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FAZ.NET-Orakel : Das Wissen der Masse nutzen

Wissen ist beschränkt, lokal und verstreut unter vielen verschiedenen Akteuren, wusste schon Hayek. Bild: dpa

Prognosebörsen gehen auf den Ökonom Friedrich August von Hayek zurück. Heute werden sie für unterschiedlichste Zwecke eingesetzt. Sogar Terroranschläge sollten durch sie schon vorhergesagt werden.

          Das Wissen eines jeden Menschen ist begrenzt. Im Idealfall aber lässt sich der Erfahrungsschatz vieler Personen bündeln und so sehr genau vorhersehen, wie sich etwa die Inflation entwickelt oder eine Wahl ausgeht. Mit der Frage, wie das gelingen kann, beschäftigte sich schon der Ökonom Friedrich August von Hayek. Der Nobelpreisträger war überzeugt: Am besten sammeln lasse sich das verstreute Wissen der Masse über einen Marktmechanismus.

          Benjamin Fischer

          Redakteur in der Wirtschaft.

          Rationale Akteure würden hier durch Kauf und Verkauf stets versuchen, sich selbst in die bestmögliche Position zu bringen. Aus den sich ergebenden Preisen ließen sich wiederum Rückschlüsse über die jeweiligen Informationen und Erwartungen der Handelnden ziehen.

          Auf dieser Überlegung Hayeks basiert auch die Idee der Prognosebörse. Teilnehmer handeln hier ihre Erwartungen in Form von Aktien. Jeder versucht, seine persönlichen Informationen möglichst gewinnbringend einzusetzen. Zum Beispiel durch den Kauf einer aus seiner Sicht unterbewerteten Aktie oder eben den Verkauf eines Papiers, dass aktuell zu einem Preis gehandelt wird, den der Teilnehmer als zu hoch ansieht.

          Erste Prognosebörse mit 192 Händlern

          Hayek veröffentlichte seinen Aufsatz „The Use of Knowledge in Society“ 1945. Die erste Prognosebörse startete über 40 Jahre später und zwar 1988 an der Universität von Iowa. Die Forscher wollten mit ihrer Börse das Ergebnis der Präsidentenwahl vorhersagen. George Bush Senior trat gegen den Demokraten Michael Dukakis an. An der Wahlbörse nahmen nur 192 Händler teil, alle waren Universitäts-Mitarbeiter. Ursprünglich war eine offene Börse, an der Jedermann teilnehmen konnte, geplant, doch die Idee scheiterte an rechtlichen Bedenken.

          Trotz der geringen Teilnehmerzahl traf die Prognose des „Iowa Political Stock Market“ fast ins Schwarze. Die Teilnehmer erwarteten einen Tag vor der Wahl einen Sieg von Bush Senior und zwar mit 53,2 Prozent der Stimmen. Der Republikaner gewann die Wahl bekanntermaßen wirklich - mit 53,4 Prozent. Auch bei Dukakis war die Prognose der Börse mit 45,2 Prozent der Stimmen sehr dicht am tatsächlichen Ergebnis: Dukakis kam auf einen Stimmanteil von 45,7 Prozent.

          Die aktuelle Prognose für die Bundestagswahl auf dem FAZ.NET-Orakel

          Der „Iowa Political Stock Market ist bis heute eine der bekanntesten Prognosebörsen. Mittlerweile kann allerdings, wie ursprünglich einmal geplant, jeder teilnehmen. Und es wird mit echtem Geld gehandelt. Von 5 bis 500 Dollar reicht die Spannweite, die ein Händler bei der Erstellung seines Accounts einsetzen kann. Auch die Güte der Prognosen kann sich weiter sehen lassen. So sagten die Händler etwa im Jahr 2000 beim äußerst knappen Duell zwischen Al Gore und George Bush Junior exakt die 48 Prozent Stimmanteil voraus, mit denen Bush zum Präsidenten gewählt wurde. Gore kam auf 48,4 Prozent, doch er vereinte weniger Wahlmänner hinter sich, weshalb Bush Präsident wurde. Donald Trumps überraschenden Sieg über Hillary Clinton hatten allerdings auch die Händler nicht erwartet: Am 7. November, einen Tag vor der Wahl sahen die Teilnehmer Clinton mit 53 Prozent der Stimmen vorne. Es kam bekanntlich anders.

          „Nicht die Meinung, welche Partei Sie wählen würden, sondern die Erwartung, wie viel Prozent wird eine Partei erhalten, wird abgefragt“, beschreibt Christof Weinhardt den Vorteil der Prognosebörsen gegenüber vielen Umfragen. Weinhardt ist Professor am Institut für Informationswirtschaft und Marketing des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT), einem Mitbetreiber des FAZ.NET-Orakels. Zudem kann auf den Börsen rund um die Uhr gehandelt werden. So fließt jedes Ereignis sofort ein, während eine Umfrage schon Stunden nach der Veröffentlichung Makulatur sein kann.

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