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Robert Shiller : Gier und Panik

  • -Aktualisiert am

Robert Shiller (Jahrgang 1946) Bild: Illustration Jan Bazing

Nobelpreisträger Robert Shiller zeigt, was die Börsenkurse treibt: periodisch wiederkehrender Wahnsinn. Seine Ideen sorgten für eine psychologische Revolution an den Kapitalmärkten. Anleger können von ihnen einiges lernen.

          Kapitalmärkte, so hat es der Wirtschaftshistoriker John Kenneth Galbraith beschrieben, sind Orte periodisch wiederkehrenden Wahnsinns. So sehr diese Beschreibung unseren Erfahrungen entspricht, so heftig ist der Widerspruch, den sie bei vielen Kapitalmarktforschern und -theoretikern auslöst: In ihrer Welt regieren gut informierte, kühl rechnende Investoren, die jede Kursschwankung zu ihrem Vorteil nutzen und sich nicht von Emotionen oder Denkfehlern leiten lassen. Und wenn diese kühlen Rechner an den Märkten die Oberhand haben, gibt es wenig Anlass daran zu zweifeln, dass der Wahnsinn hier keine Heimat hat.

          Das Wort „Wahnsinn“ wäre Robert Shiller, der in diesem Jahr den Nobelpreis für seine Kapitalmarktforschungen erhielt, vielleicht zu kraftvoll, auch wenn eines seiner bekanntesten und erfolgreichsten Bücher „Irrationaler Überschwang“ heißt – vielleicht eine Vorstufe zum Wahnsinn. In diesem Buch warnte Shiller vor dem Platzen der Internetblase – nur wenige Monate, bevor diese tatsächlich platzte, was ihm einen Status als Börsenguru sicherte, zumal er auch vor der folgenden amerikanischen Immobilienkrise frühzeitig warnte.

          Nun hat man einen Ruf als Börsenguru schnell, das sagt aber wenig darüber, wie man zu seinen Prognosen kommt. Mancher Börsenguru ist es durch Beharrlichkeit oder Glück geworden. Doch Shillers Ideen fußen auf theoretisch soliden Modellen und empirisch dokumentierten Fakten. Ausgangspunkt seiner Forschungen war die Beobachtung, dass die Kursschwankungen an den Aktienmärkten gemessen an der Vorstellung rationaler Akteure zu hoch sind. Wenn auf Kapitalmärkten die nackte, kalte Mathematik der Erwartungswerte und Renditen herrschte, dann dürften diese Märkte nicht die großen Kursschwankungen aufweisen, die er in der Realität beobachtete.

          Kapitalmärkte sind auf lange Sicht prognostizierbar

          Diese Beobachtung hat Folgen: Wenn Kapitalmärkte stärker schwanken, als es die Theorie vorhersagt, bedeutet das, dass die Kurse, gemessen am fundamentalen Wert der Aktien, zeitweise zu hoch oder zu niedrig sind – was wiederum bedeutet, dass diese Über- oder Unterbewertungen mittel- bis langfristig wieder korrigiert werden müssen. Soll heißen: Gibt es Phänomene wie Über- oder Unterbewertung, dann kann man etwas über die zukünftige Richtung der Kurse aussagen – überbewertete Aktien werden billiger, unterbewertete Aktien teurer. Das bedeutet, dass sich Aktienkurse langfristig bis zu einem gewissen Grad prognostizieren lassen. Man kann also – das hat Shiller gezeigt – aus bestimmten Bewertungsrelationen schließen, ob eine Aktie sich zu weit von ihrem fundamentalen Wert entfernt und daraus Kapitalmarktprognosen ableiten. Die Tatsache, dass Shiller zwei Krisen mit dieser Methode vorhergesagt hat, spricht für seine Ideen.

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