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Milton Friedman : Konsequent liberal

  • -Aktualisiert am

Milton Friedman (1912-2006) Bild: REUTERS

Milton Friedman trat mit sprühendem Witz für mehr Freiheit ein - sogar bei Drogen, Prostitution und Militärdienst.

          4 Min.

          Auf kaum einen Ökonomen passt der Titel dieser Reihe, “Weltverbesserer“, so gut wie auf Milton Friedman. Er war ein bedeutender Forscher, 1976 geadelt mit dem Nobelpreis, im für diese Ehrung jungen Alter von 64 Jahren. Aber er war auch Berater, Aufklärer, Lehrer, Publizist - und für seine Zeit fast ein Medienstar. Ob er, wie der vor kurzem verstorbene Chicagoer Ökonom Gary Becker (auch er Nobelpreisträger) 2006 in einem Nachruf schrieb, der einflussreichste Wirtschaftstheoretiker des 20. Jahrhunderts war, muss offenbleiben - aber abwegig ist die Aussage nicht. Friedman wollte die Welt nicht nur verstehen, sondern gestalten, und das hat er getan, mit Auftritten auf Konferenzen und im Fernsehen, Kolumnen in Zeitungen und Magazinen sowie Beratungstätigkeit weit über die Vereinigten Staaten hinaus. Zugleich war er Inspirator für unzählige Thinktanks.

          Sein wissenschaftliches Portfolio deckt viele Fragen der Wirtschaftspolitik ab, aber sein Hauptwerk ist die mit Anna Schwartz veröffentlichte, 800-seitige „Monetary History of the United States, 1867 - 1960“. Sie machte ihn neben Karl Brunner und Allan Meltzer zum bedeutendsten Vertreter des Monetarismus - der eloquenteste war er ohnehin. Das Buch belegt, dass die Weltwirtschaftskrise nicht auf ein Versagen der Märkte zurückging, sondern fast ausschließlich auf gravierende Fehler des intervenierenden Staates, nämlich auf eine Unterversorgung mit Geld. Die aus dieser Erkenntnis abgeleitete Regel, dass Notenbanken die Geldmenge im Gleichschritt mit der Entwicklung der Produktivität ausweiten sollten, ist heute nicht mehr so en vogue wie in den 1970er und 1980er Jahren, aber was bleibt, ist die Erkenntnis, dass Inflation ein rein monetäres Phänomen ist. Vielleicht gibt es in einigen Jahren, mit genügend Distanz zum Geschehen, in der Tradition Friedmans ein neues Standardwerk, das zeigt, dass auch die Finanzkrise der letzten Jahre nicht auf Markt-, sondern auf Staatsversagen beruht: auf einer Überversorgung mit Geld. Damit würde der Friedmansche Monetarismus der Österreichischen Schule der Ökonomie die Hand reichen.

          Als Mensch wie auch in seinem Werk bleibt Friedman durch Kreativität, Konsequenz und Witz in Erinnerung. Die Kreativität zeigte sich in vielen Vorschlägen, die er in seinem in über zehn Sprachen übersetzten Bestseller „Capitalism and Freedom“ zusammenfasste.

          Bildungsgutscheine, negative Einkommensteuer - das waren seine Ideen

          Bei ihrer Lancierung tönten sie geradezu revolutionär, inzwischen sind sie in vielen Köpfen angekommen und zum Teil umgesetzt worden. Zuvorderst darf man die Idee der Bildungsgutscheine (Vouchers) zur Finanzierung der Schulen erwähnen. Das Konzept würde Eltern die freie Schulwahl erlauben und die Schulen dem Wettbewerb aussetzen. Friedman und seine Frau Rose, ebenfalls eine hervorragende Ökonomin, waren so überzeugt davon, dass sie dafür eine Stiftung schufen und sie entsprechend alimentierten. Auch den Vorschlag, die Alterssicherung mittels individueller Altersvorsorgekonten statt auf der Basis staatlicher Sozialversicherungen vorzunehmen, verdanken wir Friedman. Er wurde von Chile bis Singapur und von Großbritannien bis Mexiko umgesetzt.

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