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Rüdiger Dornbusch : Warum spielen die Währungen verrückt?

Rüdiger Dornbusch (1942-2002) Bild: DARCHING

Rüdiger Dornbusch hat die Währungstheorie revolutioniert, Schuldenkrisen erklärt und die Besten seines Faches ausgebildet. Aus unserer Serie „Die Weltverbesserer“.

          4 Min.

          Als das Massachusetts Institute of Technology im Jahr 1975 einen neuen Professor für internationale Wirtschaftszusammenhänge suchte, traf das Kollegium eine zunächst wohl überraschende Entscheidung: Es stellte Rüdiger Dornbusch ein, einen frischgebackenen Dozenten Anfang 30 mit noch wenig Lehrerfahrung, aber einem unbestrittenen Talent.

          Alexander Armbruster

          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Im Nachhinein dürfte das eine der besten Personalentscheidungen des Fachbereichs überhaupt gewesen sein. Die wirtschaftswissenschaftliche Fakultät des MIT zählte zwar schon damals zu den angesehensten der Welt. Dornbusch half dann aber dabei, ihre Reputation sogar noch zu steigern. Als vielseitiger Forscher, kluger Politikerberater, vor allem aber als brillanter Lehrer: Eine ganze Generation ökonomischer Überflieger - viele davon zählen heute zu den renommiertesten Finanzfachleuten der Welt - hörte seine Vorlesungen und promovierte unter seiner Regie. Sie kamen häufig von weit her ans MIT. So wie Dornbusch selbst.

          Seine Lebensgeschichte beginnt in Krefeld. Dort wurde er am 8. Juni des Jahres 1942 geboren, dort machte er auch sein Abitur. Danach studierte er in Genf Wirtschaft, zur Promotion wechselte er in die Vereinigten Staaten - nach Chicago. Im Jahr 1966 war das gewesen, als dort der große Milton Friedman lehrte. Dornbusch selbst interessierte sich vor allem für internationale Wirtschaftsfragen und wurde Doktorand des späteren Nobelpreisträgers Robert Mundell (der Erfinder der Theorie optimaler Währungsräume). Zu seinen Promotions-Betreuern gehörte auch der damals noch junge Stanley Fischer. Fischer selbst lehrte ebenfalls in Chicago, wechselte dann aber alsbald ans MIT. Und nimmt für sich in Anspruch, Dornbusch dorthin nachgeholt zu haben, als die entsprechende Stelle vakant wurde. „Tatsächlich war es nicht schwer, meine erfahreneren Kollegen davon zu überzeugen, dass er derjenige war, den wir wollten.“

          Die Schwächen der alten Theorie

          Dornbusch brauchte nicht lange, um an seiner neuen Lehr- und Forschungsstätte Maßstäbe zu setzen. Im Jahr 1976 veröffentlichte er einen Fachaufsatz, der die Wechselkurstheorie revolutionierte. Ausgangspunkt war eine damals überraschende Beobachtung: Das sogenannte Bretton-Woods-System, innerhalb dessen die Länder ihre Währungen an den Dollar gebunden hatten, war seit einigen Jahren Geschichte. Stattdessen hatten zumindest die Industriestaaten ihre Wechselkurse flexibilisiert und überließen die Preisbildung fortan den internationalen Kapitalmärkten. Die Fachleute erwarteten infolgedessen eher gemächliche Wechselkursänderungen, ganz gemäß der von den führenden Denkern Mundell und Marcus Fleming entwickelten Wechselkurs-Theorie. Tatsächlich jedoch schwankten die Währungspreise wesentlich stärker und schneller, und niemand wusste so recht, wieso eigentlich.

          Dornbusch lieferte nun genau dafür eine Erklärung. Er diskutierte sie an folgendem Beispiel: Nehmen wir an, die Zentralbank eines (kleinen) Landes bringt aus irgendeinem Grund mehr Geld in Umlauf. Sind die Güterpreise flexibel und produzieren die Unternehmen schon so viel sie können, werden sie ihre Waren und Dienstleistungen infolge der höheren Nachfrage schlicht teurer machen. Langfristig passiert auch genau das. Kurzfristig, argumentiert Dornbusch nun, können sie das aber nicht; die Preise sind fix, etwa wegen fester Lieferverträge.

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