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Finanzkrise : Ackermann warnt vor einem Banken-Oligopol

„Wenn eine Bank zu groß ist, um umzufallen, dann ist sie zu groß” Bild: AP

Der Chef der Deutschen Bank macht sich Gedanken über ein krisenfestes Bankensystem. Den Untergang der großen amerikanischen Investmentbank Lehman Brothers findet er „in historischer Perspektive gar nicht so schlecht“.

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          Der Vorstandsvorsitzende der Deutschen Bank, Josef Ackermann, hat davor gewarnt, dass die großen Banken der Welt "immer mehr ein Oligopol" bilden. Das habe nicht nur Auswirkungen auf den Wettbewerb, sondern erhöhe die Systemrisiken. "Es wird nach der Krise einige große Banken geben, die sich den globalen Kuchen aufteilen - dadurch gibt es die Gefahr von oligopolistischen Strukturen." Diese seien gefährlich, wenn sie zusammenbrechen, sagte Ackermann auf einer Veranstaltung mit dem Titel "Geld, Geist und Magie in Goethes Faust II" des Freien Deutschen Hochstifts in Frankfurt, an der auch Ackermanns Doktorvater Hans Christoph Binswanger von der Universität Sankt Gallen teilnahm.

          Philip Plickert

          Wirtschaftskorrespondent mit Sitz in London.

          In der Krise gebe es Fusionen von angeschlagenen Finanzinstituten, erklärte Ackermann. Daraus folge eine zunehmende Konzentration in der Bankenszene. "Die Frage der Zukunft wird sein: Wie groß darf eine Bank sein, im Verhältnis zur Wirtschaftskraft des Landes, dass sie nicht ,too big to fail' ist?", sagte Ackermann. Mit diesem Ausdruck umschreiben Fachleute die Problematik, dass manche Banken so groß sind, dass die Politik sie nicht untergehen lassen kann - weil die Insolvenz einer solchen Großbank den Kollaps des gesamten Finanzsystems auslösen könnte. "Die Amerikaner sagen: Wenn eine Bank zu groß ist, um umzufallen, dann ist sie zu groß."

          Ackermann stellt für das Bankensystem die Frage: "Wie kann man Banken auf eine solche Größe reduzieren, dass sie aus dem Markt ausscheiden können, ohne das System zu gefährden?" Überraschend war seine Aussage zum Fall von Lehman Brothers. Der Untergang der großen amerikanischen Investmentbank im vergangenen Herbst, der die Finanzkrise erheblich verschärfte, sei "in historischer Perspektive gar nicht so schlecht", sagte Ackermann, "weil er gezeigt hat, dass es den ,moral hazard' nicht geben darf. Aber der Zeitpunkt in der Finanzkrise war fatal." Unter "moral hazard" verstehen Ökonomen die Problematik, dass Marktteilnehmer dazu verleitet werden, hohe Risiken einzugehen, weil sie darauf vertrauen können, letztlich von der Politik gerettet zu werden, wenn sie als "systemrelevant" gelten.

          „Wenn Verluste entstehen, dann müssen wir auch dafür haften“

          An seinem in der Öffentlichkeit vielfach kritisierten Ziel von einer Eigenkapitalrendite von 25 Prozent vor Steuern hält Ackermann auch nach der Krise fest (siehe auch Streit um Ackermanns Renditeziel: Sind 25 Prozent zu gierig?). Dies sei notwendig, damit die Deutsche Bank ihre Unabhängigkeit bewahre und weiterhin international vorne mitspiele. Seine Ziele richte er primär an den Aktionärsinteressen aus, wobei die Interessen von Kunden, Mitarbeitern und der Öffentlichkeit auch eine Rolle spielten. Allerdings sagte der Vorstandsvorsitzende der größten Bank Deutschlands, dass die Ausrichtung am Aktionärswert (Shareholder Value) in den vergangenen Jahren "etwas extrem interpretiert" worden sei.

          Als eine Lehre aus der Finanzkrise regt Ackermann an, über die Haftungspflichten von Bankern nachzudenken. "Wenn Verluste entstehen, dann müssen wir auch dafür haften", sagte Ackermann - wobei er das Verantwortungsgefühl selbständiger Bankiers betonte. Zudem unterstrich er, die Notenbanken müssten stärker auf Preisblasen achten, die auf Aktien- oder Immobilienmärkten entstehen. Diese Blasen seien eine Folge von zu viel Krediten: "Wenn die Geldschöpfung zu weit geht, bilden sich Blasen, die dann korrigiert werden müssen. Das ist eine der Ursachen der Finanzkrise."

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