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Dänischer Arbeitsmarkt : Flüchtlinge verbessern Chancen einheimischer Arbeitnehmer

Flüchtlinge im Praktikum bei Daimler: Laut einer Studie verursacht die Zuwanderung positive Lohneffekt für einheimische Arbeitskräfte. Bild: dpa

Durch die vielen potentiellen Arbeitskräfte, die ins Land kommen, verbessert sich laut einer neuen Studie die berufliche Situation der Einheimischen. Die Erklärung klingt plausibel.

          Die Sorge um die Arbeitsplätze der Deutschen ist groß: Nicht nur Pegida und die „Alternative für Deutschland“ schüren die Angst, dass die Hunderttausenden Einwanderer, die im vergangenen Jahr in die Bundesrepublik strömten, den Einheimischen ihre Arbeitsplätze wegnehmen. Die Wahrheit soll laut einer Studie jedoch ganz anders aussehen.

          Anna Steiner

          Redakteurin in der Wirtschaft.

          Forscher aus Dänemark und den Vereinigten Staaten haben dänische Arbeitsmarktdaten der Jahre von 1991 bis 2008 untersucht. Die Ergebnisse sind in der Fachzeitschrift „American Economic Journal: Applied Economics“ veröffentlicht. Die Folgerung ist klar: Als Folge der Flüchtlingswelle werden Tätigkeiten der Einheimischen immer komplexer. Dabei untersuchten die Forscher nicht nur gut qualifizierte Einwanderer – gerade nicht. Die Studie bezieht sich ganz besonders auf die typischen Flüchtlingsstaaten Bosnien (früheres Jugoslawien), Afghanistan, Somalia und Irak, sowie Iran, Vietnam, Sri Lanka und Libanon. Deshalb sind die Chancen, aus der Studie etwas für die aktuelle Flüchtlingssituation zu lernen, groß. Die meisten Flüchtlinge in Europa kamen in den Neunzigern aus dem ehemaligen Jugoslawien und Somalia, wo Anfang des Jahrzehnts ein Bürgerkrieg ausgebrochen war.

          Laut den Wissenschaftlern drängen die Flüchtlinge aufgrund ihrer mangelnden Sprachkenntnisse zunächst in Berufe mit einfachen und vor allem handwerklich orientierten Tätigkeitsprofilen. Dadurch werden die anderen Arbeiter jedoch nicht verdrängt, sondern es kommt zu einer Verschiebung auf dem Arbeitsmarkt. Die Flüchtlinge drängen die einheimischen Arbeitskräfte nicht etwa in die Arbeitslosigkeit. Stattdessen übernehmen die Einheimischen andere Aufgaben, die weniger körperliche Arbeit erfordern. Plötzlich gewinnen die kommunikativen Fähigkeiten und Sprachkenntnisse der Einheimischen an Wert.

          Je mehr Indianer, desto mehr Häuptlinge

          Durch die Zuwanderung ergaben sich so für die Einheimischen positive Lohneffekte, ohne dass sich das Arbeitslosigkeitsrisiko dauerhaft erhöht hätte. Klaus Zimmermann vom Institut zur Zukunft der Arbeit in Bonn (IZA) erklärt diese Beobachtung so: „Je mehr Indianer es gibt, desto seltener werden die Häuptlinge.“ Das heißt, wenn mehr Geringqualifizierte beschäftigt werden, sind die Qualifizierten relativ gesehen seltener und müssen besser entlohnt werden.

          Die Ergebnisse der Studie zeigen, dass das Tätigkeitsprofil der geringqualifizierten Einheimischen leicht, aber merklich komplexer wird. Ihre Spezialisierung steigt. Die Tätigkeiten der Flüchtlinge hingegen bleiben auf einem recht niedrigen Komplexitätsniveau. Und auch an der (ohnehin recht hohen) Komplexität der Tätigkeiten von gut ausgebildeten Einheimischen ändert sich wenig.

          Zimmermann weist zudem darauf hin, dass durch die Zuwanderung von überwiegend Geringqualifizierten die Nachfrage nach qualifizierten Arbeitern steigt. Denn diese können als Teamleiter, Führungskräfte oder in anderen leitenden Positionen arbeiten. Somit nimmt für diese Gruppe das Arbeitsangebot zu. Die Arbeitsmarkteffekte, die die Wissenschaftler in Dänemark entdeckten, sind jedoch nur spürbar, wenn man die Volkswirtschaft als Ganzes betrachtet. Innerhalb eines Unternehmens oder einer Gemeinde sind keine Spezialisierungseffekte erkennbar.

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