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F.A.Z.-Spendenexperiment : Akademiker sind Egoisten

In der Presbyterian Senior High School in Tamale, Ghana. Bild: Frank Röth

Geld für sich – oder Geld für eine Schule in Ghana? Das mussten F.A.Z.-Leser in einem Experiment entscheiden. Nicht jeder spendete.

          Sie können 340 Euro für sich bekommen - oder 200 Euro an ein Mädcheninternat in Ghana spenden lassen. Was tun Sie?  Solche Fragen haben die Leser von F.A.S. und FAZ.NET beantwortet. In einem wissenschaftlichen Experiment mit den Universitäten Köln und Innsbruck mussten sie sich entscheiden: Lieber Geld für mich? Oder lieber 200 Euro für die Aktion „F.A.Z.-Leser helfen“, die es an ein Mädcheninternat in Ghana gibt? Interessant wurde es dadurch, dass die Forscher zwar immer eine 200-Euro-Spende vorsahen, aber den Lesern unterschiedliche Geldbeträge für sich selbst angeboten wurden. Die Frage: Ab welchem Betrag werden die Leser schwach?

          Patrick Bernau

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Geld & Mehr“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Mehr als 4000 Leser haben an dem Experiment teilgenommen - und sie sind erstaunlich spendenfreudig: Im Durchschnitt mussten die Forscher den Lesern 240 Euro anbieten, bevor die das Geld einer 200-Euro-Spende vorzogen. Selbst wer Geld für sich bekam, wollte es manchmal noch spenden. Denn das Ganze war keine theoretische Übung: Antworten von 20 Lesern wurden verwirklicht. Insgesamt bekommt „F.A.Z.-Leser helfen“ jetzt 2760 Euro. 2020 Euro werden an die Leser ausgezahlt. Die Gewinner sind schon benachrichtigt.

          Mehr Spenden als an der Universität

          Damit sind die F.A.Z.-Leser spendierfreudiger als Studenten der Uni Innsbruck. In einem ähnlichen Experiment nahmen die Studenten das Geld schon für sich, wenn der Spendenbetrag noch lange nicht erreicht war. „F.A.Z.-Leser haben meistens höhere Einkommen, also spenden sie eher“, sagt der Innsbrucker Wirtschaftsforscher Michael Kirchler. Tatsächlich gilt: Je mehr die Leser verdienen, umso eher spenden sie.

          „Andere benötigen das Geld, nicht ich“, schreibt ein einkommensstarker Teilnehmer. Ärmere Leser argumentieren öfter anders, zum Beispiel mit „80 Euro sind für mich ein recht hoher Geldbetrag.“

          Allerdings gilt auch: Je mehr Bildung die Leser haben, desto weniger spenden sie - und zwar auf jeder Einkommensstufe. Ein Beispiel: die Leser mit einem Nettoeinkommen über 4000 Euro monatlich. Akademiker in dieser Einkommensklasse nahmen durchschnittlich dann das Geld für sich, wenn ihnen mindestens 260 Euro angeboten wurden. Die Leute mit Mittlerer Reife taten dies erst ab 340 Euro. Und die mit Mittlerer Reife sagten noch eher, sie würden das Geld privat spenden.

          „Vielleicht haben Menschen mit Mittlerer Reife und hohem Einkommen eher das Gefühl, im Leben Glück gehabt zu haben, und wollen es jetzt auch anderen Leuten zuteilwerden lassen“, mutmaßt der Kölner Volkswirt Matthias Sutter.

          Sagt das etwas über die ganze Bevölkerung aus oder nur über F.A.Z.-Leser? Das wird die weitere Forschung zeigen müssen.

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