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Finanzkrise : Der Realismus des Adam Smith

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Das Standardwerk des Liberalismus: der „Wohlstand der Nationen”
          11 Min.

          Die intellektuelle Schadenfreude war unverhohlen. Als die amerikanische Immobilienblase im Herbst vollends platzte und die Finanzmärkte in die Knie zwang, da sah sich die antikapitalistische Mehrheitsmeinung bestätigt. "Ungezähmte" Märkte könnten nun einmal nicht zuverlässig funktionieren, hieß es. Es sei an der Zeit, dass die Politik das Primat über die Wirtschaft wiedererlange. Endlich sei das ökonomistische Glücksversprechen des Neoliberalismus aufgeflogen als naiver und gefährlicher Irrglaube, der jeglicher seriösen philosophischen Basis entbehre. Im Zuge dieser Anschuldigungen ist zwangsläufig auch der Pionier der modernen Volkswirtschaftslehre und intellektuelle Stammvater der liberalen Ökonomie verstärkt in die verbale Schusslinie geraten: Adam Smith (1723-1790).

          Philosophische Unterbelichtung indes kann man gerade ihm kaum vorwerfen. Adam Smith zählt zur "schottischen Aufklärung", jener fortschrittlichen philosophischen Strömung des späten achtzehnten Jahrhunderts, die ganz auf empirische Beobachtung und praktische Vernunft setzte. Von dem Physiker und Philosophen Isaac Newton (1643-1727) hatten die Denker der schottischen Aufklärung ihre Überzeugung, dass es möglich ist, in der Beobachtung der Realität die ihr zugrundeliegenden Naturprinzipien zu erfassen. Ihr Ziel war es, die Gesetzmäßigkeiten menschlichen Verhaltens und die daraus folgenden Strukturprinzipien für das Leben in Gemeinschaft und Gesellschaft aufzudecken.

          Adam Smith wird verzerrt wahrgenommen

          Smith war ein klassischer Intellektueller seiner Zeit, Universalgelehrter, hochintelligent, perfektionistisch, zerstreut und ewiger Junggeselle. Geboren im Fischerstädtchen Kirkcaldy an der schottischen Ostküste, kam er aus wohlsituiertem Hause; die vor seiner Geburt verwitwete, ihm zeitlebens eng verbundene Mutter förderte seine Ausbildung kräftig.

          In grober Verzerrung wird Smith heute oft als jener Ökonom wahrgenommen, der allzu idealistisch davon ausging, dass sich der individuelle Egoismus im gesellschaftlichen Miteinander auf dem Markt durch das Wirken einer "unsichtbaren Hand" in allgemeines Wohlgefallen auflöst. Auf diesen verkürzenden, irreführenden Nenner wird gelegentlich die Kernaussage seines bekanntesten und mit etwa 1000 Seiten voluminösesten Buches gebracht, des 1776 erschienenen "Wohlstands der Nationen". Hier wirft man Smith gern vor, die persönliche Gier und den Eigennutz der Menschen als Antriebskraft der wirtschaftlichen Entwicklung nicht nur toleriert, sondern vielmehr moralisch freigesprochen zu haben. Dabei lebe der Markt wie die Gesellschaft von Voraussetzungen, die er selbst nicht schaffen könne - und die er, schlimmer noch, unterminiere. So lege auch jetzt wieder das Verhalten mancher Akteure an den Finanzmärkten nahe, dass die Gier eine sozial höchst destruktive Kraft sei und dass es unregulierten Märkten eben nicht gelingen könne, sie in Schach zu halten.

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