomen auch deutlich langlebiger. Bei 93 Punkten zusätzlich im Credit Score sinkt die Wahrscheinlichkeit, sich zu trennen, im zweiten Jahr um 30 Prozent. Das bedeutet: Je zuverlässiger eine Person in Sachen Finanzen ist, desto weniger trennt sie sich von ihrem Partner.

          Die größte Angriffsfläche für Kritik an der Studie bietet wohl die Definition von Partnerschaft, die die Ökonomen treffen: Partner sind hier zwei Menschen, die vorher nicht zusammen gewohnt haben, sich dann aber mindestens ein Jahr lang eine Adresse teilen. Das können aber auch Wohngemeinschaften sein oder Personen, die zwar in verschiedenen Wohnungen, aber unter einem Dach wohnen. Auch zwischen verheirateten und nicht verheirateten Paaren unterscheiden die Autoren nicht. Letztendlich teilten auch letztere “ökonomische und finanzielle Verantwortung“, schreiben die Ökonomen.

          Internetportale wie Tinder oder die angekündigte Plattform „Peeple“, auf denen Nutzer potentielle Date-Kandidaten nach Aussehen oder Persönlichkeit sortiert vorfinden, stehen übrigens nicht alleine da. Auf der Seite creditscoredating.com können amerikanische Nutzer ihren Traummann oder ihre Traumfrau finden, wenn die Zahlungsmoral passt. Das Motto: „Good Credit is Sexy“. Also im nächsten Date einfach mal Mut zu der Frage: „Schatz, wie kreditwürdig bist du?“

          Kredit-Scoring in Deutschland und in den Vereinigten Staaten

          In Deutschland gilt die Schutzgemeinschaft für allgemeine Kreditsicherung (Schufa Holding AG) als Marktführer für Verbraucherauskünfte. Sie verfügt nach eigenen Angaben derzeit über Informationen zu 66,3 Millionen deutschen Verbrauchern sowie 4,2 Millionen Unternehmen.

          In den Vereinigten Staaten hingegen teilen sich die vier großen Anbieter Experian, Equifax, Fair Isaac Corporation und TransUnion LLC den Markt. In Verbindung mit einem deutlich schwächer ausgeprägten gesetzlichen Datenschutz als in Deutschland sind die Scoring-Unternehmen in der Lage, weitreichende Profile von Verbrauchern zu erstellen. Beispielsweise überprüfen in den Vereinigten Staaten bis zu 60 Prozent der Arbeitgeber die Kreditwürdigkeit potentieller Arbeitnehmer, bevor sie sie einstellen. In Deutschland ist das verboten.

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