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Klimaschutz : Dicke Menschen schaden der Umwelt

Bizarre Ideen klimaforschender Ökonomen Bild: REUTERS

Forscher legten jüngst dar, dass Fettleibigkeit zu einem erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid beitrage. Das klingt bizarr. Aber auch renommierte Studien lassen zum Teil zweifeln. Ein Blick auf die weniger klugen Ideen zum Klimaschutz.

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          In der Debatte um die Erderwärmung haben Ökonomen in einer Hinsicht nichts zu sagen: Es liegt nicht in ihrer Kompetenz, zu beurteilen, ob die Belege für den vermuteten schädlichen Einfluss von Kohlendioxid auf die Erderwärmung stichhaltig sind oder nicht. Da müssen schon Naturwissenschaftler ran.

          Patrick Welter

          Korrespondent für Wirtschaft und Politik in Japan mit Sitz in Tokio.

          Ökonomen können aber sehr wohl beurteilen, ob die öffentliche Hand in Sachen Umweltschutz in den Markt eingreifen sollte. Schließlich dreht es sich in der Umweltpolitik darum, wie und von wem knappe Güter wie die Luft am besten verwendet werden. In diesem Feld sind Ökonomen Spezialisten.

          Bizarre Beiträge

          Anstatt über ihr begrenztes Wissen nachzudenken, melden sich viele Volkswirte in der umweltpolitischen Diskussion freilich lieber mit geradezu bizarren Beiträgen zu Wort. So legten Hamburger Forscher unlängst dar, dass die Fettleibigkeit zu einem erhöhten Ausstoß von Kohlendioxid und damit zum Treibhausgaseffekt beitrage, weil dicke Menschen schwerer zu transportieren sind. Auch äßen sie mehr, so dass mehr Nahrung produziert und mehr organischer Müll weggeworfen werde. Wären die Menschen im Schnitt fünf Kilogramm leichter, könne allein der CO2-Ausstoß im Straßenverkehr in den OECD-Ländern um zehn Millionen Tonnen im Jahr reduziert werden.

          Hoffnungsfroh erwarten die Ökonomen Axel Michaelowa und Björn Dransfeld, dass die Diskussion um die Erderwärmung die breite Masse der Bevölkerung dazu bringe, sich politischem Zwang zur Verringerung der Fettleibigkeit zu unterwerfen.

          Die Kosten sind auch heute zu tragen

          Bedenklicher als solche amüsanten Beiträge ist, dass auch renommierte Studien auf Werturteilen und nicht auf handfester ökonomischer Analyse beruhen, wie etwa der Bericht der Forschergruppe um Nicholas Stern im Auftrag der britischen Regierung. Populär ging vor einem Jahr durch die Medien, der Treibhausgaseffekt werde die globale Wirtschaftsleistung jedes Jahr um mindestens fünf Prozent vermindern. Um die schädlichsten Folgen zu vermeiden, sei indes nur ein Prozent der jährlichen Weltwirtschaftsleistung aufzubringen. Danach wäre der Umweltschutz eine besonders gute Investition.

          Diese Kosten-Nutzen-Rechnung ist höchst fragwürdig. Während der Nutzen einer Vermeidung der Erderwärmung weit überwiegend künftigen Generationen zugutekommt, sind die Kosten auch heute zu tragen. Wer künftigen Nutzen mit heutigen Kosten vergleicht, muss entscheiden, wie sehr ihm das Wohl der künftigen Generationen am Herzen liegt. Zeitpräferenz nennen dies Ökonomen, und die Erfahrung lehrt, dass die Menschen üblicherweise die Zukunft geringer schätzen als die Gegenwart. Nicht umsonst verlangt in der Regel der Kapitalgeber bei der Rückzahlung einen Aufschlag, den Zins, um für sein Zeitopfer entschädigt zu werden. Erst die Diskontierung künftiger Kosten und Nutzen mit der Zinsrate auf den heutigen Zeitpunkt erlaubt, Kosten und Nutzen der Geldleihe wie des Umweltschutzes zu vergleichen.

          Konzept der Zeitpräferenz - einfach abgelehnt

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