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Harriet Taylor Mill : Die Kämpferin für die Freiheit der Frauen

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Harriet Taylor Mill (1807 - 1858) Bild: National Portrait Gallery

Harriet Mill, die Gattin des Philosophen John Stuart Mill, stritt für die Unabhängigkeit der Frau vom Mann. Der Schlüssel dazu: Bildung und Arbeit für alle.

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          Ihr Andenken verdankt sich vor allem den pathetischen Worten John Stuart Mills (1806-1873). Der englische Philosoph hat seiner langjährigen Gefährtin und späteren Gattin Harriet Taylor Mill (1807-1858) mehrfach in solchem Überschwang die Reverenz erwiesen, dass es fast betreten macht. Auf ihre Grabplatte aus weißem Marmor auf dem Cimetière Saint-Véran im südfranzösischen Avignon ließ Mill eine lange, schmerzgetränkte Widmung meißeln: „Ihr großes und liebendes Herz, ihre noble Seele, ihr klarer, kraftvoller, origineller und umfassender Intellekt machten sie zum Leitstern und zum Unterstützer, zum Lehrmeister in Weisheit und zum Vorbild an Güte. Ihr Einfluss ist in vielen der größten Fortschritte dieser Zeit spürbar und wird es auch in den kommenden sein. Gäbe es nur einige wenige Herzen und Köpfe wie sie, dann wäre die Erde schon der erhoffte Himmel.“ In den Augen ihres Angetrauten war Harriet Mill eine so engelsgleiche wie erfolgreiche Weltverbesserin.

          Aus ihrem Elternhaus - der Vater war Chirurg - hatte die politisch interessierte Harriet eine gute Allgemeinbildung mitgebracht; eine höhere Ausbildung stand Frauen damals nicht offen. Mit 18 Jahren heiratete sie den deutlich älteren Pharma-Grossisten John Taylor; die beiden bekamen drei Kinder. 1830 lernte sie dann Mill kennen, erkannte in ihm den besseren, kongenialen Partner und fand mit ihrem Gatten eine erstaunlich konziliante Lösung: Sie zog aus dem Haus ihrer Familie aus, traf sich täglich mit Mill, wahrte aber nach außen den Schein einer guten Ehe. Erst nach Taylors Tod und der gebotenen Trauerzeit heiratete sie Mill im Jahr 1851.

          Wie originell war ihr Denken?

          War diese Frau, die Mill derart vergötterte, dass der befreundete Philosoph Alexander Bain spottete, er sei ihr hörig, tatsächlich so bewunderungswürdig? Wie originell war ihr Denken? Die Antwort ist schwierig im Fall einer Intellektuellen des 19. Jahrhunderts, die ihren Geist dem Werk des Mannes angedeihen ließ. Es gibt kaum Schriften unter ihrem eigenen Namen. Sogar der ihr zugerechnete Essay „The Enfranchisement of Women“ (in etwa: Die Befreiung der Frauen) erschien einst unter John Stuart Mills Namen. In seinen „Principles of Political Economy“ ist wohl das Kapitel über die Zukunft der Arbeiterklasse vollständig von Harriet verfasst. Und die von Friedrich August von Hayek herausgegebene Korrespondenz der beiden zeigt, dass Harriet ihrem Partner über fast 30 Jahre Anregungen gegeben und alle seine Texte kritisch überarbeitet hat. Dazu passt, dass Mill im Vorwort zu „On Liberty“ (Die Freiheit) ihre Mitwirkung offen anerkannt hat: „Wie alles, was ich über viele Jahre geschrieben habe, so gehört auch dies ihr und mir zugleich.“

          Umso mehr beißen sich die Ideengeschichtler an Harriet Mill die Zähne aus. Was genau war ihr Beitrag? Wo spricht er, wo sie? An steilen Thesen dazu, in denen Lebensumstände und Theorie bunt vermengt werden, mangelt es nicht: Dass sich Mill in den „Principles“ mit Verteilungsfragen befasst und mit dem Sozialismus flirtet - das muss doch auf den illiberalen Einfluss dieser Revoluzzerin zurückgehen. Dass er in „On Liberty“ staatlichen Zwang auf dieselbe Stufe stellt wie sozialen Druck - das muss wohl mit der harten Missbilligung zu tun haben, die seine Liaison im viktorianischen England hervorrief. Oder? Wie auch immer, Zurechnung und Beurteilung bleiben schwierig.

          Nachweislich trieben Harriet Mill vor allem drei Themen um, die sie sehr wohl als liberale Anliegen begriff: die Emanzipation der Frau, die Eindämmung der Überbevölkerung und der Aufstieg der Arbeiterklasse. Zur Lösung aller drei Probleme setzte sie auf Bildung: Wer mehr weiß, ist produktiver, findet leichter Arbeit, plant seine Familie verantwortlicher, ist ein freierer Mensch. Sicherlich durch die eigene Lage befördert, war dieser frühen Frauenrechtlerin auch die gesetzlich zementierte wirtschaftliche Abhängigkeit der Frauen von ihren Ehemännern ein Dorn im Auge. Sie verlangte freien Zugang zu Bildung und zum Arbeitsmarkt, gleiche Löhne und Eigentumsrechte.

          Die Männer brauchten sich nicht zu fürchten, denn von dem intensivierten Wettbewerb auf dem Arbeitsmarkt werde die gesamte Gesellschaft profitieren, tröstete sie ökonomisch hellsichtig: „Die Welt wird so in den Genuss der besten Fähigkeiten aller ihrer Einwohner kommen.“ Im Übrigen sei es schlicht „Tyrannei, die Hälfte der Wettbewerber auszuschließen“. Den Einwand, die Sorge für Haushalt und Nachwuchs sei mit einer Berufstätigkeit von Frauen unvereinbar, konterte sie lakonisch, dann werde sich das Thema auch ohne restriktive Ehegesetze von selbst erledigen.

          Die diskriminierenden Gesetze, gegen die Harriet Mill mit ihren bescheidenen Mitteln kämpfte, gibt es heute in der zivilisierten Welt so nicht mehr. Übriggeblieben sind naturgegebene Sachzwänge, vor denen sie selbst die Augen nicht verschloss; hinzugekommen sind politisch verursachte Fehlanreize. Dass der Staat zudem heute mit Instrumenten wie einer Frauenquote abermals zu diskriminierender Regulierung greift, ist eine Pervertierung der Ideen der liberalen Weltverbesserin Harriet Mill.

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