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Erklär mir die Welt (103) : Warum machen Bodenschätze arm?

  • -Aktualisiert am

Diese Ölplattform steht in norwegischen Gewässern und gehört damit dem einzigen Land, das reich an Bodenschätzen ist und dennoch nicht zu den Entwicklungsländern zählt Bild: dpa

Natürliche Ressourcen sind ein Segen - sollte man meinen. Doch der Reichtum durch Bodenschätze verdirbt die politischen Sitten. Den Schaden hat das Volk.

          Der Ölpreis klettert in schwindelerregende Höhen. Die Erdöl exportierenden Länder freuen sich über höhere Einnahmen. Sie haben es nötig. Denn die meisten Staaten sind trotz ihres Ressourcenreichtums noch immer arm.

          In Saudi-Arabien beträgt das kaufkraftbereinigte Bruttosozialprodukt je Einwohner etwas mehr als 15.000 Dollar, in Venezuela gut 8600 Dollar und in Nigeria magere 1200 Dollar. Alle diese Länder sind Mitglieder der Opec, die seit jeher versucht, die Preise hochzutreiben. Im ölarmen Deutschland belief sich der entsprechende Wert hingegen auf stolze 40.000 Dollar.

          Die Schieflage hat System

          Der steigende Ölpreis und die somit zunehmenden Einnahmen der Ölstaaten werden an diesem Gefälle nicht viel ändern. Vermutlich eher im Gegenteil. Denn die Schieflage hat System. Bodenschätze wie Öl sind zwar ein Geschenk der Natur, aber sie wirken wie ein Fluch. Das gilt auch für andere Reichtümer der Erde wie Edelsteine, Gold, Kupfer, Stahl, Aluminium. Die Menschheit versteht mit ihnen offenbar nicht klug umzugehen: Alle Länder, die reich mit Bodenschätzen ausgestattet sind (mit Ausnahme Norwegens), zählen nach wie vor zu den Entwicklungsländern, sie kommen wirtschaftlich nicht voran. Das gilt sogar für Russland, das üppig mit Öl- und Gasvorkommen gesegnet ist.

          Wie die amerikanischen Ökonomen Jeffrey Sachs und Andrew Warner schon 1995 in einer vergleichenden Studie zu fast 100 Entwicklungsländern herausgefunden haben, ist das Wirtschaftswachstum um so schwächer, je höher der Rohstoffanteil am Export ausfällt. Umgekehrt sind die reichsten Länder der Erde gerade jene, die am wenigsten von der Natur begünstigt sind - sämtliche G-7-Staaten sind Industrieländer ohne sonderliche Bodenschätze.

          Staatliche Monopolunternehmen

          Wie kann das sein? Ist die Sache so einfach, so ausbeuterisch böse, wie es beispielsweise den Kindern im berühmten „Tigerenten-Club“ des Südwestrundfunks weisgemacht wird? Da heißt es doch tatsächlich: „Von diesem Reichtum wird ihnen viel weggenommen. Denn die Bodenschätze werden von großen Firmen aus Europa und Amerika ausgebeutet. Diese verdienen dann sehr viel Geld damit, aber den afrikanischen Ländern bleibt kaum etwas davon.“

          Die Wirklichkeit sieht anders aus - und ist dabei viel tragischer. Denn in den wenigsten Ländern sind es tatsächlich „große Firmen aus Europa und Amerika“, welche die Bodenschätze abbauen. Im Gegenteil. In der Regel werden natürliche Ressourcen von staatlichen Monopolunternehmen ausgebeutet - im Erdölgeschäft sind das etwa die Kuwait Oil Company, die PDVSA aus Venezuela oder die Saudi Aramco, nicht etwa Privatunternehmen wie BP oder Shell.

          „Reich geboren zu sein ist immer schlecht“

          In der Hand des Staates werden die Bodenschätze dann zu einem Gegenstand der Politik. Und für sie gilt ungefähr dasselbe wie für einzelne Menschen, wenn sie eine große Erbschaft machen: Leichter Reichtum macht faul. Die grundlegende Erkenntnis ist viel älter und hat sich sogar in der Literatur niedergeschlagen. „Die Buddenbrooks“ von Thomas Mann sind eine bekannte literarische Illustration dessen, was mit Familienunternehmen passiert, wenn der rechte Leistungsdruck fehlt: Die erste Generation baut das Geschäft auf, die zweite hält es noch aufrecht, die dritte, dekadente dann richtet es zugrunde.

          „Die reich geborenen Schichten sind häufig weder sonderlich lebenstüchtig noch unternehmerisch. Sie verbrauchen eher ihr ererbtes Vermögen und das damit verbundene Sozialkapital, als dass sie welches aufzubauen helfen. Reich geboren zu sein ist immer schlecht“, sagt dazu die amerikanische Wissenschaftlerin Elinor Ostrom.

          Anreize fehlen

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