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„Grenzen des Wachstums“ : Die Logik des Immer Mehr

Wenn die Menschheit so weiterwächst wie bisher, dann stößt sie innerhalb weniger Jahrzehnte an ihre Grenzen: Das war die These der Studie „Grenzen des Wachstums“ Bild: Laborproben/Moni Port

Vor 40 Jahren präsentierte der „Club of Rome“ seine Studie über das Ende des Wachstums. Das Buch hat die Welt verschreckt. Und die grüne Bewegung angeschoben. Heute sind wir optimistischer: Wohlstand macht doch glücklich.

          Das „Smithsonian Castle“ in Washington ist keine richtige Burg, es ist nicht mal gut nachgemacht. Das Castle hat zwar einen Turm und ein paar Zinnen, aber die Wände sind aus feuerrotem Sandstein und zerstören jeden Burgeindruck. Trotzdem hätte sich an jenem 1. März 1972 vermutlich mancher Besucher der nachgebauten Burg am liebsten gleich darin verschanzt. Als nämlich der junge MIT-Forscher Dennis Meadows dort seinen Bericht über die „Grenzen des Wachstums“ vorstellte, sah die Zukunft der Welt plötzlich nur noch schwarz aus.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Die These ist schnell erzählt: Wenn die Menschheit so weiterwächst wie bisher, dann stößt sie innerhalb weniger Jahrzehnte an ihre Grenzen. Meadows und seine Kollegen hatten die Rohstoff-Vorräte der Erde mit dem Wirtschaftswachstum und den Geburtenraten in viele Formeln gesteckt und von einem Computer die Zukunft berechnen lassen. Das Ergebnis war entmutigend: Die Äcker können bald nicht mehr genügend Menschen ernähren, die Rohstoffe reichen nicht mehr aus, das Wachstum kommt zum Stillstand. Wenn alles gut läuft. Wenn es schlecht läuft, dann haben die Menschen bald so viele Ressourcen verbraucht, dass gar nicht mehr alle überleben können. „Die industrielle Basis bricht zusammen und reißt dabei den Dienstleistungssektor und das landwirtschaftliche System mit sich“, sagt Meadows: Wir laufen in eine Bevölkerungsfalle, ganz so, wie es Thomas Malthus Ende des 18. Jahrhunderts prophezeit hat.

          Apokalypse war plötzlich modern geworden

          Ihre düstere Prognose passte gut in die Zeit. Die Achtundsechziger hatten gerade einen Wertewandel angestoßen, mehr und mehr Leute dachten über die Umwelt nach, und aus der Dritten Welt kamen immer neue Nachrichten über schlimme Hungersnöte, ausgelöst durch ein horrendes Bevölkerungswachstum. Der Bericht verbreitete sich mit rasender Geschwindigkeit. „Kaum je hat eine mathematische Formulierung gesellschaftlicher Zusammenhänge ein so großes Aufsehen erregt“, resümierte die „Neue Züricher Zeitung“ schon im August desselben Jahres. In Zeitungen, auf Diskussionspodien und bei Nobelpreisträger-Tagungen stritten sich Praktiker, Politiker und Gelehrte über den Wahrheitsgehalt des Untergangsszenarios. Apokalypse war plötzlich modern geworden.

          Die meisten Menschen waren von der These überzeugt - spätestens dann, als im folgenden Jahr, 1973, die Ölförderstaaten am Persischen Golf der Welt den Ölhahn zudrehten und so die Preise in die Höhe trieben. Der „Club of Rome“, der den Bericht in Auftrag gegeben hatte, bekam den Friedenspreis des deutschen Buchhandels. Und in den Köpfen der Menschen breitete sich der Gedanke aus: Das Wirtschaftswachstum ist gefährlich. Denn um zu wachsen, muss die Wirtschaft Ressourcen verbrauchen - alles wird immer fetter, und am Ende geht die Schöpfung daran zugrunde.

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          „Die Grenzen des Wachstums“ sind die Geburt der Umweltbewegung. Bis heute nennen die deutschen Grünen das Buch als Initialzündung für ihre Partei. Und bis heute lässt die Wachstumsdebatte die Menschen nicht mehr los.

          „Die Grenzen fürs Wachstum hatten den Effekt, uns physikalische Grenzen des Erdsystems vor Augen zu führen, und den Nebeneffekt, uns aus der kulturellen Fixierung auf das rein quantitative Wirtschaftswachstum zu lösen“, sagt der Politikwissenschaftler und Umweltschützer Claus Leggewie. „Qualitatives Wachstum“ - so heißt die Devise, die seither von vielen Zeitgenossen propagiert wird: Der neue Begriff überbrückt das Paradox, dass trotz Meadows die Wirtschaft nicht aufgehört hat zu wachsen und auch nicht aufhören soll, dies zu tun, dass aber alles getan werden müsse, damit das Wachstum „nachhaltig“ werde. „Versöhnung von Ökologie und Ökonomie“ nennt sich der zugehörige Schlachtruf.

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