https://www.faz.net/-gqe-y7by

Forschungsinstitut : Gert Wagner wird Interims-Chef am DIW

Gert Wagner Bild: DIW

Für das krisengeschüttelte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung ist nach dem Rücktritt des Präsidenten Klaus Zimmermann eine neue Führungsspitze gefunden worden: Gert Wagner wird nach Informationen der F.A.Z. Interimschef.

          2 Min.

          Für das krisengeschüttelte Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung (DIW) ist nach dem Rücktritt des Präsidenten Klaus Zimmermann eine neue Führungsspitze gefunden worden: Gert Wagner wird Interimschef, wie diese Zeitung am Donnerstag aus DIW-Kreisen erfuhr. Der 58 Jahre alte Wagner ist Professor für Wirtschaftsforschung an der TU Berlin und leitet seit vielen Jahren das international renommierte Sozioökonomische Panel (Soep) im DIW, eine Langzeitstudie über die Einkommens- und Lebensverhältnisse der Deutschen.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          Eine weitere DIW-Führungsposition soll der 37 Jahre alte Experimentalökonom Georg Weizsäcker übernehmen, der bislang an der London School of Economics lehrt. Trotz seines geringen Alters hat Weizsäcker schon mehrere hochkarätige Veröffentlichungen vorzuweisen, unter anderem in der Fachzeitschrift „American Economic Review“.

          Am Freitagvormittag wird es eine Betriebsversammlung in dem Institut in der Mohrenstraße in Berlin-Mitte geben. Mit rund 200 Mitarbeitern, darunter die Hälfte Wissenschaftler, ist es das größte deutsche Wirtschaftsforschungsinstitut. Sein Ansehen in Öffentlichkeit und Politik hat jedoch schwer gelitten unter dem Streit um seinen Präsidenten Zimmermann. Ihm war ein autoritärer Führungsstil sowie ein zu freigiebiger Umgang mit Steuergeld vorgeworfen worden.

          Nachdem im Januar der neue Geschäftsführer Hanns Seidler fluchtartig das DIW verlassen hatte, zog der Kuratoriumsvorsitzende Bert Rürup die Notbremse und zwang Zimmermann Anfang dieser Woche zum Rücktritt (siehe Umstrittener DIW-Chef Zimmermann tritt ab). Wagner hatte sich im Institut als Gegenspieler zu Zimmermann hervorgetan. Er genießt hohes Ansehen in der Wissenschaft und unter den Mitarbeitern. Zudem gilt er als SPD-nah, was die Zustimmung des rot-roten Berliner Senats zu seiner Berufung erleichtert. Dieser ist neben dem Bund einer der Hauptgeldgeber des DIW.

          Gegen Zimmermann gab es Vorwürfe von Steuergeldverschwendung, vor allem die finanziellen Verbindungen zu einem DIW-Ableger in Washington brachten Zimmermann ins Visier des Berliner Landesrechnungshofs (siehe auch Ein Professor auf dem Kriegspfad). Nach Informationen der F.A.Z. hat das DIW schon 150.000 Euro Förderung zurückgezahlt. Der Berliner Senat fordert für fünf weitere Haushaltsjahre jeweils mehr als 53.000 Euro zurück. Insgesamt muss das Institut für die Zimmermann-Affäre also mehr als 400.000 Euro Förderung zurückzahlen. Wagner muss nunmehr das Institut finanziell konsolidieren.

          Zudem ist seine wichtigste Aufgabe, die im April 2012 beginnende Evaluation durch die Leibniz-Gemeinschaft vorzubereiten. Im DIW gibt es Sorgen, dass die Beurteilung nicht rundum günstig ausfallen wird. Fällt das Berliner Institut bei der Prüfung seiner Forschungsqualität durch, wird ihm die öffentliche Förderung gekürzt. Bislang stammt der Jahresetat des DIW von knapp 20 Millionen zu rund zwei Dritteln vom Bund sowie dem Land Berlin. Vor zwölf Jahren hatte das Münchner Ifo-Institut unter dem Vorgänger des heutigen Präsidenten Hans-Werner Sinn schlecht abgeschnitten und daraufhin ein Viertel seiner Zuschüsse verloren. Dem Hamburger HWWA-Institut war nach einer schlechten Leibniz-Evaluierung sogar die komplette öffentliche Finanzierung gestrichen worden. Inzwischen hat sich das Hamburger Institut umbenannt und private Geldgeber gesucht.

          Damit ein solches Schicksal nicht auch dem angeschlagenen DIW blüht, baut der Kuratoriumsvorsitzende Rürup nun auf die neue Führungsmannschaft um Wagner und Weizsäcker. Ob Wagner indes 2012 nach Abschluss des Evaluationsverfahrens das Präsidentenamt übernimmt, ist ungewiss. Dieser Posten wird nach einem öffentlichen wissenschaftlichen Ausschreibungsverfahren vergeben.

          Weitere Themen

          Topmeldungen

          Formel 1 in Brasilien : Ferrari flucht

          Verrücktes Finale beim Formel-1-Rennen in São Paulo: Die beiden Ferrari-Piloten schießen sich gegenseitig ab und scheiden nach der Kollision aus. Der Zoff der Stallrivalen bei der Scuderia eskaliert endgültig.
          Bleibt mehr Geld von der Betriebsrente?

          Betriebsrenten : Zusatzrente vom Chef

          Die Regierung macht Betriebsrenten attraktiver: Künftig werden weniger Krankenkassenbeiträge fällig. Vier Millionen Rentner dürfen sich freuen. Und was ist mit dem Rest?

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Abonnieren Sie unsere FAZ.NET-Newsletter und wir liefern die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.