https://www.faz.net/aktuell/wirtschaft/wirtschaftswissen/einkommen-wer-schoen-ist-verdient-mehr-1827461.html

Einkommen : Wer schön ist, verdient mehr

  • -Aktualisiert am

Schöne Menschen sind gefragt und verdienen gutes Geld: Wirtschaftsminister zu Guttenberg während einer Autogrammstunde Bild: dpa

Schöne Menschen kommen leichter durchs Leben - auch durchs Berufsleben. Denn schöne Menschen sind bei ihren Arbeitgebern erfolgreicher - je besser man aussieht, umso größer sind die Chancen auf ein gutes Einkommen. Aber warum eigentlich?

          3 Min.

          Schöne Menschen kommen leichter durchs Leben - auch durchs Berufsleben. Ein unter Ökonomen schon seit längerem bekannter Befund ist, dass schöne Menschen mehr Geld verdienen - je besser man aussieht, umso größer sind die Chancen auf ein gutes Einkommen. Zwischen 10 und 15 Prozent soll diese Schönheitsprämie ausmachen, schätzen Ökonomen. Das ist seltsam: Welcher Unternehmer sollte in der kalten Welt der Gewinnmaximierung einem Mitarbeiter mehr Geld zahlen, nur weil dieser besser aussieht?

          Ein Erklärungsansatz für das Schönheitsrätsel besteht darin, dass man schönen Menschen mehr zutraut: Experimente legen nahe, dass Arbeitgeber ihren Beschäftigten umso mehr zutrauen, je attraktiver sie sind. Schönen Menschen billigt man mehr Kompetenz, Geschicklichkeit und Intelligenz zu, weswegen man bereit ist, ihnen mehr zu zahlen. Erklärung Nummer zwei wäre eher ästhetischer Natur: Der Arbeitgeber zieht einen persönlichen Nutzen aus der Schönheit seiner Angestellten, weswegen er den besser aussehenden Angestellten mehr Geld zahlt. Man bekommt also mehr Gehalt, weil der Boss sich über den netten Anblick seines Angestellten erfreut.

          Je attraktiver, desto spendabler

          Vielleicht gibt es aber noch eine dritte Erklärung für das Schönheitsrätsel, die Tanya Rosenblat im "Negotiation Journal" aufgegriffen hat: Schöne Menschen bekommen ein höheres Gehalt, weil sie sich in den Gehaltsverhandlungen leichter tun. Um diese Hypothese zu testen, hat sie einfache Verhandlungen im Labor nachgestellt: Jede Versuchsperson bekam neun Pesos - die Experimente wurden in Argentinien durchgeführt - geschenkt und wurde gefragt, ob sie diese Pesos mit einer anderen, ihr unbekannten Person teilen mag. Ökonomisch gesehen ist das eine einfache Veranstaltung: Die potentiellen Spender sollten das Geld samt und sonders für sich behalten; der egoistische Homo oeconomicus gibt nichts an Fremde ab. Die Versuchspersonen aber spendeten trotzdem, sie gaben zumindest einen Teil des geschenkten Geldes ab an ihr unbekanntes Gegenüber. Mit traditioneller Ökonomie ist dieses Verhalten schwer zu erklären.

          Schön und erfolgreich: Google-Topmanagerin Marissa Mayer
          Schön und erfolgreich: Google-Topmanagerin Marissa Mayer :

          Noch interessanter wurde es, wenn man den potentiellen Spendern ein Foto des zu Beschenkenden zeigte und dazu ein Band abspielte, auf dem dieser eine Zwei-Minuten-Botschaft an seinen potentiellen Wohltäter hinterlassen hatte. Je attraktiver der zu Beschenkende von einer unabhängigen Gruppe bewertet wurde, umso größer waren die Spendierhosen der Spender. Kurz gefasst: Je attraktiver die Gegenseite war, umso großzügiger wurde sie beschenkt. Schöne Menschen verstehen es nach dieser Lesart, mehr aus ihren Mitmenschen herauszukitzeln. Auffällig dabei war, dass sich dieser Effekt nur einstellte, wenn man den Spendern ein Bild des zu Beschenkenden und dessen Stimme zugleich vorstellte - zeigte man ihnen nur ein Bild oder spielte ihnen nur die Stimme vor, so sank ihre Spendierlaune. Gutes Aussehen ist also nicht alles, es gehört auch noch eine gute Stimme dazu. Zudem zeigt das, dass die Inhalte der Ansprachen an die Spender auf deren Spendenverhalten offenbar weniger wichtig waren.

          Schöne können besser verhandeln

          Damit liegt die Idee auf der Hand: Schöne Menschen stecken sich den höheren Gehaltsscheck ein, weil sie besser verhandeln können, weil ihr Gegenüber bereit ist, ihnen mehr zu zahlen. In eine ähnliche Richtung deuten auch ältere Experimente mit sogenannten Ultimatum-Spielen: Hier erhält Spieler eins einen Geldbetrag, den er zwischen sich und Spieler zwei aufteilen soll. Akzeptiert Spieler zwei die vorgeschlagene Aufteilung, so erhalten beide das Geld, und das Spiel ist vorbei. Lehnt Spieler zwei hingegen ab, so erhalten beide Spieler nichts. Die traditionelle Ökonomie lehrt, dass Spieler eins immer den kleinstmöglichen Geldbetrag anbietet und Spieler zwei immer akzeptiert - alles andere wäre nicht nutzenmaximierend.

          Experimente allerdings zeigen, dass Spieler eins in der Regel zwischen 40 und 50 Prozent der Summe anbietet und Spieler zwei Beträge unterhalb einer Schwelle von etwa einem Viertel zumeist ablehnt. Spielt man diese Spiele mit Blick auf die Attraktivität der Spieler, so zeigt sich, dass Spieler eins umso bereitwilliger an Spieler zwei spendet, je attraktiver dieser ist. Und es zeigt sich, dass die attraktiveren Spieler, wenn sie in der Rolle von Spieler Nummer zwei sind, keine höheren Ansprüche an Spieler eins stellen als andere Spieler; sie lehnen die gleichen Beträge ab wie andere Spieler, die weniger attraktiv sind. Das deutet darauf hin, dass die attraktiveren Menschen mehr Geld - sprich: Einkommen - nicht deswegen bekommen, weil sie es fordern, sondern weil man es ihnen freiwillig anbietet.

          Schönheit am Arbeitsmarkt bleibt ein Rätsel

          Kann also der Schönheitsvorteil bei Verhandlungen erklären, warum schöne Menschen mehr Gehalt bekommen? Vielleicht ist es nicht ganz so einfach, denn die Studie von Rosenblat hat einen Haken: Es waren lediglich die Frauen, die angesichts der Schönheit ihres Gegenübers mehr spendeten, Männern hingegen war es egal, wie attraktiv ihr Gegenüber war - sie spendeten stets den gleichen Betrag. Solange also die Mehrheit der Personalchefs Männer sind, sinkt der Erklärungsgehalt der Studie, was das Gehaltsrätsel angeht, dramatisch. Etwas verräterischer sind da die Experimente mit den Ultimatum-Spielen: Hier zeigte sich, dass bei diesen Spielen nicht nur schöne Menschen mehr Geld erhielten, sondern auch Männer. Das beißt sich mit der Idee, dass Chefs schönen Menschen mehr Geld zahlen, weil sie deren attraktiven Anblick genießen - jedenfalls solange man unterstellt, dass Männer auch schöne Frauen schätzen. Die Schönheit am Arbeitsmarkt bleibt ein Rätsel.

          Weitere Themen

          Mal kurz die Welt retten?

          Nachhaltige Geldanlagen : Mal kurz die Welt retten?

          Immer mehr Menschen wollen ihr Geld nachhaltig anlegen und dabei genau wissen, wo es investiert ist. Eine Möglichkeit dafür ist Crowdinvesting: Privatleute können über Internet-Plattformen direkt in Windräder investieren. Doch das ist riskant.

          Topmeldungen

          Newsletter

          Immer auf dem Laufenden Sie haben Post! Die wichtigsten Nachrichten direkt in Ihre Mailbox. Sie können bis zu 5 Newsletter gleichzeitig auswählen Es ist ein Fehler aufgetreten. Bitte versuchen Sie es erneut.
          Vielen Dank für Ihr Interesse an den F.A.Z.-Newslettern. Sie erhalten in wenigen Minuten eine E-Mail, um Ihre Newsletterbestellung zu bestätigen.
          Kapitalanalge
          Erzielen Sie bis zu 5% Rendite
          Sprachkurse
          Lernen Sie Englisch
          Immobilienbewertung
          Verkaufen Sie zum Höchstpreis
          Zertifikate
          Ihre Weiterbildung im Projektmanagement