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Gastbeitrag : Welche Wirtschaft tötet?

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Die ökonomischen und moralischen Folgen dieses Irrtums sind verheerend, und wer ihn verbreitet, trägt Mitverantwortung für die Folgen. Nicht nur wird damit die wohlstandsschaffende Dynamik der Marktwirtschaft gebremst. Es wird auch unterschlagen, dass der Unternehmer durch das Investieren seines Eigentums andere in Lohn und Brot bringt, dass sein Eigentum so eine eminent soziale und gemeinwohlfördernde Verwendung findet. Treffen die Statistiken (zum Beispiel von Oxfam) zu, so sind es, vereinfacht ausgedrückt, weltweit 70 Millionen Personen (das vielzitierte reichste Prozent in puncto Vermögen, dem die großen und mittleren Unternehmen der Welt gehören), die dem Großteil der restlichen 99 Prozent Arbeit, Einkommen und Konsum ermöglichen - kein Skandal „sozialer Ungerechtigkeit“, sondern ein historisch beispielloses System der Wohlstandserzeugung, ein Prozess zudem, der, je mehr er fortschreitet, die Vermögensbildung breiterer Schichten ermöglicht und das Wohlstandsgefälle zwischen reichen und armen Ländern verringert.

Wenn der Staat hingegen – angeblich im Dienst sozialer Gerechtigkeit – mit zu hoher Besteuerung eingreift und damit konsumptive Ausgaben finanziert, tut er tendenziell das Gegenteil: Er erschwert die Wohlstandsmehrung, nährt aber ein zunehmendes Anspruchsdenken der Bürger, was zum schuldenfinanzierten Ausbau der Sozialsysteme führt. Vor den verheerenden Folgen der Schuldenlast kann der Staat, wie es aktuell der Fall ist, nur noch durch geldpolitische Manipulationen (billiges Geld und Niedrigzinspolitik) geschützt werden, was die Verschuldungsspirale weiter antreibt - zu Lasten der Sparer und nachfolgender Generationen. Die geldpolitisch erzeugten Aktien- und Immobilienblasen machen Reiche noch reicher, zumindest kurzfristig und auf dem Papier, bis das Kartenhaus zusammenbricht. Das Schicksal Argentinien sollte ein mahnendes Beispiel sein.

Schutz des Privateigentums und die dadurch ermöglichte wirtschaftliche Freiheit sind auf allen Entwicklungsstufen Voraussetzung des Wohlstands, gerade in unterentwickelten Ländern aber entscheidend. Der peruanische Ökonom Hernando de Soto hat schon vor Jahren nachgewiesen, dass die Armen nicht das Problem, sondern die Lösung sind - vorausgesetzt, ihre Eigentumsrechte können wirksam geschützt und die Hürden überdimensionierter und korrupter staatlicher Bürokratien abgebaut werden. Schutz des Privateigentums kommt den Ärmsten in zweifacher Hinsicht zugute: Es ermöglicht ihnen, selbst auf nachhaltige Weise unternehmerisch und gewinnträchtig tätig zu sein und das Erwirtschaftete an ihre Nachkommen weiterzugeben.

Sicherung von Eigentumsrechten bedeutet somit Überwindung der Subsistenzwirtschaft, welche die Armut perpetuiert. Zum andern sind Rechtssicherheit und Schutz der Eigentumsrechte die Voraussetzung, dass ausländische Investitionen kommen, die Technologietransfer, Integration in den Welthandel und rascheres Produktivitätswachstum fördern und damit: Wohlstandsvermehrung für alle. Das sollten wir auch den Ärmsten dieser Welt gönnen. Gerade aus christlicher Sicht wäre es demnach angezeigt, für Kapitalismus und freie Märkte einzustehen. Wer sie verteufelt, schadet den Armen.

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