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Gastbeitrag : Die neue Macht der Fondsgesellschaften

  • -Aktualisiert am

Die BlackRock-Zentrale in New York City. Bild: dpa

In großem Stil kaufen riesige amerikanische Fondsgesellschaften Unternehmensanteile – und bündeln die Eigentumsrechte ganzer Branchen. Das bringt ganz neue Probleme.

          8 Min.

          Adam Smith hat erkannt, dass traditionelles Unternehmertum dem Gemeinwohl dient. Ein Bäcker, der im Wettbewerb den Gewinn seiner Bäckerei maximiert, orientiert sich, so gut er kann, an den Bedürfnissen seiner Kunden. So trägt der Egoismus des Einzelnen zum „Wohlstand der Nationen“ bei, wie Adam Smith in seinem gleichnamigen Opus Magnum es beschreibt.

          Doch die heutige Welt der Wirtschaft ist eine andere. Viele Bäckereien gehören nicht mehr den Bäckern. Fondsgesellschaften sind zu den größten Anteilseignern unzähliger Unternehmen geworden – oft auch von konkurrierenden Unternehmen derselben Branche. Die Vermögensverwalter Vanguard und Blackrock sind zum Beispiel die beiden größten Anteilseigner sowohl von Microsoft als auch von dem ärgsten Konkurrenten Apple. Dass sich große Teile der Eigentumsrechte ganzer Industrien in wenigen Fondsgesellschaften bündeln führt zu einer Inkongruenz zwischen dem Gewinninteresse einer Firma und dem seiner Eigentümer. Dies untergräbt den Wettbewerb und hemmt den Wohlstand der Nationen.

          Jeweils 50 Prozent der Anteile

          Weil große Vermögensverwalter Hunderte oder sogar Tausende Unternehmen in ihrem Portfolio führen, identifizieren sie sich nicht mit „ihrer“ Firma, wie es Adam Smiths Bäcker mit seiner Bäckerei getan hat. Sie interessieren sie sich nicht einmal für die Gewinne oder Risiken eines einzelnen Unternehmens. Relevant ist vielmehr der Wert ihres gesamten Portfolios. Wenn die Vermögensverwalter breit in einer Branche investiert haben, wird dieser aber nicht einfach dadurch maximiert, dass jedes Portfolio-Unternehmen egoistisch und aggressiv seinen eigenen Gewinn maximiert. Der Gewinn einer ganzen Branche ist im Gegenteil dann am größten, wenn der Drang jedes einzelnen Unternehmens, den anderen Unternehmen in derselben Branche Konkurrenz zu machen, wirksam ausgeschaltet wird.

          Dabei ist die Geschäftsidee der Vermögensverwaltung durch Fondsgesellschaften ein Segen für Kleininvestoren und zunächst einmal unbedenklich. Die Reduktion von Risiken durch eine diversifizierte Eigentümerstruktur ist ja genau das, was wir bei der Anlage unseres Vermögens für die Altersvorsorge erwarten. Aber die damit einhergehende Fokussierung auf den Portfoliowert bedeutet einen Paradigmenwechsel in Märkten – jedenfalls wenn die neuen Eigentümerstrukturen den Egoismus des Einzelnen in neue Bahnen lenken.

          Schauen wir zur Illustration nochmals auf unseren Bäcker und nehmen wir an, er kommt zusammen mit seinem größten Konkurrenten auf folgende Idee: Beide verkaufen jeweils ihre Bäckerei an einen neu zu gründenden Fonds, an dem sie beide jeweils 50 Prozent der Anteile halten. Damit wird das unternehmerische Risiko reduziert. Wenn nämlich meine Bäckerei abbrennt, besitze ich immer noch 50 Prozent der anderen Bäckerei.

          Doch das Arrangement reduziert gleichermaßen den Wettbewerb. Warum sollte einer der Bäcker den Preis des anderen unterbieten, wenn er Anteile an der anderen Bäckerei hält? Von der Erhöhung des Marktanteils „seiner“ Bäckerei profitiert er zwar, aber spiegelbildlich leidet er unter dem Verlust des Marktanteils der anderen Bäckerei. Dazu kommt, dass bei gegenseitigem Unterbieten der Preise die Summe der Gewinne der beiden Bäckereien schrumpft. Dasselbe Kalkül gilt natürlich für den anderen Bäcker. Und dasselbe gilt auch, wenn zehn Bäcker ihre Anteile an einen Fonds verkaufen, im Tausch gegen 10 Prozent der Anteile am Bäckerei-Fonds. Und nichts anderes geschieht, wenn die Bäcker ihre Anteile am Fond an andere Anleger verkaufen. In all diesen Fällen wird die Struktur der Eigentümer so geändert, dass der Egoismus des Einzelnen nicht mehr verlangt, den Gewinn einer Firma zu maximieren, sondern den Gewinn einer ganzen Branche.

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