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Ernst Fehr : Der Starökonom, den keiner kennt

Ernst Fehr Bild: Hauri, Michael

Ernst Fehr steigt in unsere Rangliste der Ökonomen ein – und setzt sich gleich auf Rang zwei. Wer ist dieser Mann? Und warum hat er so viel Einfluss?

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          Ernst wer? Auf Rang zwei unseres diesjährigen Einflussrankings der Ökonomen schiebt sich ein Mann, der außerhalb der Fachwelt in Deutschland nicht weit bekannt ist. Politiker nennen ihn nicht als Ratgeber, Journalisten berichten nur selten über seine Meinung. Mit der deutschen Wirtschaftspolitik befasst er sich so gut wie nie. „Sein direkter Einfluss auf die deutsche Politik und die öffentliche Meinungsbildung in Deutschland ist sicher begrenzt“, sagt der Düsseldorfer Ökonom Justus Haucap.

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Aber in der Wissenschaft ist Ernst Fehr eine ganz eigene Marke. „Er ist ein brillanter Wissenschaftler und daher sehr einflussreich“, sagt Haucap. Selbst die Psychologen laden ihn als Hauptredner zu ihrer Jahrestagung ein. So wirkt Fehr nicht nur auf die Politik, sondern auch auf die Unternehmen. Wie geht das? Mit der Verhaltensökonomik. Der Züricher Volkswirt Ernst Fehr gehört zu den wichtigsten Vertretern dieser Disziplin, zumindest im deutschsprachigen Raum. Einige handeln ihn sogar als Kandidaten für den Nobelpreis.

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          Die Verhaltensökonomen haben der Welt beigebracht, dass die Menschen doch nicht immer hyperrational entscheiden. Manchmal machen sie Fehler. Oft entscheiden sie sich nicht nach ihrem reinen Eigennutz. Wenn sie das Gefühl haben, dass sie selbst unfair bevorzugt werden, dann geben sie auch mal etwas ab. Und wenn sie sich benachteiligt fühlen, dann ignorieren sie allen materiellen Eigennutz und werden trotzig.

          Strafen helfen bei der Zusammenarbeit

          Was passiert zum Beispiel, wenn die Mitglieder eines Vereins zusammen in einen Topf einzahlen sollen, um zum Beispiel ein neues Vereinsheim zu bauen? Die Chance ist groß, dass sich einige drücken und ihr Geld lieber auf dem eigenen Konto behalten. Fehr hat in systematischen Experimenten gezeigt, wie das Vereinsheim doch zustande kommen kann: indem die Vereinsmitglieder sich für ihre Drückeberger eine Strafe ausdenken. Dafür nehmen sie sogar Kosten in Kauf.

          Inzwischen haben die Verhaltensökonomen einige Grundregeln dafür gefunden, wie sich Menschen entscheiden. Gelegentlich kann man ihnen bestimmte Entscheidungen nahelegen, wenn man nur weiß, wie’s geht. Zum Beispiel im Marketing: Ein Laden hat zwei Fernseher zur Wahl und will die Kunden vom teureren überzeugen? Kein Problem, er muss nur irgendwo einen dritten Fernseher auftreiben, der etwas schlechter ist als der teurere. Dann bietet er diesen Fernseher ebenfalls zum teuren Preis an. Schon konzentrieren sich die Kunden auf den Vergleich zwischen den beiden teuren Fernsehern, entscheiden sich für den besseren von beiden - und den billigen ignorieren viele komplett.

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