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Finanzkrise : Der Weg in das Milliarden-Desaster

  • -Aktualisiert am

Seit dem Jahr 2000 haben die Banken Billionen Euro an Krediten vergeben und an zusätzlichem Geld geschöpft. Jetzt geht die Angst vor Geldvernichtung um. Wie erklären sich diese astronomisch hohen Geldbeträge?

          7 Min.

          Die Geldbeträge, um die es seit Ausbruch der Finanzkrise geht, machen staunen: Die Mittelstandsbank IKB verliert mehrere Milliarden Euro, zur Rettung der Citigroup müssen Staat und Notenbank mehr als 300 Milliarden Dollar bereitstellen, die Bundesregierung schnürt zur Stützung der deutschen Banken ein Paket über 500 Milliarden Euro. Wie erklären sich diese astronomisch hohen Geldbeträge? Wie konnte es zu diesem Desaster kommen?

          Billionen an neuen Krediten

          In den riesigen Geldbeträgen spiegelt sich, dass in den vergangenen Jahren rund um den Globus in großem Stil Kredite vergeben und Geld geschöpft wurde. So hatten die Banken des Euro-Raums Ende 2000 an Haushalte und Unternehmen des Euro-Raums nach Statistiken der Europäischen Zentralbank (EZB) insgesamt rund 6100 Milliarden (6,1 Billionen) Euro an Krediten vergeben; knapp acht Jahre später, im Oktober 2008 betrug das Kreditvolumen rund 10,9 Billionen Euro - ein Zuwachs von fast 80 Prozent. In anderen Ländern haben die Kredite ähnlich stark zugenommen.

          Einen Anhaltspunkt dafür liefern die Geldmengendaten. Im Euro-Raum hat die Geldmenge von Ende 2000 bis Oktober 2008 um 4,5 Billionen Euro oder rund 91 Prozent auf 9,4 Billionen Euro zugenommen. Auch in den Vereinigten Staaten schwoll sie stark an, allerdings nicht so stark wie im Euro-Raum: um knapp 3 Billionen Dollar oder gut 60 Prozent auf 7,9 Billionen Dollar. Ähnlich stark nahmen die Geldmengen nach OECD-Daten auch in vielen anderen Ländern zu: in Großbritannien zum Beispiel um 130 Prozent und in den westlichen Industrieländern insgesamt um 84 Prozent.

          Wie Geld geschöpft wird

          Wie konnte es zu dem starken Anstieg der Kreditvolumen und Geldmengen kommen? Schon seit einigen Jahrzehnten ist das Geld nicht mehr durch Gold gedeckt; das Ausmaß der Geldschöpfung wird in den modernen Papiergeldwährungen vielmehr von politischen Erwägungen bestimmt. An der Geldschöpfung sind dabei zum einen die Geschäftsbanken, zum anderen die Zentralbank eines Landes beteiligt. In den westlichen Industrieländern wird Geld normalerweise überwiegend durch die Vergabe von Krediten geschöpft, zum kleineren Teil dadurch, dass Banken oder Notenbanken Vermögenswerte ankaufen.

          Anders als vielfach vermutet, spielen die Ersparnisse, die eine Geschäftsbank bei den Haushalten einsammelt, für ihre Kreditvergabe nur eine untergeordnete Rolle. Die Wirkungskette läuft vielmehr in umgekehrter Richtung: Gewährt eine Bank einem Kunden einen Kredit zum Beispiel in Höhe von 100 000 Euro, schreibt sie diesen Betrag dem Schuldner auf dessen Girokonto gut: In diesem Moment entsteht Buch- oder Giralgeld. Der Schuldner wird über das gutgeschriebene Geld verfügen, es zum Beispiel zur Bezahlung eines Eigenheims verwenden. Dann landet das Geld auf dem Konto des Verkäufers, der darüber wiederum verfügt. Weitere Empfänger von Überweisungen werden die Giro-Guthaben wegen der höheren Zinsen zum Teil als Sparguthaben oder Festgeld anlegen. Das geschöpfte Geld zirkuliert somit auf den Bankkonten - bis es zum Beispiel durch Tilgung eines Kredits dem Kreislauf wieder entzogen wird.

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