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Konjunkturprognose : Wirtschaftseinbruch um 7 Prozent befürchtet

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Da braut sich was zusammen - doch wie schlimm der Wirtschaftsrückgang wirklich wird, da sind sich die Experten uneins Bild: ddp

Ökonomen schrauben ihre Konjunkturprognosen immer drastischer nach unten. Die Commerzbank hält nun einen Rückgang des BIP von 6 bis 7 Prozent für wahrscheinlich. Das Wirtschaftsforschungsinstitut IWH schließt dies ebenfalls nicht aus. Doch gleichzeitig wächst die Furcht vor Übertreibungen.

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          Die Commerzbank rechnet wegen des scharfen Rückgangs der Auftragseingänge in Deutschland mit einem tieferen Wirtschaftseinbruch als bisher unterstellt. „Wir erwarten jetzt, dass die deutsche Wirtschaft in diesem Jahr nicht mehr nur um 3 bis 4 Prozent, sondern um 6 bis 7 Prozent schrumpfen wird“, schreibt Commerzbank-Chefvolkswirt Jörg Krämer in einer am Montag veröffentlichten Studie.

          „Die zuletzt eingebrochenen Auftragseingänge zwingen uns, unser im Vergleich zu den meisten Volkswirten ohnehin skeptisches Konjunkturbild kräftig nach unten zu revidieren“, schreibt die Bank zur Begründung. Die Auftrags- und Produktionsdaten seien „mit einer Dramatik eingebrochen“, die in der Nachkriegsgeschichte beispiellos sei. „Das hat der bisherigen Prognose den Boden unter den Füßen weggezogen.“

          Auch für den Euroraum und die Vereinigten Staaten seien die Prognosen nun deutlich gesenkt worden. Der Rezession werde nach ihrem Ende zudem allenfalls eine blutleere Aufwärtsbewegung folgen. Dies werde die Renditen von Staatsanleihen niedrig halten und verhindern, dass sich Aktien nennenswert erholten.

          Die Commerzbank rechnet mit einem drastischen Rückgang der Auftragseingänge in Deutschland

          IWH: Nicht auszuschließen

          Der von der Commerzbank prognostizierte Rückgang um bis zu 7 Prozent ist nach Ansicht des Instituts für Wirtschaftsforschung Halle (IWH) nicht auszuschließen. IWH-Konjunkturexperte Axel Lindner sagte der Nachrichtenagentur AP am Montag, derzeit sei vieles denkbar, also sei es nicht ausgeschlossen, dass die Vorhersage der Commerzbank zuträfe.

          Lindner hält aber dennoch an der Prognose seines Hauses fest: Das IWH in Halle hatte zuletzt ein Minus von 4,8 Prozent für das laufende Jahr und einen Rückgang von 0,2 Prozent für das Jahr 2010 vorher gesagt. Der derzeit scharfe Schrumpfungsprozess der Wirtschaft werde sich im Jahresverlauf verlangsamen, meinte Lindner.

          RWI senkt ebenfalls Prognose - aber weniger kräftig

          Auch das Rheinisch-Westfälische Institut für Wirtschaftsforschung (RWI) hat seine Prognose für 2009
          gesenkt - wenn auch nicht so kräftig, wie die Commerzbank. Das RWI erwartet einen Rückgang des Bruttoinlandsprodukts um 4,3 Prozent. Im kommenden Jahr werde es wohl wieder leicht um 0,5 Prozent aufwärts gehen, erklärten die Konjunkturexperten am Montag in Essen.

          Damit sei die Finanzkrise stärker auf Deutschland durchgeschlagen als auf die meisten übrigen Länder des Euro-Raums. Trotz steigender Kurzarbeit werde für 2009 ein Anstieg der Arbeitslosenzahl um 1,1 Millionen erwartet.

          Steinbrück räumt ein: Rezession könnte stärker ausfallen

          Bundesfinanzminister Peer Steinbrück (SPD) hatte vergangene Woche in einem Interview eingeräumt, dass die Rezession in Deutschland stärker ausfallen könnte als bislang angenommen. Gleichzeitig hatte er jedoch scharfe Kritik an den derzeit kursierenden Konjunkturprognosen geübt und angedeutet, einige Prognostiker befänden sich in einem Negativ-Überbietungswettlauf. Seine Kritik damals richtete sich unter anderem gegen Deutsche-Bank-Chefvolkswirt Norbert Walter.

          „Der Chef-Volkswirt der Deutschen Bank hat seine Prognose jetzt schon auf minus 5 Prozent verschlechtert, und es wird nicht lange dauern, da ist er über 5 Prozent hinaus“, sagte Steinbrück. „Ich halte so eine Vorgehensweise für verantwortungslos.“ Er sehe darin einen „Versuch, mit immer schlechteren Nachrichten Aufmerksamkeit zu erheischen“.

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