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Wirtschafts-Nobelpreis : Ein Preis verändert die Welt

Nobelpreisträger Robert Merton Solow hat ein wichtiges Wachstumsmodell entwickelt.

Solche Erfahrungen erklären, warum das Nobelpreis-Komitee die Langsamkeit zum Prinzip erhoben hat. In keiner Nobelpreis-Disziplin sind die Preisträger so alt wie in den Wirtschaftswissenschaften, durchschnittlich bekommen sie ihre Medaille erst mit 67 Jahren. „Wir geben Preise für alte Ideen“, sagt Peter Eglund, der ehemalige Generalsekretär des Auswahlkomitees. „Es ist in der Ökonomie schwer, Experimente zu machen.“ Schließlich kann man nicht einfach ein Land zweiteilen, in einer Hälfte den Mindestlohn einführen und in der anderen Hälfte nicht, um zu gucken, was passiert. Also müssten die Ideen von der Zeit getestet sein.

Das Komitee stellt damit das Ansehen des Preises über politischen Einfluss. Es wartet mit den Auszeichnungen so lange, dass die meisten Preisträger schon weit vorher berühmt sind. „Der Preis hat geholfen, das Ansehen der Wirtschaftswissenschaften als Naturwissenschaft zu etablieren“, sagt Historiker Offer. Einen messbaren Schub durch den Preis bekam höchstens Marktverfechter Friedrich von Hayek. Er erhielt ihn 1974, gemeinsam mit dem Sozialdemokraten Gunnar Myrdal. Diese Entscheidung ist beispielhaft: Die Preisträger, die das Auswahlkomitee der Akademie bestimmte, waren gleichmäßig auf linke und konservative Ökonomen verteilt. Der Erfinder der Theorie Effizienter Märkte, Eugene Fama, bekam den Nobelpreis erst 2013 – zusammen mit zwei seiner größten Kritiker.

Nur vier Preise in den frühen 90ern sehen die Historiker als besonders marktgläubig an. Und selbst diese These ist unter Experten umstritten. Unumstritten ist dagegen, dass die Preise der ersten Jahre einen keynesianischen Schwerpunkt hatten. Sicher ist: Falls Notenbank-Präsident Åsbrink einen PR-Preis für den freien Markt stiften wollte, hat er sein Ziel nicht erreicht.

John Nash hat den Wandel ausgelöst

Dann kam das Jahr 1994, die Auszeichnung von John Nash. Nach dem Eklat veränderte sich der Preis fundamental. Ex-Generalsekretär Peter Eglund will den Streit nicht bestätigen, erinnert sich aber: Das Auswahlkomitee für den Wirtschaftsnobelpreis wurde neu zusammengesetzt. Von den fünf Mitgliedern mussten die zwei dienstältesten, die seit mehr als 20 Jahren den Preis dominiert hatten, gehen. Niemand konnte mehr länger als neun Jahre teilnehmen.

In den 22 Jahren, die seitdem vergangen sind, war die Jury spürbar offener. Seitdem haben es die Ökonomen nicht mehr so leicht. Es gab es Auszeichnungen für den Wirtschaftsphilosophen Amartya Sen, die Politologin Elinor Ostrom und für den Psychologen Daniel Kahneman – praktisch für alle, die Wirtschaftsgeschehen sinnvoll erklären.

Der Auslöser dieses Wandels, der Mathematiker John Nash, hatte jedoch den größten Nutzen. Er bekam nach der Auszeichnung sein gesellschaftliches Ansehen zurück. Er wurde in verschiedene Wissenschaftsakademien gewählt und bekam noch weitere Preise. Vielleicht mag ihm der Nobelpreis auch dabei geholfen haben, seine Schizophrenie in Zaum zu halten. „Ein verrückter Mensch trifft unbewusst ständig eine Entscheidung: Funktioniert er wie ein rationaler Mensch oder wie ein irrationaler?“, sagte er zu Lebzeiten in einem Interview mit der F.A.S. Und: „Das Leben ist nicht so schlecht, wenn man ein gewisses Maß an Anerkennung bekommt.“

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