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Ein - und Auswanderung : Migranten: Woher sie kommen und wohin sie gehen

  • -Aktualisiert am

Gastarbeiter im Frankfurter Hauptbahnhof, 1969 Bild: Barbara Klemm

Deutschland ist zu einem der wichtigsten Einwanderungsländer der Welt geworden. Hauptziel der Migranten bleibt aber Amerika. Eine FAZ.NET-Grafik gibt Einblick in die Geschichte der Migration.

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          Der Traum vom Glück beginnt für viele Mittelamerikaner auf dem Dach eines Güterzuges. In Mexiko steigen jährlich Tausende heimlich auf die Waggons einer Zuglinie, die vom Süden des Landes bis an die Grenze der Vereinigten Staaten führt. Eigentlich soll der Zug nur Güter in den Norden bringen, doch viele arme Migranten nutzen ihn als billiges Vehikel, um irgendwie Richtung Texas zu gelangen. Drei Dieselloks ziehen das Ungetüm tausende Kilometer durch das Land. Die Fahrt ins vermeintlich gelobte Land ist gefährlich, beim Auf- und Absteigen kommen immer wieder Menschen unter die Räder. Der Zug, den die Migranten „La Bestia“ – das Biest – nennen, ist zum Symbol des größten Einwanderungsstroms der Erde geworden.

          Weltweit ist die Zahl der Migranten in den letzten Jahren gestiegen. Die einen flüchten vor Krieg und Gewalt, andere suchen Arbeit und ein besseres Leben oder folgen schlicht ihren Verwandten, die schon mal vorangegangen sind. Mehr als 230 Millionen Menschen zählen nach Schätzungen der Vereinten Nationen weltweit als Ausländer – rund 3,2 Prozent der Weltbevölkerung. Noch nie in der Geschichte haben mehr Menschen im Ausland gelebt als heute. Unsere interaktive Grafik zeigt, woher die Einwanderer stammen, die sich im Laufe der Zeit in anderen Ländern niedergelassen haben (hier geht es zur Grafik).

          Von allen in der Grafik dargestellten Migrationsströmen ist der Strom von Mexiko in die Vereinigten Staaten der größte: Mexikaner zieht es schon seit Jahrzehnten in den reichen Norden. An den Grenzzäunen patrouillieren zwar Tausende amerikanischer Soldaten, doch die Migranten finden ihre Wege. Heute leben fast 13 Millionen Mexikaner in den Vereinigten Staaten, zählt man deren Nachkommen hinzu, sind es sogar über 33 Millionen.

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          In den Industrieländern ist die Furcht groß, dass sich weltweit die Wanderung vom armen Süden in den reichen Norden in den kommenden Jahren noch verstärkt. Die Bilder von Flüchtlingstragödien im Mittelmeer erzeugen auch bei vielen Europäern eine Mischung aus Mitleid und Fremdenangst. Wissenschaftler haben derweil Zweifel, dass die Armutsmigration vom Süden in den Norden weiter zunimmt. Der Osnabrücker Migrationsforscher Jochen Oltmer erklärt, dass abgesehen von dem Strom zwischen Mexico und den Vereinigten Staaten die Wanderungen vom Süden in den Norden eher gering sind: „Die meisten wandern vom Süden in den Süden, oder vom Norden in den Norden“, sagt Oltmer.

          Entgegen der landläufigen Meinung nehme der Umfang der Süd-Nord-Migration künftig ab. Grund dafür sei die Demografie. Noch wächst die Bevölkerung in den armen Ländern sehr schnell, während sie im reichen Norden altert und stagniert. „Langfristig aber verlangsamt sich das Bevölkerungswachstum im Süden“, sagt Oltmer. Grund sei die weltweite Angleichung der Zahl der Kinder, die Frauen durchschnittlich zur Welt bringen.

          Das sehen auch die Forscher der Vereinten Nationen so. In ihrer Migrations-Prognose geht die Wanderung aus weniger entwickelten Ländern in entwickelte Länder in den kommenden Jahren zurück. In den Jahren 2005 bis 2010 zählten sie noch 16,6 Millionen solcher Migranten, von 2010 bis 2015 rechnen sie nur noch mit 12,5 Millionen, und auch danach wird die Zahl ihrer Einschätzung nach weiter zurückgehen.

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