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Erklär mir die Welt (88) : Warum machen Frieden und Demokratie reich?

Wohlstand braucht Freiheit
          4 Min.

          Hongkong, Singapur, Irland, Australien, Vereinigte Staaten von Amerika, Neuseeland, Kanada, Chile, Schweiz, Großbritannien: diese zehn Namen stehen in der jährlich von der amerikanischen Heritage Foundation erstellten Rangliste der Staaten mit der größten wirtschaftlichen Freiheit ganz vorne.

          Gerald Braunberger
          Herausgeber.

          Zu den Kriterien der Heritage Foundation zählen unter anderem Investitionsfreiheit, Schutz von Eigentumsrechten, Größe des Staates und Verbreitung von Korruption. Mit Ausnahme Chiles und Irlands findet man diese Staaten auch in einer Rangliste der Staaten mit dem höchsten Pro-Kopf-Einkommen auf den vorderen Plätzen.

          Der Zusammenhang ist offensichtlich

          Nordkorea, Kuba, Zimbabwe, Libyen, Burma, Turkmenistan, Iran, Bangladesch, Venezuela, Guinea-Bissau: diese zehn Länder stehen in der Rangliste auf den hintersten Plätzen. In ihnen ist die wirtschaftliche Freiheit am geringsten ausgeprägt. Die meisten dieser Länder wird man auch in einer Rangliste nach den Pro-Kopf-Einkommen auf den hinteren Plätzen finden.

          Bild: F.A.Z.

          Ein Zusammenhang ist offensichtlich: Wirtschaftliche Freiheit und wirtschaftlicher Wohlstand gehören zusammen. Und ein zweiter Zusammenhang wird ebenfalls offensichtlich: Die wirtschaftlich erfolgreichsten Staaten sind demokratisch verfasst, wobei dies für Hongkong und Singapur nur mit Einschränkung gelten mag. Die ärmsten Staaten der Welt wiederum haben überwiegend keine demokratischen Staatsformen.

          Der bessere Ordnungsrahmen

          Das ist kein Zufall. Wirtschaftlicher Erfolg ist auf Dauer nur in einer Marktwirtschaft möglich. Eine Marktwirtschaft wiederum bedarf eines Ordnungsrahmens, zu dem unter anderem die Garantie von Freiheitsrechten zählt wie die Vertragsfreiheit, der Schutz des Privateigentums, eine unabhängige Justiz sowie die Garantie der inneren und äußeren Sicherheit. Aller Erfahrung nach vermögen Demokratien diesen Rahmen eher zu gewährleisten als totalitäre Systeme.

          Dass Frieden dem wirtschaftlichen Wohlstand förderlicher ist als Krieg, lässt sich empirisch kaum widerlegen. Aber fraglos hatte das britische Empire seine politische und wirtschaftliche Weltmachtrolle auch militärisch erfochten, und ebenso fraglos verdanken die Vereinigten Staaten ihre heutige Stellung auch dem Ausgang der beiden Weltkriege. Man könnte auch argumentieren: Den relativen Erfolg des Römischen Imperiums begünstigten erst Feuer und Schwert, indem sie es schufen. Sie verhalfen ihm zu seiner Größe.

          Kriege haben sich in den seltensten Fällen gelohnt

          Ein zwingender Zusammenhang zwischen der Größe eines Landes und seinem Reichtum ist dagegen nicht nachweisbar. Karthago war niemals so reich wie nach seiner verheerenden Niederlage im Zweiten Punischen Krieg, bei dem es alle Besitzungen außerhalb Nordafrikas verlor. Insgesamt aber haben sich Kriege in den seltensten Fällen gelohnt, wie die Geschichte Deutschlands belegt. Deutschland stand wirtschaftlich nach zwei Weltkriegen 1945 weitaus schlechter da als 1914. Wohl aber steht es 2008, nach einer im historischen Vergleich ungeheuer langen Friedensperiode und trotz Gebietsverlusten gegenüber der Vorkriegszeit, wirtschaftlich ungleich besser da als 1945.

          Die These, dass Demokratie mit wirtschaftlichem Wohlstand einhergeht oder ihn gar zu garantieren vermag, steht jedoch seit langer Zeit in der Kritik. Zweifel sind vor allem aus dem liberalen Lager zu vermelden, wo die Frage der Vereinbarkeit von Marktwirtschaft und Demokratie diskutiert wird. Manche halten beides für unvereinbar.

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