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Familienpolitik : Vätermonate bringen wenig

Ein Vater füttert sein Baby. Bild: Picture-Alliance

Der Staat bringt immer mehr Väter dazu, sich für ein paar Monate um ihre Kinder zu kümmern. Das soll die Ungleichheit zwischen den Geschlechtern verringern. Eine Studie aus Norwegen zeigt: So leicht ist das nicht. Es gibt nur einen deutlichen Effekt.

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          Wenn der Mann für einige Zeit die Betreuung des Kleinkindes übernimmt, zahlt der Staat länger Elterngeld. In den Deutschland gibt es zwei solche „Vätermonate“, die auch Müttermonate sein könnten, aber weit überwiegend von Männern genommen werden. Im Jahr 2007 eingeführt erfreuen sie sich großer und wachsender Beliebtheit.

          Lisa Becker
          Redakteurin in der Wirtschaft

          Mit ihnen verfolgt die Politik viele gesellschaftliche Ziele. Ihre Wirkung soll nämlich weit über die zwei Monate hinweg andauern. Die oft nur kurze Zeit zu Hause soll Väter dazu bringen, sich auch langfristig stärker um Kinder und Haushalt zu kümmern. Einige Väter setzen auch gleich für die halbe Elternzeit aus, wenn sie sowieso für zwei Monate zu Hause bleiben müssen, um das Geld zu bekommen. Letztlich soll das zu mehr Gleichheit zwischen den Geschlechtern führen: Mann und Frau sollen sich nicht nur zuhause, sondern auch in der Arbeitswelt immer mehr auf Augenhöhe begegnen.

          Wissenschaftler von der Norwegian Business School in Oslo haben nun untersucht, ob diese Ziele mit den Vätermonaten erreicht werden. Sie kommen zu überraschenden Ergebnissen. Grundlage ihrer Studie sind die 1993 in Norwegen eingeführten vier Väterwochen. Befürworter dieser Sonderregelungen dürfte freuen, dass die Forscher durchaus positive Wirkungen gefunden haben – allerdings nicht viele. Und andere als erwartet.

          Auf die Rollenverteilung in Familie und Beruf hat die väterliche Erziehungszeit nämlich erst mal keine direkten Auswirkungen - zumindest nicht in Norwegen.

          Zwar konnten die Wissenschaftler mit ihrer Methode nicht messen, ob die Vätermonate das gesellschaftliche Klima geändert haben. Sicher ist aber: In den Familien, in denen die Väter zu Hause geblieben sind, gleichen sich weder die Arbeitszeiten von Vater und Mutter an noch der Verdienst. Die Forscher finden auch keine Anhaltspunkte dafür, dass die Väterzeit zu mehr Geburten oder weniger Scheidungen führt. Ähnliche Ergebnisse hatte eine Studie aus Schweden gebracht, die im vergangenen Jahr veröffentlicht worden war.

          Laut neuer Studie hat die Väterzeit nur einen feststellbaren Effekt: Wenn der Mann in der frühen Kindheit für ein paar Wochen zuhause geblieben ist, verbessert das die späteren schulischen Leistungen der Sprösslinge – unter einer Voraussetzung: Der Vater verfügt über eine höhere Bildung als die Mutter. Dann nämlich gewinnt das Kind an Engagement von seinem gebildeteren Elternteil.

          Diese Wirkung dürfte weniger eine direkte Folge der väterlichen Anwesenheit im ersten Lebensjahr des Kindes sein, schreiben die Forscher. Sie vermuten, dass die frühe intensive Betreuung die Männer dazu bringt, sich später stärker in der Erziehung der Kinder zu engagieren, offensichtlich ganz besonders in der schulischen Erziehung.

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