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Federal Reserve : Zu viele Fehler in den ersten 100 Jahren

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Mächtige Wächter des Dollar: Türklopfer am Hauptsitz der Fed in Washington. Die amerikanische Notenbank wird in diesem Monat hundert Jahre alt Bild: IMAGO

Amerikas Notenbank hat Geburtstag. Ihre besten Zeiten hatte sie unter der Ägide von Volcker und Greenspan. Was haben sie besser gemacht als ihre Vorgänger? Wo geht es hin?

          Vor 100 Jahren unterzeichnete Präsident Woodrow Wilson den Federal Reserve Act, das Gründungsgesetz der amerikanischen Notenbank. Als Experiment einer öffentlich-privaten Partnerschaft hatte das neue System zwei Kraftzentren: zwölf regionale, über das Land verstreute Federal-Reserve-Banken, die von Geschäftsbankiers geleitet wurden, und ein aufsichtsführendes Federal Reserve Board in Washington, den politischen Arm. Keines der Zentren hatte anfänglich viel Macht. Das neue Gesetz verbot jede direkte Ausleihung an das Finanzministerium. Die Vereinigten Staaten folgten dem Goldstandard, so dass das Wachstum von Geld und Kredit am Goldfluss hing.

          Die Reservebanken konnten Ausleihungen gegen verpfändete Wertpapiere (collaterals) und zum Diskontsatz geben, den anfänglich jede Bank unabhängig festsetzte. Die Reservebanken konnten mit Genehmigung des Boards begebbare Wechsel kaufen. Die Entscheidung, Kredite aufzunehmen, trafen Bankiers. Die Federal Reserve Banken konnten die Zinssätze verändern, um die Kreditaufnahme zu bremsen oder zu fördern. Innerhalb weniger Jahre passten sich die Zinssätze von Unternehmensanleihen (commercial paper) und von Bankwechseln überall im Land an. Der Diskontsatz der Federal Reserve wurde einheitlicher. Die Erfahrung der Europäischen Zentralbank verlief weitgehend gleich. Diese Agentur mit sehr begrenzter Macht und Autorität wurde zu der machtvollen Zentralbank, die wir heute kennen. Der Fed ist zugutezuhalten, dass sie diesen Wandel ohne einen größeren Skandal vollbrachte.

          Dem Stab der Notenbank wird eine sehr hohe Qualität zugesprochen, es gibt einen starken Korpsgeist von Managern und Angestellten. Großereignisse veränderten die Federal Reserve. Sie finanzierte die Beteiligung der Vereinigten Staaten an zwei Weltkriegen und an einigen kleineren Kriegen. Schrittweise ersetzte sie die Bank von England als die wichtigste Zentralbank der Welt, und ihr Geld wurde zur führenden Währung in der Welt. Seit den zwanziger Jahren entwickelte sie starke Forschungsabteilungen in New York, in Washington und später im ganzen System. Auf der jährlichen monetären Konferenz der Federal Reserve Bank von Kansas City, die in Jackson Hole, Wyoming, abgehalten wird, tauschen Zentralbanker und Akademiker aus der ganzen Welt ihre Ansichten aus.

          Verschwiegenheit als Norm

          In den frühen Jahren wurde Verschwiegenheit zur Norm. Das ist mit demokratischer Rechenschaftspflicht unvereinbar, deshalb konzentrierte sich die „Kommunikationspolitik“ darauf, Informationen zu veröffentlichen und Märkte zu informieren. Im heutigen Zeitalter der rationalen Erwartungen erkannte die Notenbank endlich, dass der Markt auf ihre Ankündigungen reagiert, und sie reagierte auf die Marktreaktionen. Dennoch verkündete die Federal Reserve erst 1994 ihr Zinsziel. Vorher konnten die Märkte das Ziel ableiten, indem sie die Punkte beobachteten, an denen das System Wechsel kaufte und verkaufte.

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