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Henry Hazlitt : Der Starkolumnist des Kapitalismus

  • -Aktualisiert am

Henry Hazlitt (1894-1993) Bild: © Nast Archive/CORBIS

Henry Hazlitt war ein radikal liberaler Publizist. Er trat für den Goldstandard ein. Und widerlegte Keynes Seite für Seite. Aus unserer Serie „Die Weltverbesserer“.

          4 Min.

          Am 29. November 1964 kamen im New York University Club namhafte Liberale zusammen. Sie hielten Vorträge zu Ehren eines Jubilars, der gerade ein Buch über die Grundlagen der Moral publiziert hatte. Ludwig von Mises würdigte ihn in seinem Grußwort: „In dieser Zeit des großen Ringens für Freiheit und eine Gesellschaft, in der Menschen als freie Menschen leben können, sind Sie unser Anführer.“ Anlass war der siebzigste Geburtstag eines der größten Freiheitspublizisten: Henry Hazlitt. 2014 jährt sich sein Geburtstag zum 120. Mal, zugleich liegt sein Todestag erst 21 Jahre zurück – klassische Liberale werden alt und geraten in Vergessenheit.

          Henry Hazlitt war ein Autodidakt, ein echter Selfmademan, der sein Leben lang mit dem Selbststudium der Ökonomie und Wirtschaftspublizistik verbracht hat.

          Hazlitt war vielseitig tätig, als Literaturkritiker, Journalist und Herausgeber, Ökonom und Philosoph. Meilensteine sind seine Tätigkeiten für die „New York Times“ von 1934 bis 1946 und anschließend für „Newsweek“, wo er zwanzig Jahre lang seine berühmte Kolumne „Business Tides“ schrieb. Als ökonomischer Publizist war er im 20. Jahrhundert vielleicht so brillant wie sein Vorbild Frédéric Bastiat im 19. Jahrhundert.

          1946 schrieb er in nur drei Monaten neben seinen journalistischen Verpflichtungen sein bekanntestes Buch: „Economics in one lesson“. Insgesamt wurden 700.000 Stück der ersten Auflage verkauft. Weltweit verkaufte sich die wirtschaftspolitische Einführung in die Grundprinzipien von Marktwirtschaft und Interventionismus bereits bis zum Ende der siebziger Jahre millionenfach.

          Gute Wirtschaftspolitik muss allgemeingültig sein

          Die zeitlose Lektion lautet: Die Kunst guter Wirtschaftspolitik besteht darin, nicht nur die aktuellen, sondern vielmehr die langfristigen Wirkungen der Politik zu betrachten; zugleich gilt es die Folgen der Politik nicht nur für eine Gruppe, sondern für alle Gruppen zu berücksichtigen, weshalb gute Wirtschaftspolitik allgemeingültig sein muss.

          Offenkundig können staatliche Eingriffe zwar kurzfristig erwünschte Zustände bewirken, langfristig stiften sie aber immensen Schaden, der über das Ausmaß des beklagten, auslösenden Zustandes weit hinausgeht. Mindestlöhne sind ein Beispiel. Hazlitt wurde vom Erfolg des Buches überrascht. Friedrich August von Hayek bezeichnete es als „brillant“; er kenne kein Buch, von dem man so viel über die Grundsätze der Ökonomie in so kurzer Zeit lernen könne.

          Henry Hazlitt war ein publizistisch begnadeter und fachlich bestechend konsequenter Verteidiger von Marktwirtschaft und Freihandel, Goldstandard und klassisch liberalen Prinzipien. Er wurde als führende Stimme in den Vereinigten Staaten gegen Sozialismus, Etatismus, staatliche Planung und Lenkung gehört. Das galt auch für die Debatte um die überbordenden keynesianischen Einflüsse – Hazlitt bezeichnete die keynesianische Ökonomie als „einen der größten intellektuellen Skandale unserer Zeit“. Er konnte sich auf die von ihm verfasste, gründliche Auseinandersetzung mit der „Allgemeinen Theorie“ von Keynes stützen, die er Seite für Seite widerlegte („Das Fiasko der keynesschen Wirtschaftslehre“).

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