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Irving Fisher : Lohn der Geduld

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Irving Fisher (1867-1947) Bild: Ullstein

Irving Fisher hat den Zins erklärt und die Notenbanken auf stabile Preise eingeschworen. Seine Warnung vor Überschuldung wurde damals wie heute nicht gehört. Aus unserer Serie „Die Weltverbesserer“.

          In jungen Jahren war Irving Fisher (1867–1947) vom „Dünkel“ vieler Ökonomen abgestoßen, die meinten, die Welt verbessern zu können. Die „allzu unbeschwerte Art“, mit der seine Fachgenossen nach dem amerikanischen Börsencrash von 1893 dazu aufriefen, den Goldstandard aufzugeben, fand er frivol. Lange hielt der evangelikale Pfarrerssohn, der zu einem der bedeutendsten Ökonomen heranwuchs, die Zurückhaltung indes nicht aus. Schon während des Präsidentschaftswahlkampfes von 1896 ließ er sich in eine politische Abwehrschlacht hineinziehen – gegen jene Kräfte, die eine üppigere Geldversorgung wünschten, als die Bindung des Dollar an das knappe Gold erlaubte.

          Das Problem, dass unter dem Goldstandard zwar die Paritäten der teilnehmenden Währungen zueinander stabil blieben, nicht aber die Kaufkraft des eigenen Geldes, nahm Fisher dabei durchaus ernst. Er schlug der amerikanischen Notenbank deshalb eine Politik des „kompensierten Dollar“ vor: Sie sollte die Parität zum Gold flexibel so anpassen, dass stets Preisstabilität gewährleistet sei. Mit dieser expliziten Zielsetzung und als feste, berechenbare Regel erfüllte Fishers Vorschlag alle Kriterien, die mehr als ein halbes Jahrhundert später die Monetaristen populär gemacht haben.

          Eine Fortsetzung der Gedanken David Humes

          Auf einer 14 Monate dauernden Bildungsreise durch Europa hatte Fisher im Jahr des Crashs unter anderen den Österreicher Eugen von Böhm-Bawerk kennengelernt. An dessen Werk anknüpfend, erklärte Fisher den Zins mit einem intertemporalen Kalkül, also als Preis für das Verschieben von Konsum von heute auf morgen. Er hatte erkannt, dass sich dabei ein realer Zins ergibt, der gerade um so viel vom nominalen Zins abweicht, wie die Menschen an Inflation erwarten („Fisher-Gleichung“).

          Zudem entwickelte er die Beobachtung des schottischen Philosophen David Hume (1711–1776), dass die Geldmenge das Preisniveau beeinflusst, zu der in heutigen Lehrbüchern nach ihm benannten „Fisherschen Verkehrsgleichung“ fort. Diese quantitätstheoretische Gleichung drückt die simple Tatsache aus, dass das gesamtwirtschaftliche Transaktionsvolumen zu laufenden Preisen dem Geldumlauf entspricht. Fisher bestätigte die von Hume postulierte Kausalität: Die Preise steigen, wenn die Geldversorgung zu stark ausgeweitet wird. Inflation ist immer ein monetäres Phänomen. Die Notenbank muss also auf die Bremse treten, wenn die Preise anziehen. Um das verlässlich zu bemerken, braucht sie Indizes. Und diese entwickelte der studierte Mathematiker Fisher gleich mit.

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