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Wichtige Wirtschaftswissenschaftler : Neue Serie: Die Weltverbesserer

  • -Aktualisiert am

Noch vor wenigen Jahren war die Ökonomie eine Wissenschaft, von der die Politik und das Volk vor allem Rezepte erwarteten gegen die kleinen Widrigkeiten der Wirtschaft. Jetzt genügt das nicht mehr. Jetzt wollen die Leute verstehen, wo diese Rezepte herkommen und wer sie weshalb erfunden hat. Die Idee ist relevant, aber genauso der Kontext, in dem sie geboren wurde. Wieso entwickelte gerade Keynes so viele Wirtschaftsrezepte, die heute wieder aktuell sind? Wieso hat gerade Hayek begriffen, welche Ineffizienzen der Sozialismus birgt?

Das ist die Zeit für die Rückkehr der Weltverbesserer, der großen Denker der Ökonomie, seien sie nun noch lebendig oder schon verstorben. Das ist die Zeit der Rückkehr von John M. Keynes und Friedrich A. Hayek, die Zeit, in der man neu blickt auf Walter Eucken und Karl Marx, auf Paul Krugman und Ben Bernanke.

„Mit Dogmengeschichte kann keiner Karriere machen“

Wir stellen die Genannten und einige mehr in einer neuen Serie vor. Jede Woche porträtieren wir einen der großen Forscher und Denker (ein paar Frauen sind auch dabei) und seine wichtigste Idee. Dabei steht im Mittelpunkt, was er uns heutzutage noch zu sagen hat, bei welchen aktuellen Schwierigkeiten er uns hilft. Wir präsentieren Berühmte und clevere Außenseiter, Männer und Frauen, Amerikaner und Deutsche, Japaner und Russen.

Sie taugen nicht bloß als Krisendeuter. Auch zu anderen Fragen von heute liefern sie Antworten: Wann ist eine Mietpreisbremse eine schlechte Idee? Warum ist Deutschland gut im Autobauen und weniger in Fischerei? Und schon vor vielen Jahrzehnten diskutierten die großen Denker, ob Wirtschaftswachstum tatsächlich so erstrebenswert ist wie viele uns glauben machen und wann eine Reichensteuer sinnvoll ist.

Schade nur, dass manche Ökonomen derzeit zwar Bestseller über große Denker veröffentlichen, die Ideengeschichte in der Wissenschaft aber immer noch als ein Verliererthema gilt. „Mit Dogmengeschichte kann man keine Karriere machen“, sagt etwa ein in Deutschland bekannter Professor hinter vorgehaltener Hand. „Deshalb beschäftigen sich damit nur Emeritierte.“

Abtrainiertes Interesse

Die Ökonomie sah sich jahrzehntelang als Wissenschaft, die wie eine Naturwissenschaft Gesetze entdeckt und diese dann lehrt, höchstens noch versehen mit dem Namen des Entdeckers, aber losgelöst von dessen Leben und Geschichte. Dabei wusste schon Keynes: „Die Männer der Tat, die sich frei wähnen von jeglichem intellektuellen Einfluss, sind für gewöhnlich Sklaven irgendeines längst verblichenen Ökonomen.“

Doch den Studenten der Volkswirtschaftslehre wurde das Interesse an der Geschichte der Ideen bislang gezielt abtrainiert. Das kann man sehr schön in einer Untersuchung von David Colander, einem amerikanischen Forscher, nachlesen. Er befragte im Jahr 2004 amerikanische Ökonomiestudenten zu ihren Interessen. Im ersten Studienjahr war noch jeder Fünfte interessiert an der Geschichte ökonomischer Ideen, im zweiten Jahr nur noch jeder sechste und im dritten Jahr und später nur noch jeder Dreiunddreißigste.

Man kann davon ausgehen, dass andere Menschen, die sich für Wirtschaft interessieren, eher so ähnlich denken wie die Studenten im ersten Jahr. Und es ist sicher, dass das Interesse noch gestiegen ist seit der Finanzkrise. Deshalb gibt es diese Serie.

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