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Ludwig von Mises : Der letzte liberale Ritter

Die Planwirtschaft kann mithin keine effiziente Ressourcenverwendung erzielen. Sie ist zu Stagnation, geringer Produktivität und Innovation verdammt. Vor Mises hatte noch kein Ökonom mit so messerscharfen Argumenten erklärt, dass der Sozialismus zum Scheitern verurteilt ist. Außerdem warnte er in seinem Buch „Die Gemeinwirtschaft“, dass der Sozialismus auch politisch gefährlich sei, weil er zu Autoritarismus, ja Diktatur führe. Sein Freund Friedrich August von Hayek hat diese Gedanken später aufgegriffen und fortgeführt. Nach Hayek basiert der Sozialismus auf einer „Anmaßung von Wissen“. Ohne den Wettbewerb als Entdeckungsverfahren muss die Wirtschaft in Stagnation und Verfall enden.

Mises’ Attacke gegen die Planwirtschaft erschütterte eine ganze Generation junger Ökonomen. Wilhelm Röpke etwa bekannte später, „ich wäre ein ganz anderer Typ Nationalökonom und Mensch geworden, wenn ich nicht zufällig auf das Buch ‚Die Gemeinwirtschaft‘ gestoßen wäre“. Und Hayek, als junger Mann sozialistisch angehaucht, schrieb: „Für keinen von uns, der das Buch bei seiner Ersterscheinung las, konnte die Welt je wieder die gleiche sein wie vor der Lektüre.“ Noch viele Jahre später versuchten sich sozialistische Ökonomen an einer Widerlegung von Mises’ Argument - letztlich gab ihm die Geschichte recht.

Interventionsspiralen

Eine große akademische Karriere hat Mises nicht gemacht. 25 Jahre arbeitete er in der Wiener Handelskammer, nebenbei lehrte er an der Universität, aber er erhielt nur eine unbezahlte, außerordentliche Professur. Als strikt marktwirtschaftlicher Jude war er ein doppelter Außenseiter im „roten Wien“ und an der Universität. 1934, als sich die Stimmung in Österreich politisch immer mehr aufheizte, ging er nach Genf an ein Universitätsinstitut. 1940 flüchtete er mit seiner Frau nach Amerika. Dort wurde er Gastprofessor an der New York University, doch sein Gehalt zahlte eine private Stiftung.

Mises, der kompromisslose, zuweilen schroffe, aber auch liebenswürdig höfliche Liberale - sein Biograph Jörg Guido Hülsmann nennt ihn „den letzten Ritter des Liberalismus“ - blieb am Rande des Wissenschaftsbetriebs. Selbst mit Freunden gab es Konflikte, wenn sie seiner Linie nicht folgten. Legendär ist die Szene, wie Mises bei einer Debatte über den Goldstandard im Kreis der liberalen Mont Pèlerin Society mit dem Ruf „Ihr seid doch alles Sozialisten“ wutentbrannt aus dem Raum stürmte.

Mises sah auch die nichtsozialistischen Länder auf einer schiefen Ebene mit lauter Interventionsspiralen. Greift der Staat an einer Stelle in die Wirtschaft ein, setzt Preise oder Mengen fest, so ziehe dies unweigerlich den nächsten Eingriff nach sich. Am Ende rutsche man in immer mehr Dirigismus. Beispiele für Interventionsspiralen gibt es genug, etwa in der Agrarpolitik. Garantiert der Staat Mindestpreise, folgt daraus Überproduktion. Am Ende gab es eine Agrar-Planwirtschaft mit tausend Quoten und Preisvorgaben.

Auch in der Geldpolitik ist die Warnung vor einer Interventionsspirale berechtigt. Immer wieder werden Leitzinsen zu niedrig gesetzt, es bildeten sich Blasen. Doch statt eine schmerzhafte Bereinigung zuzulassen, versuchen die Zentralbanken wieder mittels ultraniedriger Zinsen gegenzusteuern. Nicht nur Mises-Anhänger sehen in der Billiggeldflut den Keim für die nächste Krise gelegt.

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