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Robert Mundell : Die verflixte Sache mit der Währung

Robert Mundell (Jahrgang 1932) Bild: Reuters

Der Wirtschaftsnobelpreisträger Robert Mundell erklärt in seinen wegweisenden Untersuchungen, was feste und flexible Wechselkurse taugen. Und welche Politik dazu passt. Aus unserer Serie „Die Weltverbesserer“.

          5 Min.

          Robert Alexander Mundell ist der einflussreichste internationale Makroökonom der Nachkriegszeit. Sein Name fiel und fällt während der Euro-Krise immer wieder, weil er sich als erster Ökonom eine Theorie überlegt hat zur Frage, wer sich eine Währung teilen sollte – sein Papier wird auch von Fachleuten häufig als Referenz verwendet, wenn sie darüber streiten, ob die Europäische Währungsunion Sinn ergibt, so wie sie ist. Wissenschaftlich verewigt hat sich Mundell allerdings vor allem damit, dass er in den sechziger Jahren die wegweisenden Beiträge zur Theorie der Internationalen Wirtschaftsbeziehungen überhaupt verfasste und mit ihnen das akademische Denken über die richtige Wirtschaftspolitik-Strategie in offenen Volkswirtschaften prägte wie kein anderer Forscher.

          Alexander Armbruster
          Verantwortlicher Redakteur für Wirtschaft Online.

          Das hat viel mit einem bestimmten Land zu tun: mit Kanada. Dort wird er am 24. Oktober 1932 geboren. Und dorthin kehrt er nach Studium und Promotion in Vancouver, Seattle, London und am Massachusetts Institute of Technology (MIT) in Boston zunächst zurück – in einer gerade für einen jungen, an internationalen Fragestellungen interessierten Ökonomen spannenden Zeit.

          Was kann die Notenbank?

          Denn Kanada hatte zu Beginn der fünfziger Jahre als erstes Industrieland sowohl seinen Wechselkurs freigegeben als auch die andernorts (noch) übliche Beschränkung des Kapitalverkehrs aufgehoben. Noch vor dem Ende des Zweiten Weltkrieges hatten sich die Industriestaaten, auch Kanada, darauf verständigt, ihre Wechselkurse aneinander zu binden – in die Geschichtsbücher eingegangen ist diese Währungsordnung unter dem Namen des amerikanischen Ortes Bretton Woods, wo sie ausgehandelt wurde. Zunächst funktionierte das „kanadische Experiment“ gut. Ende der fünfziger Jahre geriet das Land dann in eine wirtschaftliche Schwächephase mit wachsender Arbeitslosigkeit, während welcher die Notenbank die Leitzinsen auf vergleichsweise hohem Niveau beließ. Das bescherte dem Land eine aufwertende Währung, ein Leistungsbilanzdefizit und vor allem keine Besserung der Beschäftigungssituation. Im Jahr 1961 musste Notenbankchef James Coyne deswegen seinen Hut nehmen - und Kanada band seine Währung wieder an den Dollar.

          Mundell selbst arbeitete zu diesem Zeitpunkt zwar nicht mehr in seinem Heimatland; er war nach einem kürzeren Aufenthalt in Stanford und einem längeren im italienischen Bologna in den Dienst des Internationalen Währungsfonds eingetreten. Gleichwohl liest sich seine in diese Phase fallende Serie bahnbrechender Forschungsarbeiten immer auch wie eine Lehre aus der kanadischen Wechselkurs-Erfahrung.

          In einem ebenfalls im Jahr 1961 erschienen Beitrag für das „Canadian Journal of Economics“ beschäftigt er sich explizit mit dem Zusammenhang zwischen flexiblen Wechselkursen und Beschäftigungspolitik. Ein Jahr später schreibt er über die richtige Anwendung von Geld- und Fiskalpolitik in einem System fester Wechselkurse. Noch ein Jahr später legt er dann unter dem Titel „Capital Mobility and Stabilization Policy under Fixed and Flexible Exchange Rates“ den theoretischen Modellrahmen vor, anhand dessen Ökonomen bis heute überlegen, in welcher Form eine mit anderen Ländern in Handel und Kapitalverkehr vernetzte Volkswirtschaft Stabilisierungspolitik betreiben sollte. Mundell zeigte, dass in einem System fester Wechselkurse die Fiskalpolitik geeignet ist, inländische Nachfrage und Beschäftigung zu beeinflussen, die Geldpolitik nicht. Umgekehrt führte er vor, dass unter flexiblen Wechselkursen Geldpolitik stabilitätspolitisch wirkt, die Fiskalpolitik aber nicht.

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