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Ernst Fehr : Der Starökonom, den keiner kennt

Über solches Wissen freuen sich nicht nur die Marketing-Fachleute in den Unternehmen, die den Menschen Produkte verkaufen wollen. Darüber freuen sich auch Politiker, die neben Steuern und Verboten noch ganz neue Werkzeuge in die Hand bekommen, das Verhalten ihrer Bürger zu beeinflussen. Im vergangenen Jahr erst hat Bundeskanzlerin Angela Merkel eine entsprechende Truppe in ihrem Kanzleramt aufgebaut. So viel steht fest: Ihre Verhaltensforscher haben einige Lehren von Fehr und seinen Schülern mitgenommen. Und selbst wenn die Organisation Foodwatch eine Kampagne gegen zuckerhaltige Lebensmittel anstößt, profitiert sie davon, dass Menschen heute als weniger rational gelten als früher. Der im österreichischen Hörbranz bei Bregenz geborene Fehr hat dazu beigetragen. Er arbeitete in seiner Jugend in den Ferien beim Flugzeugbauer Dornier und lernte dort die harte Arbeit an der Maschine kennen - Arbeit, die er selbst mal als „entfremdet“ bezeichnet hat. Während seines Studiums in Wien schrieb er in einer Studentengruppe namens „roter Börsenkrach“ für die Zeitung - und kritisierte den ökonomischen Mainstream. An den Egoisten im Menschen glaubte er nicht. So kämpfte er sich am ökonomischen Mainstream ab.

Er hat geholfen, die Verhaltensökonomik groß zu machen

Fehr war nicht der Einzige, der die Verhaltensfoschung in der Ökonomik etablierte. Doch seit er 1993 die erste Studie in einer angesehenen Fachzeitschrift unterbekam, war Fehr einer der treibenden Kräfte, die Verhaltensökonomik zum Mainstream zu machen. Einige von Fehrs ersten Assistenten gehören heute selbst zu den einflussreichsten Ökonomen Deutschlands, und ihre ehemaligen Assistenten füllen gerade Deutschlands Universitäten mit Verhaltensökonomen. „Fehr hat ein Gefühl für sehr gute, innovative Fragen und arbeitet wahnsinnig viel“, sagt der Finanz-Verhaltensforscher Martin Weber.

Weil Fehr für seine Experimente berühmt wurde, konnte er neues Forschungsgeld einwerben - und mit dem Geld noch mehr erforschen. Über Jahre hinweg betrieb er in Zürich fast eine Forschungsfabrik mit Dutzenden Ökonomen. Vor einigen Jahren bekam er 100 Millionen Franken von der Schweizer Bank UBS und gründete damit ein ganzes Institut. Mit früheren Spenden hatte er einen Hirnscanner gekauft, mit dem er das Gehirn bei wirtschaftlichen Entscheidungen beobachten kann. Andere Verhaltensökonomen haben in der Wissenschaft großen Einfluss, weil ihre Experimente auch von Betriebswirten, Politikwissenschaftlern und Psychologen genutzt werden. Fehr stieß mit seinem Hirnscanner auch in die Naturwissenschaften vor. Inzwischen laden ihn auch die Psychologen ein, um sich erzählen zu lassen, was er da herausfindet.

Ob es statthaft ist, wenn sich auch Politiker die Verhaltensforschung zunutze machen, ist umstritten. Fehr verteidigt seine Disziplin. Auch die Unternehmen beeinflussten ihre Kunden. „Die ganze Werbeindustrie tut das seit 100 Jahren“, sagt er. „Was ist sozial nützlicher - wenn es die Werbung macht oder die Politik?“

Die Unternehmen machen sich seine Erkenntnisse allerdings auch schon zunutze. Auch Fehr berät Unternehmen, zum Beispiel im Umgang mit Mitarbeitern. „Nachfrage nach unserem Wissen ist auf jeden Fall vorhanden“, sagt Fehr. Wenn Unternehmen zum Beispiel verfeindete Abteilungen zur Zusammenarbeit bewegen wollen - auch dann hat Fehr seinen Einfluss. Dann erinnert er sich an seine Experimente und an den Erfolg von Strafen. Aber er nennt das dann anders. Bei ihm heißt es: „eine Feedback-Kultur etablieren“.

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