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Kapitalismus : Eine kurze Geschichte der Finanzkrisen

Crash 1929: Schlangestehen vor dem Geldhaus Bild: AFP

Die Geschichte des Kapitalismus ist auch eine Geschichte der Finanzkrisen. Die Auswirkung der Finanzkrisen auf die reale Wirtschaft blieb meist begrenzt - mit der Ausnahme von 1929, als sich an einen Aktienkrach eine Weltwirtschaftskrise anschloss.

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          Die Geschichte des Kapitalismus ist auch eine Geschichte der Finanzkrisen. Sie beginnt mit dem spanischen Staatsbankrott von 1557, der eine Reihe europäischer Banken zusammenbrechen ließ. Der erste Börsenkrach fand im 17. Jahrhundert in Holland statt, wo viele Menschen mit Tulpenzwiebeln spekuliert hatten. Die Auswirkung der Finanzkrisen auf die reale Wirtschaft blieb meist begrenzt - mit der Ausnahme von 1929, als sich an einen Aktienkrach eine Weltwirtschaftskrise anschloss.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Der Staatsbankrott von 1557

          Jahrzehntelang hatten die Habsburger über ihre Verhältnisse gelebt und sich ihre Kriege durch Kredite meist deutscher und italienischer Banken finanzieren lassen. Im Jahre 1557 ging nichts mehr: Das von den Habsburgern regierte Spanien war bankrott. Die nachfolgenden Kreditausfälle verursachten den Untergang mehrerer Banken. Die Großen wie die Fugger und die Welser überlebten zwar, konnten aber nie wieder an die alte Herrlichkeit anknüpfen.

          Die Tulpenmanie

          Der erste Krach einer Börse fand im Jahre 1637 in den Niederlanden statt. Gehandelt wurden damals allerdings nicht Aktien oder Anleihen, sondern Tulpenzwiebeln. In den Jahren zuvor hatte halb Holland begonnen, mit den damals in Europa als exotisch geltenden Tulpen zu spekulieren. Seinerzeit fanden auch Termingeschäfte auf die Blumen statt. Auf dem Höhepunkt der Spekulation wurde eine Zwiebel mit umgerechnet 87.000 Euro bezahlt. Als schließlich die Käufer fehlten, brach der Markt zusammen wie ein Kartenhaus. Ihre Liebe zu den Tulpen haben sich die Niederländer dennoch bewahrt: Noch heute gehört das Land zu den wichtigsten Tulpenproduzenten.

          John Laws Finanzsystem

          Das Modell war einfach: Man werfe die Notenpresse an und locke die Privatanleger in Aktien einer unbekannten Gesellschaft im fernen Amerika. So funktionierte, stark vereinfacht, das von dem Schotten John Law erfundene „Finanzsystem“ , dass er zu Beginn des 18. Jahrhunderts mit Unterstützung der Krone in Frankreich umsetzen durfte. Es funktionierte einige Jahre, ehe sich herausstellte, dass die Kolonialgesellschaft in Amerika keinen Wert besaß. Der Aktienkurs fiel und ruinierte zahlreiche Anleger.

          Der Börsenkrach von 1929

          Das Vertrauen auf eine lang anhaltende wirtschaftliche Expansion trieb viele amerikanische Privatanleger in den zwanziger Jahren des 20. Jahrhunderts an den Aktienmarkt. Die Wall Street wusste das ihr zuströmende Geld zu nutzen, um neben sinnvollen auch sinnlose Anlageideen zu promoten. Der Markt wurde intransparent: Wie die berüchtigten Zweckgesellschaften in der aktuellen Krise entstanden seinerzeit zahlreiche Investmenttrusts voller Anlagen mit fragwürdiger Bonität. Als das Vertrauen in den Markt zusammenbrach, setzte ein beispielloser Kursverfall ein, der Millionen Anleger ruinierte und der Wall Street eine Zeitenwende bescherte. Schlimmer noch: An den Börsenkrach schloss sich eine schwere Weltwirtschaftskrise an, die erst nach mehreren Jahren bewältigt werden konnte. Über die Ursachen des Krachs und die Wirtschaftskrise streiten Ökonomen noch heute. Eine von dem verstorbenen Nobelpreisträger Milton Friedman stammende, heute allerdings nicht unumstrittene Interpretation besagt, dass die amerikanische Notenbank Fed mit einer zu straffen Geldpolitik die Krise wesentlich mit verschuldet hat. Die Geldpolitiker haben aus dem damaligen Desaster ihre Lektion gelernt: Heutzutage fluten sie die Finanzmärkte im Krisenfall mit zusätzlichem Geld.

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