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Geldpolitik : Bernanke verteidigt sich und lernt

Ben Bernanke Bild: REUTERS

Die laxe Geldpolitik der Fed gilt vielen als eine gewichtige Ursache der Finanzkrise. Der Fed-Chef aber will alles richtig gemacht haben. Andererseits gelobt er für den Wiederholungsfall Besserung, was irgendwie doch einem Eingeständnis nahekommt.

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          Ben Bernanke hat es nicht leicht. Seit 2003 in der Führung der amerikanischen Notenbank Fed, seit 2006 ihr Vorsitzender, gilt der angesehene Ökonom einerseits als Mitverantwortlicher einer Geldpolitik, die nach Ansicht von Kritikern den Weg zur jüngsten Krise geebnet hat. Sein Krisenmanagement seit Ausbruch der Krise ist auch umstritten. Zwar hat der Senat einer zweiten Berufung Bernankes zum Vorsitzenden der Fed zugestimmt, doch mit 70 Ja- und 30 Neinstimmen erhielt er ein schlechtes Ergebnis.

          Auf der Jahrestagung der Vereinigung amerikanischer Ökonomen hat sich Bernanke kürzlich mit der Frage befasst, ob die Fed durch eine lockere Geldpolitik in den Vorjahren die jüngste Krise mit verursacht habe. Dieser Redetext ist ein merkwürdiges Dokument. Einerseits weist Bernanke die von vielen Ökonomen an der Fed geübte Kritik zurück. Andererseits gelobt er für den Wiederholungsfall Besserung, was irgendwie doch einem Eingeständnis nahekommt, die Fed habe sich in den Jahren 2002 bis 2006 nicht völlig angemessen verhalten.

          Die Taylor-Regel

          Zwei Themen sind es vor allem, mit denen sich Bernanke befasst. Zunächst: Hätte die Fed ihren Auftrag, gleichzeitig für Geldwertstabilität und hohe Beschäftigung zu sorgen, mit einer anderen Politik besser erfüllen können? Er verneint diese Frage und führt als Kronzeugen eine von Theoretikern geschätzte, in der Praxis in Reinkultur aber noch nie ausprobierte alternative Politik an: die von dem Stanford-Ökonomen John Taylor konzipierte Taylor-Regel. Sie ist das Musterbeispiel einer simplen Regel, weil nach ihr der Leitzins aus Berechnungen entsteht, in die vor allem das Wirtschaftswachstum und die Inflationsrate eingehen.

          Und jetzt kommen wir mitten hinein in die Welt moderner Ökonomen. Denn die Taylor-Regel ist nur auf den ersten Blick einfach. Tatsächlich kann man sich aber lange darüber streiten, welches Maß man für die Inflationsrate nimmt und ob eher die aktuelle oder eine in der Zukunft erwartete Inflationsrate in die Berechnung eingehen sollte. Je nachdem, wie man rechnet, war im Vergleich dazu die Politik der Fed zu expansiv (das ist Taylors Ansicht) oder doch mehr oder weniger angemessen (wie Bernanke meint). Mit diesem Thema lassen sich noch manche Ökonomenkonferenzen bestreiten; ein völlig klares Bild ergibt sich vorerst nicht. Solange niemand die Taylor-Regel in der Praxis ausprobiert, wirken derartige Debatten überdies etwas abstrakt.

          Bernanke: Geldpolitik der Fed hat den Boom am Immobilienmarkt nicht ausgelöst

          Ähnlich widerstreitende Ergebnisse würden sich einstellen, wenn man - was Bernanke nicht tut - die Politik der Fed an einer Geldmengenregel messen wollte. Je nachdem, welche Geldmenge als Referenz herangezogen wird, ergeben sich sehr unterschiedliche Resultate, auch wenn in den meisten Fällen die amerikanische Geldpolitik als zu expansiv diagnostiziert würde. Dies bestätigt die alte Erkenntnis, dass auch vermeintlich simple geldpolitische Handlungsanweisungen sehr kompliziert werden, wenn sie in der Praxis angewandt werden sollen. Da drängt sich der alte Spruch auf, wonach Geldpolitik nicht nur eine Wissenschaft, sondern auch Kunst sei.

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