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Erklär mir die Welt (72) : Warum gibt es im Internet so viele Monopole?

Von guten Websites lassen wir uns gerne einwickeln
          4 Min.

          Die Sprüche der Oma schienen ein Naturgesetz zu sein: „Konkurrenz belebt das Geschäft“ und „Je mehr Konkurrenz, desto billiger“. Doch im Internet läuft das nur selten so. Ebay, Google und Co. - es gibt viele Firmen, die mehr Zulauf haben als all ihre Konkurrenten zusammen. Den Preisen scheint das nicht zu schaden. Im Gegenteil: Viele dieser Unternehmen bieten ihre Dienste kostenlos an. Irgendwas läuft da anders als in anderen Branchen.

          Patrick Bernau
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft und „Wert“ der Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung.

          Normal ist: Wo es ein Monopol gibt, sind die Produkte teurer und schlechter. Zum Beispiel beim Bäcker und den Brezeln: Wenn in einer Kleinstadt in Schleswig-Holstein nur ein Bäcker weiß, wie man Brezeln backt, dann kann er seine Brezeln teuer verkaufen - teurer jedenfalls als der Bäcker in Schwaben, wo der Konkurrent nebenan möglicherweise billigere Brezeln anbietet und so die Kunden zu sich zieht. Der Monopolist in Schleswig-Holstein kann seine Preise so hoch halten, wie er will. Beschränkt wird er nur dadurch, dass sich die Kunden irgendwann keine Brezeln mehr leisten können oder wollen.

          Wenn Konkurrenz das Produkt verteuert

          Anders ist das aber schon beim Leitungswasser. Dort belebt Konkurrenz zwar auch das Geschäft, verteuert aber gleichzeitig das Produkt. Denn Wasserleitungen müssen verlegt, kontrolliert und repariert werden. Das kostet viel Geld. Das Wasser, das durch die Leitungen fließt, ist dagegen ziemlich billig. Die hohen Kosten für die Leitungen sind kein Problem, solange eine Firma alle Haushalte einer Stadt mit Wasser versorgt. Dann kann sie die Kosten auf alle Haushalte verteilen.

          Wenn jetzt aber eine zweite Firma kommt, muss sie ebenfalls ein Netz an Wasserleitungen durch die Stadt ziehen. Sogar dann, wenn die zweite Firma fast die Hälfte der Kunden gewinnt, zahlt jeder für das Netz immer noch mehr als beim alten Anbieter. Darum bringt das zweite Wassernetz überhaupt nichts. Ökonomen sprechen in solchen Fällen von einem „natürlichen Monopol“. Das gibt es zum Beispiel auch im Schienen- und im Stromnetz.

          Natürliche Monopole im Internet

          Solche natürlichen Monopole entwickeln sich auch im Internet. Die Internet-Suchmaschine Google ist ein gutes Beispiel: Sie treibt erst mal einen großen Aufwand, um herauszufinden, welche Internet-Seiten besonders gut sind. Wenn sie das gemacht hat, ist es ein Klacks, die einzelne Suchanfrage von den Computern beantworten zu lassen. Die Kosten dafür lassen sich locker durch die Werbeeinnahmen finanzieren. Und je mehr Suchanfragen kommen, desto eher kann Google die Kosten für den Anfangsaufwand wieder einspielen. Inzwischen macht Google mit diesem Geschäft sogar Milliardengewinne.

          Nun ist es einem Nutzer von Google im Prinzip egal, wie oft andere mit Google suchen und ob sie das überhaupt tun, solange nur seine Suchergebnisse gut und gratis sind. Es gibt aber auch andere Angebote, bei denen der Nutzen ganz entscheidend davon abhängt, wie viele andere auch mitmachen. Das gilt etwa für die SMS. Die kann noch so schnell und zuverlässig verschickt sein - das hilft gar nichts, wenn die Freunde kein Handy haben und deshalb keine SMS empfangen können.

          Profitieren von Netzwerken

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