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Erklär mir die Welt (98) : Warum kriegen Senioren überall Rabatt?

Als die Renten spürbar niedriger waren als die Erwerbseinkommen... Bild: Dieter Rüchel

Ob im Theater oder bei der Bahn: Überall zahlen Rentner weniger. Dabei sind sie gar nicht so bedürftig. Doch die Idee der Seniorenrabatte stammt aus einer anderen Zeit.

          Jeder kennt das: Der grauhaarige Rentner, der in der Schlange an der Museums- oder Theaterkasse vor einem steht, zückt lächelnd seinen Ausweis, wenn er an der Reihe ist. "Ein Ticket mit Seniorenermäßigung", sagt er dann. Ob im Museum, bei der Bahn oder im Hotel im noblen Kurort - an sehr vielen Orten bekommen ältere Menschen Rabatt. Dabei sind sie eigentlich nicht auf diese Vergünstigungen angewiesen. Den Rentnern und Pensionären in der Bundesrepublik geht es heute so gut, dass sie überdurchschnittlich viel für Konsum ausgeben.

          Carsten Germis

          Wirtschaftskorrespondent in Hamburg.

          Das war nicht immer so. Früher bedeutete der Ruhestand für die meisten Menschen, dass sie von einem Tag zum anderen deutlich weniger Geld in der Kasse hatten. Im Durchschnitt haben Rentner - vor allem alleinstehende ältere Frauen - auch heute noch ein geringeres Einkommen als Aktive. Deswegen begründen Museen, Theater oder Büchereien ihre Rabatte für Senioren auch sozialpolitisch: "Dahinter steckt der Gedanke, dass die Menschen im Alter weniger haben. Sie sollen aber genauso wie andere die Möglichkeit haben, ins Museum zu gehen." So rechtfertigt Bernhard Weidemann vom Deutschen Museum in München den geringeren Eintrittspreis für die Alten. Das Museum bekommt als Ausgleich für die entgangenen Einnahmen Zuschüsse aus der Staatskasse.

          Die Welt der Vergünstigungen und Schnäppchen - uneinheitlich

          Ob es in öffentlichen Einrichtungen wie Museen oder Theatern Rabatte für Rentner gibt, darüber entscheidet in der Regel die jeweilige Stadt oder das Bundesland. Die Welt der Rabatte, Vergünstigungen und Schnäppchen für Senioren ist deswegen sehr uneinheitlich und unübersichtlich. Bei Theatern, im Zoo oder in Schwimmbädern lohnt es sich darum für ältere Menschen immer, an der Kasse zu fragen, ob es eine Ermäßigung gibt.

          Es gibt dagegen auch Kommunen, in denen Senioren wegen der angespannten Kassenlage kaum noch Vergünstigungen bekommen. Die Berliner Verkehrsbetriebe zum Beispiel haben ihre Senioren-Karte für Busse und Bahnen vor einigen Jahren abgeschafft, weil die Landesregierung die Zuschüsse gestrichen hat.

          Andere Städte - wie Lübeck - haben wiederum sogar Senioren-Freizeit-Pässe eingeführt, mit denen die Bürger über 60 sogar beim Taxifahren, beim Frisör und beim chinesischen Restaurant um die Ecke sparen können. Ältere Menschen sollten so trotz knapperen Geldbeutels zu Aktivitäten angeregt werden und am Leben der Gemeinschaft teilnehmen, meint der Sozialsenator der Hansestadt zur Begründung. Seit 32 Jahren gibt es diesen Senioren-Freizeit-Rabatt in Lübeck. Das zeigt vor allem eines: Sozialpolitisch motivierte Subventionen werden nicht so leicht abgeschafft, auch wenn sie unter Umständen gar nicht mehr gerechtfertigt sind, weil es den Betroffenen heute viel besser geht als den Rentnern vor 30 Jahren. Die meisten von ihnen könnten auch ohne Rabatte gut leben.

          Idee aus einer anderen Zeit

          Die Idee der Seniorenrabatte stammt aus Zeiten, in denen die Renten spürbar niedriger waren als die Erwerbseinkommen. Das ist schon eine Weile her. Holger Scheinpflug, Betreiber der Internetseite PlanetSenior, beobachtet dementsprechend, dass der Großteil der 120 000 Menschen, die jeden Monat auf seiner Internetseite nach Seniorenrabatten suchen, zu den ganz Alten gehören, die bereits über 80 sind. Sie suchten gezielt nach Sparangeboten, sagt er: "Es sind auch die Älteren, die dazu in den Foren etwas schreiben." Ganz anders die Jungsenioren, die kurz vor der Rente stehen oder gerade erst in den Ruhestand gegangen sind. "Die wollen ihr Geld ausgeben", sagt Scheinpflug. Die suchen nicht nach Schnäppchen, sondern nach hochwertigen Angeboten. Und von ihnen gibt es immer mehr. Auch die Werbung hat diese Gruppe schon entdeckt. Sie spricht deswegen nicht mehr verschämt von Senioren, sondern von der Generation 60plus, von den Best-Agern, von der Generation Gold oder auch von den Junggebliebenen.

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