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Erklär mir die Welt (68) : Warum müssen wir Private Equity nicht fürchten?

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In der Regel kaufen die Finanzinvestoren Firmen, die sowieso schon angeknackst sind

In der Regel kaufen die Finanzinvestoren Firmen, die sowieso schon angeknackst sind Bild: DIETER RÜCHEL - F.A.Z.

Franz Müntefering bezeichnete sie als „Heuschrecken“: Strategische Investoren, die Unternehmen kaufen, sie restrukturieren und dann nach kurzer Zeit wieder abstoßen. In Wahrheit sind Beteiligungsgesellschaften besser als ihr Ruf. Denn wer von „Heuschrecken“ gefressen wird, ist meistens sowieso krank.

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          Ein börsennotiertes Unternehmen hat viele Vorteile, die in jedem Einführungskurs der Wirtschaftslehre herausgestellt werden: eine große Zahl von Aktionären, einen guten Zugang zum Kapitalmarkt, viel Transparenz durch umfassende Publizitätsregeln und vor allem durch die tägliche Ermittlung des Börsenkurses. In dieser Form hat die moderne Aktiengesellschaft einen Siegeszug in den Industrieländern angetreten, der bis heute andauert.

          Dennoch hat es immer gewichtige Kritiker gegeben, die vor der Schwerfälligkeit dieser Gesellschaften gewarnt haben und die auf die Eigeninteressen von Managern hingewiesen haben, die nur unzureichend von den internen Kontrollinstrumenten gebremst werden. Zu diesen Kritikern gehören große Namen wie Joseph Schumpeter, Adolf Berle, Gardiner Means, Kenneth Galbraith oder in jüngster Zeit Michael Jensen.

          Verkaufen, schließen, Schulden machen

          Die Autoren haben unterschiedlich weit reichende Folgerungen aus der behaupteten Kontrollschwäche der Aktiengesellschaft gezogen - aber sie waren sich einig, dass nur eine Bündelung von Kontrollrechten bei wenigen Personen gemeinsame Interessen von Management und Kapitalgebern ermöglichen könnten. Nur: Wie sollte dies in der Praxis bewerkstelligt werden?

          Bild: F.A.Z.

          Eine mögliche Antwort lautet: Private Equity. Mit diesem Begriff bezeichnet man die Beteiligung von Kapitalgebern unter einheitlicher Leitung an einem Unternehmen mit dem Ziel, dessen Geschäftspolitik zu verändern. Dazu erwerben aktive Investoren einen erheblichen Anteil an dem Unternehmen, oft die Mehrheit. In der Regel haben sie selbst langjährige Führungserfahrung in dieser Branche. Bei den gekauften Unternehmen besetzen sie Führungspositionen und beginnen mit einer mehr oder weniger grundlegenden Restrukturierung der gekauften Gesellschaft. Dies beinhaltet beispielsweise - und entsprechend der gegenwärtigen Managementphilosophie einer Konzentration auf Kernkompetenzen - die Ausrichtung des Unternehmens auf einen Hauptmarkt, während weitere Aktivitätsbereiche verkauft oder geschlossen werden. Zusätzlich wird oftmals die Verschuldung des Unternehmens erheblich gesteigert, und Geld wird an die Eigentümer ausgeschüttet.

          Leichte Beute öffentlicher Kritik

          Derartige Maßnahmen sind eine leichte Beute öffentlicher Kritik: Intakte Unternehmen werden zerschlagen, ihnen werden übergroße Schulden aufgebürdet, das Firmensilber wird verkauft, und die neuen Eigner genehmigen sich üppige Dividenden; und schließlich müssen die Arbeitnehmer die Zeche zahlen - denn ihre Arbeitsplätze werden vernichtet.

          All diese Aussagen findet man in den Stellungnahmen von Kommentatoren, wobei typischerweise ein Einzelfall herausgegriffen wird, eine oberflächliche Betrachtung und Verallgemeinerung vorgetragen wird. Unvergessen ist die Heuschrecken-Kennzeichnung von Private-Equity-Investoren durch den heutigen Bundessozialminister Franz Müntefering.

          Es gibt auch Negativbeispiele

          Vernünftiger für eine ökonomische Einordnung von Private Equity erscheinen dagegen Untersuchungen, die mittels wissenschaftlicher Methoden ermitteln, was tatsächlich die typischen wirtschaftlichen Folgen eines Engagements von Private Equity sind. Das wenige, was bisher hierzu existiert, verweist eindeutig auf einen positiven Effekt, der auch die Arbeitsplätze - in alten wie neuen Betrieben - mit einschließt.

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