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John Maynard Keynes : Der Bezwinger der Weltwirtschaftkrisen

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Sein Zentraler Satz: Manchmal fehlt die Nachfrage

Zentral ist bei Keynes, dass er das traditionell angenommene Saysche Gesetz negiert. Dieses besagt, kurz gefasst: Jedes Angebot schafft sich seine Nachfrage selbst. In der Wirtschaft insgesamt kann es demnach nicht weniger Nachfrage als Angebot geben und damit auch keine Arbeitslosigkeit. In der herkömmlichen Theorie ist es der Zins, der die Funktion hat, Gesamtangebot und Gesamtnachfrage nach Gütern zu jedem Zeitpunkt zur Deckung zu bringen. Er sorgt dafür, dass die Menschen nicht mehr Geld horten (sparen) als sie investieren.

Keynes glaubt, dass das nicht funktioniert. Denn das Geldsystem der Marktwirtschaft erlaubt keinen negativen Zins. Es kann aber sein, dass Angebot und Nachfrage erst bei einem negativen Zins zur Deckung kommen. Wenn nun selbst bei einem Zins von null das Gesamtangebot der Volkswirtschaft über der Gesamtnachfrage liegt, dann kann die Zentralbank noch so viel Geld anbieten, das Gleichgewicht der Wirtschaft kann sie nicht herstellen. Denn statt zu investieren, halten die Bürger Bargeld, weil andere, weniger liquide Anlagen auch keine höhere Rendite bieten als die Nullrendite des Bargeldes. Dies bezeichnete Keynes als eine Situation des „Liquidity Trap“, auf Deutsch „Liquiditätsfalle“. Das Perfide an dieser Falle: Es kommt zu Massenarbeitslosigkeit.

In genau solch einer Situation steckten Keynes zufolge viele Länder in der Weltwirtschaftkrise. Und genau solch eine Situation erkennen viele seiner Anhänger auch seit der Finanzkrise im Jahr 2008. Dass das plausibel ist, begründet Keynes anhand einer psychologischen Theorie des Investitionsverhaltens, bei der die Unsicherheit und Stimmungen eine große Rolle spielen. Daraus leitet er ab, dass eine für Vollbeschäftigung ausreichende private Investitionstätigkeit nur erreicht wird, wenn die „Animal Spirits“ der Menschen nicht allzu düster sind.

Seine Empfehlung: Manchmal muss der Staat Geld ausgeben

Seine Politikempfehlung lautete: Der Staat solle in die Bresche springen und die Gesamtnachfrage stärken - durch schuldenfinanzierte Staatsausgaben. Dieser Gedanke revolutionierte die Politik. Es führte nach dem Zweiten Weltkrieg zum Konzept der staatlichen Globalsteuerung, das sich auf der ganzen Welt verbreitete.

In den siebziger Jahren des 20. Jahrhunderts kam es allerdings zur Abkehr von dieser Idee. Denn die Praxis zeigte, dass die Globalsteuerung politisch immer dann versagte, wenn es darum ging, die staatliche Nachfrage zurückzufahren, also dann, wenn der Staat sparen sollte. Das war in der damaligen Zeit sinnvoll, um die überbordende Inflation zu bekämpfen. Angeführt von Milton Friedman, Friedrich August von Hayek und in Deutschland Herbert Giersch kam es zu einer antikeynesianischen Wende.

Seit der Großen Rezession im Jahre 2008 ist Keynes allerdings wieder zurück. Wohl auch wegen der großen Ähnlichkeit der Finanzkrise mit den Anfängen der Weltwirtschaftkrise. Was würde Keynes wohl heute tun, fragt man sich. Denkt man an die Austeritätspolitik in Europa, die trotz hoher Arbeitslosigkeit den Staat zum Sparen anleiten will, dann ist sicher, dass das Keynes nicht gefallen würde. Welchen Titel hätte er einem Buch gegeben, das diese Situation beschreiben würde. Vielleicht hieße es „The Economic Consequences of Mr. Schäuble“.

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