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Gastbeitrag : Welche Wirtschaft tötet?

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Gewiss, auch diese lobt den Unternehmer. Die gängige Formel lautet: Unternehmerische Tätigkeit ist lobenswert, „insofern sie Arbeitsplätze schafft“, und: „vorausgesetzt, sie dient dem Gemeinwohl“. Natürlich gibt es unter Unternehmern auch gierige Machtmenschen, Betrüger und Versager. Unter der Bedingung freier Märkte - ohne Hilfe staatlicher Privilegien und politischer Protektion - können sie aber nicht nachhaltig erfolgreich sein. In Wahrheit dienen Unternehmer dem Gemeinwohl genau dann, wenn sie unternehmerisch erfolgreich handeln, und das können sie nur, wenn sie gewinnorientiert wirtschaften.

Um Erfolg zu haben, müssen sie innovativ sein und produzieren, was der Nachfrage, also den Bedürfnissen und Präferenzen der Konsumenten entspricht. In einer freien Wirtschaft, in der die Nachfrager am Markt - und nicht die Politik oder von ihr gestützte Monopole - das Sagen haben, kann nur der reicher werden, wer auch andere bereichert. Erfolgreiches Unternehmertum ist Dienst am Gemeinwohl – ohne Wenn und Aber.

Der Kapitalist löst zwei Probleme auf einmal

Da der Kapitalist seinen Reichtum in weit geringerem Maße für den eigenen Konsum verwendet, als ihn produktiv zu investieren – auch Gewinne zum größten Teil reinvestiert –, löst er zwei Probleme auf einen Schlag: Er ermöglicht anderen, mit eigener Arbeit ihren Lebensunterhalt zu verdienen, und fördert durch Kapitalbildung und Innovation und dadurch erhöhte Produktivität ein Anwachsen der Reallöhne und damit des Wohlstands. Die unternehmerische Vision und Risikobereitschaft steigern die Produktivität der Arbeitnehmer in einer Weise, die diese ohne ihn nicht erreichen könnten. Der Unternehmer stiehlt den Arbeitnehmern nicht - wie Marx behauptete - den Mehrwert ihrer Arbeit, sondern schafft einen Mehrwert, an dem sie in Form der Löhne und gemäß ihrer Produktivität partizipieren. Ohne die unternehmerische Leistung blieben sie ohne Arbeit und ohne Lohn.

Es sind also nicht Regierungen und Ministerien, die auf dem freien Markt eine Kultur der Arbeit schaffen, sondern innovative Unternehmer und risikobereite Investoren, kurz: die vielfach geschmähten Kapitalisten. Aufgabe der Regierung indes ist es, die institutionellen Voraussetzungen für ein freies und innovatives Unternehmertum und ein gutes Investitionsklima zu schaffen. Dazu gehört immer und vordringlich der wirksame Schutz von Eigentumsrechten.

Die neuere katholische Soziallehre hält Privateigentum für ein Problem

Die neuere katholische Soziallehre hat dieses Thema sträflich vernachlässigt. Sie ist fixiert auf die Idee, dass Privateigentum nicht die Lösung, sondern das Problem sei. Auf privatem Eigentum, lehrt sie, laste eine „soziale Hypothek“. So richtig dies ist, so falsch ist indes die Schlussfolgerung daraus, dass der Staat deshalb das Recht habe, Reichtum besonders kräftig zu besteuern – zwecks Umverteilung. Gemäß dieser verkehrten, „peronistischen“ Logik erhält Privateigentum seine soziale und gemeinwohlfördernde Funktion erst dadurch, dass es besteuert und umverteilt wird, nicht aber dadurch, dass es – wie in der kapitalistischen Wirtschaft – investiert und produktiv wird.

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