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Glücksforschung : „Ein Ferrari macht nicht lange glücklich“

  • Aktualisiert am

Akademiker brauchen offenbar viele Bücher zum Glück: Bruno Frey in seinem Büro Bild: Michael Hauri

Der Schweizer Ökonom Bruno Frey forscht seit Jahren über das Wesen des Glücks. Er weiß, warum eine Freundin besser ist als ein schnelles Auto und warum Kursverluste so schmerzen.

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          Der Schweizer Ökonom Bruno Frey forscht seit Jahren über das Wesen des Glücks. Er weiß, warum eine Freundin besser ist als ein schnelles Auto und warum Kursverluste so schmerzen.

          Herr Frey, Geld verlieren macht ziemlich unglücklich?

          Verluste tun sehr weh. Wir verlieren ungern etwas.

          Als die Kurse nach oben gingen, war kein Freudengeschrei zu hören. Jetzt aber klagen alle, obwohl der Dax viel weniger eingebrochen ist als zu Ende der New Economy.

          Man gewöhnt sich eben sehr rasch an das, was ist. Besonders wenn das Geld mehr wird. Wir nennen das "Habituation", also Gewöhnung an wachsende Vermögenswerte. Die Kurse steigen, und die Erwartung, was ein angemessenes Vermögen ist, nimmt fast im gleichen Tempo zu. Also nehmen wir das als selbstverständlich und haben keinen Grund für ein besonderes Glücksgefühl.

          An Gewinne gewöhnen wir uns, aber an Verluste gewöhnen wir uns nicht?

          Leider ist das so. Nach unten funktioniert es nicht.

          Woran liegt das?

          Es ist eine empirische und psychologische Regelmäßigkeit, die wir beobachten.

          Wir könnten doch auch vergleichen, wie es uns vor zwanzig oder dreißig Jahren ging.

          Möglich wäre das schon. Aber so funktionieren die Menschen nun mal nicht. Wir vergleichen uns nicht damit, wie schlecht es uns früher gegangen ist, sondern wie gut wir es schon einmal hatten, und werden dann übel gelaunt. Die Presse trägt zu diesem Unglücksgefühl bei, wenn sie schreibt, die Kurse fallen ins Bodenlose oder sie seien im freien Fall. Fünf Prozent ist viel bei einem großen Vermögen. Aber es ist längst kein Totalverlust. Und wenn wir zwischen Generationen vergleichen, dann sehen wir, wie gut wir es heute haben. Damals gab es Kriege, wurde viel härter gearbeitet.

          An eine Rezession gewöhnt man sich auch nicht so gut?

          Das ist leider wahr. Wir gewöhnen uns sehr unterschiedlich an unterschiedliche Ereignisse. Weil es in Rezessionen immer Arbeitslosigkeit gibt, Arbeitslosigkeit aber extrem unglücklich macht, gibt es auch keinen Gewöhnungseffekt bei einer Rezession.

          Für den Anleger ist es deprimierend, dass alle seine Anlageprodukte gleichzeitig an Wert verloren haben.

          Ich habe auch gedacht, dass man auf der sicheren Seite ist, wenn man seine Ersparnisse genügend streut und neben Finanzwerten auch Sachwerte wie Häuser oder Kunst kauft. Aber jetzt gehen alle Preise gleichzeitig nach unten. Die Immobilienpreise brechen ein: selbst in Dubai kriegen sie die Häuser nicht mehr los.

          Wenn mehr Geld nicht glücklich, Geld verlieren aber unglücklich macht, macht denn wenigstens Geld ausgeben glücklich?

          Wir wissen, dass Materialisten, die sehr auf das Geld aus sind, weniger glücklich sind als Idealisten, die sich weniger um ihr Einkommen kümmern. Wenn das Vermögen wächst, sind die Materialisten immer noch nicht zufrieden; denen reicht es nie. Die meisten Menschen erwarten zu viel vom Konsum und überschätzen das zukünftige Glück, das sie aus den materiellen Gütern ziehen.

          Das klingt weihnachtlich. Was bringt mehr Glück als der Materialismus?

          Das "relationale Glück". Das ist die Zufriedenheit, die wir aus Freundschaft, Familie und dem Umgang mit guten Bekannten ziehen.

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