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John Stuart Mill : Ein Kämpfer für die Freiheit

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Die kapitalistische Produktionsweise, wie sie zu seiner Zeit üblich war, konnte nach Mills Ansicht zwar für eine begrenzte Zeit wachsenden Wohlstand bescheren, würde langfristig aber nicht nur Unglück, sondern auch Verarmung hervorbringen: Übermäßige Geburtenzahlen und ein ruinöser Wettbewerb der Arbeiter und Kapitalisten untereinander würden dafür sorgen, dass die Löhne der Arbeiter nur noch gerade eben zum Leben reichten und die Kapitalisten minimale Profite machten. Nur die Eigentümer bestimmter Rohstoffquellen könnten dank ihrer Monopolstellung noch nennenswerte Gewinne erwarten.

Zwar hatte Mill Hoffnung, dass etwa technische Fortschritte diesen Prozess verlangsamen könnten, doch tendenziell sah er jede entwickelte kapitalistische Gesellschaft in Gefahr, auf diese Art zu enden. Abschaffen wollte er den Kapitalismus jedoch nicht. Tiefgreifende gesellschaftliche Reformen und eine Abkehr vom reinen Eigennutz sollten das System retten. Mit den richtigen Prioritäten, fand Mill, könne das kapitalistische Wirtschaftssystem so gestaltet werden, dass alle davon profitierten, ohne die Grundidee freier Märkte aufzugeben.

Um das zu erreichen, forderte er vor allem, die Idee des Privateigentums endlich ernst zu nehmen. Darunter verstand Mill das Recht jedes Einzelnen auf die Früchte seiner Arbeit oder Sparsamkeit.

Er kämpfte bis zuletzt

Aus dieser Definition leitete er eine Reihe politischer Empfehlungen ab. Nicht selbst erarbeiteter Wohlstand, wie etwa Erbschaften oder die Kontrolle über Rohstoffe, die jemand zufällig auf seinem Land fand, fiel zum Beispiel nicht unter dieses Recht - diese Erträge sollte der Staat stark besteuern und zum Wohle der Allgemeinheit einsetzen. Eine staatliche Geburtenkontrolle sollte ein Überangebot an Arbeitern verhindern, damit der Wohlstand für alle reichte. Außerdem war Mill der Ansicht, dass Profite gleichmäßiger unter Arbeitern und Kapitalisten aufgeteilt werden sollten, etwa durch die Beteiligung der Arbeiter am Unternehmen. An den Aktienoptionen der Google-Masseusen hätte er wohl seine helle Freude gehabt.

Doch mit Umverteilung allein war die Gesellschaft noch nicht zum Besseren zu verändern. Die Leute sollten den Wohlstand, den ihnen die wirtschaftlichen Reformen bescheren würden, auch richtig einsetzen: im Sinne einer Bildung nach aufklärerischen Idealen. In dieser Hinsicht war der freiheitsliebende Mill sehr elitär. Eigentlich überzeugter Demokrat, plädierte er dennoch dafür, Gebildeten und Vermögenden (von deren höherer Bildung er ausging) zusätzliche Stimmen bei Wahlen zu geben. Für Bürger, die sich dem Auftrag zur Bildung und Selbstverwirklichung entzogen und etwa ihre Kinder nicht zur Schule schickten, forderte er harte Strafen. Er arbeitete jahrzehntelang für die East India Company und verteidigte den britischen Kolonialismus zeitlebens als „zivilisierend“.

Mill schwebte eine Gesellschaft vor, in der „viel mehr Menschen als heute ausreichend Zeit und Mittel haben, um sich den schönen, wertvollen Dingen des Lebens zu widmen“. Dafür kämpfte er bis zuletzt. Noch in seinen letzten Lebensjahren zog er ins Parlament ein. Wenig später flog er wieder hinaus: Seine Ideen waren den viktorianischen Abgeordneten einfach zu radikal.

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