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Geld bringt weniger : Reichtum war noch nie so nutzlos

Noch immer etwas für Reiche: Ferrari und Gucci in London. Bild: Getty Images

In vielen Ländern entwickeln sich Reich und Arm auseinander. Doch ihr Lebensstandard nähert sich trotzdem an. Von Geld kann man sich nicht mehr so viel kaufen wie früher. Die neuen Klassenunterschiede entstehen durch Bildung.

          Manchmal passieren wichtige Entwicklungen so langsam, dass man sie kaum bemerkt. Dann muss man weit zurückgucken, um sie zu sehen, vielleicht bis ins alte Rom. Julius Cäsar war zu seiner Zeit der reichste Mann der Welt. Nach Überschlagsrechnungen des Buchautors Detlef Gürtler nannte er ein Vermögen von umgerechnet mehreren hundert Millionen Euro sein Eigen, es war ein Zwanzigstel des jährlichen Welteinkommens. Während der Großteil von Roms Bürgern nicht mal fließend Wasser zu Hause hatte, leistete sich Julius Cäsar eine ganze Privatarmee, die ihm zur Alleinherrschaft im Römischen Reich verhalf. Und wenn er das Volk unterhalten wollte, veranstaltete er schon mal eine Seeschlacht auf einem eigens ausgehobenen See auf dem Marsfeld vor Rom.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Der reichste Mann der heutigen Welt heißt Bill Gates, und er hat keine Privatarmee. Sein Wohnhaus ist viel größer als das der anderen, er hat einen Pool und eine Bibliothek mit an die 200 Quadratmetern. Wenn er Unterhaltung will, kann er im hauseigenen Kino einen Film angucken, allein mit seiner Familie oder mit Freunden – aber es sind doch die gleichen Filme, die sowieso für den Rest der Welt produziert sind.

          Über die vergangenen Hunderte von Jahren sind die Lebensstandards der reichen Weltbürger so nah an die der Bevölkerungsmehrheit gerückt wie noch nie zuvor seit der Erfindung von Märkten und Eigentum. Das ist die andere, bisher kaum beachtete Seite der Diskussion über Armut und Reichtum. Zwar wachsen in vielen Ländern der Welt die Einkommen und Vermögen der reichsten Leute viel schneller als die der Mittelschicht. Der französische Ökonom Thomas Piketty hat in einem vielbeachteten und heftig umstrittenen Buch vorgerechnet, dass die Reichen über die Jahrzehnte und Jahrhunderte immer reicher werden. Von ihrem Geld können sich die Reichen aber längst nicht mehr so einen großen Vorsprung an Annehmlichkeiten kaufen wie früher. Und der Abstand zur Mittelschicht schrumpft immer weiter. Möglich machen das die Entwicklung der Technik und das Internet.

          Natürlich erleichtert ein großes Vermögen seinem Besitzer auch heute noch das Leben und nimmt ihm viele Sorgen. Wer mit der eigenen Yacht durchs Mittelmeer segeln kann, der macht anders Urlaub als die Touristenmassen auf dem Aida-Schiff. Und trotzdem schrumpfen die Vorzüge großen Reichtums von Jahrzehnt zu Jahrzehnt. „Früher waren sie recht massiv“, sagt der Mainzer Soziologe Stefan Hradil. „Doch heute muss man nach handfesten Vorteilen schon suchen.“ Statt des Geldes rückt in den entwickelten Ländern ein anderer Unterschied zwischen den Schichten ins Zentrum: die Bildung.

          Die Technik bringt Arm und Reich näher zueinander

          Wie sehr sich die Schichten materiell annähern, das wird fast wöchentlich im Fernsehen deutlich. Und zwar dann, wenn Angela Merkel im Bundestag sitzt und auf ihrem Handy tippt. Einst mussten die Begüterten und Mächtigen ihren Reichtum nutzen und viel Geld ausgeben, um ihre Nachrichten mit berittenen Boten oder eigenen Telegrafenstationen schnell um die Welt zu bringen, Heute kommunizieren Bundeskanzlerin und Milliardäre nicht anders als 16 Jahre alte Teenager aus der Unterschicht: per Kurznachricht auf dem Handy. Daran ändert weder ein Milliardenvermögen noch ein kompletter Staatsapparat etwas, in vielen Fällen ist das Mobiltelefon heute das beste Kommunikationswerkzeug.

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