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Wirtschafts-Nobelpreis : Ein Preis verändert die Welt

Nobels Familie stimmte dem Preis zu

1968 allerdings ging die Entscheidung anders aus. Die Stiftungsmanager waren einverstanden. Ein paar Tage vor der Ankündigung des Preises wurde das damalige Oberhaupt der Familie, Nobel-Nichte Marta, gefragt. Sie stimmte zu. Eine Bedingung stellte sie: Der Wirtschaftspreis müsse einen etwas anderen Namen tragen als die übrigen Preise: „Preis der Schwedischen Reichsbank in Wirtschaftswissenschaften im Gedenken an Alfred Nobel“ – im Gegenzug wird der Preis von der Nobel-Stiftung verwaltet und von der Königlich Schwedischen Akademie der Wissenschaften vergeben, so wie auch die Nobelpreise für Physik und Chemie.

Warum wollte Notenbank-Präsident Åsbrink unbedingt so einen Preis? Wollte er PR für seine Notenbank machen? Wollte er im sozialdemokratisch geprägten Schweden das Ansehen der Ökonomie als Wissenschaft stärken? Letzteres, vermuten die Historiker Offer und Söderberg. Und sie stellen fest: „Der Aufstieg des Marktliberalismus begann zur gleichen Zeit wie die Einrichtung des Preises“. Im Kampf um die Unabhängigkeit der Notenbank verwischen die Motive. Die Analyse der Historiker zeigt allerdings auch, dass der Preis als Propagandainstrument für marktliberale Politik versagt hat.

Die Preisträger haben die Welt verändert

Wahr ist, dass die Ökonomen, die ausgezeichnet wurden, die Welt durchaus verändert haben. James Mirrlees etwa. Ein Nobelpreisträger, den heute kaum noch einer kennt. Der Schotte analysierte, wie ein Einkommenssteuersystem aussehen muss, in dem die Fleißigsten und Fähigsten noch genügend Anreiz haben, um sich anzustrengen. Das funktioniert laut Mirrlees nur, wenn ihre Steuern nicht zu hoch sind. Damit lieferte er ein wichtiges Argument dafür, dass von den 70er-Jahren an die Spitzensteuersätze in vielen Industrieländern deutlich sanken.

Joseph Stiglitz wies auf Situationen hin, in denen der Markt als Verteilsystem für Geld und Waren nicht richtig funktioniert, weil manche mehr wissen als andere. Später trat als Chefökonom der Weltbank zurück, weil er davon überzeugt war, dass die Armutsbekämpfung von Weltbank und Internationalem Währungsfonds nicht funktionierte. Damit leitete er ein Umdenken ein.

Robert Lucas wiederum hat dazu beigetragen, die Welt aus der „Stagflation“ der 70er-Jahre zu retten. War einst Bundeskanzler Helmut Schmidt noch der Meinung, er könne statt fünf Prozent Arbeitslosigkeit fünf Prozent Inflation in Kauf nehmen, stellte Lucas fest: Wer das probiert, endet mit fünf Prozent Inflation und fünf Prozent Arbeitslosigkeit, einer gleichzeitigen Stagnation und Inflation, also der Stagflation.

Erst kommt der Ruhm, dann der Preis

Ist das ein später Triumph für Notenbank-Präsident Åsbrink, den Kämpfer gegen niedrige Zinsen? Ist das ein Sieg für die Neoliberalen? Nein. All das haben die Ökonomen schon geschafft, bevor sie ihren Nobelpreis bekamen. In ihrem Buch weisen Offer und Söderberg anhand von Zahlen nach, dass fast alle Preisträger erst dann ausgezeichnet wurden, als sie sowieso schon auf dem Höhepunkt ihres Ruhmes waren. Der Preis hat ihnen meistens nur noch einen kleinen, kurzen Schub gegeben.

Das gilt auch für die berühmtesten Pleitiers der Nobelpreis-Geschichte: Robert Merton und Myron Scholes. Die beiden Finanzmarkt-Forscher waren Direktoren des Hedgefonds LTCM. Schon 1995 nahm der Hedgefonds keine neuen Investoren mehr an, 1997 bekamen Merton und Scholes für ihre Finanzmarkt-Modelle den Nobelpreis – doch nur zehn Monate später stürzte LTCM in so eine tiefe Krise, dass der Fonds in einer großangelegten Rettungsaktion fast vier Milliarden Dollar bekam, um eine ausgewachsene Finanzkrise zu verhindern.

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